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StartseiteCampus & KarriereLernen ja, Abschluss nein08.09.2015

Massive Open Online CoursesLernen ja, Abschluss nein

Seit einigen Jahren bieten viele Hochschulen sogenannte Massive Open Online Courses (MOOC) an: Das sind kostenlose Kurse, die im Internet - beispielsweise über YouTube - angeboten werden. Nun haben Forscher den Erfolg der Kurse ausgewertet. Das Ergebnis: Die Kurse sind beliebt, aber nur wenige Teilnehmer bleiben bis zum Schluss dabei.

Von Philip Banse

Studium online: Eine junge Frau arbeitet mit ihrem Lehrbuch am Laptop. (dpa / picture alliance / Jens Kalaene)
Studium online: Eine junge Frau arbeitet mit ihrem Lehrbuch am Laptop. (dpa / picture alliance / Jens Kalaene)
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"Wir am HPI machen seit über zwei Jahren MOOCs und was wir merken ist, dass MOOCs erwachsen werden", sagt Jan Renz, beim privaten Hasso-Plattner-Institut der Uni Potsdam zuständig für MOOCs, also kostenlose Kurse, die das Institut über das Internet anbietet. Zentrale Versprechen haben sich bisher nicht erfüllt, die mit MOOCs verbunden waren. Hochschulbildung für die Armen auf dieser Welt?

"Die Techno-Utopisten waren wohl etwas zu utopisch, wie einfach es sein wird, höhere Bildung für alle zur Verfügung zu stellen", sagt Ezekiel Emanuel, Professor an der University of Pennsylvania. Emanuel hat mit Kollegen untersucht, wer MOOCs nutzt: "Der typische Student ist ziemlich wohlhabend, gut gebildet und hat bereits einen Job. Wir sind - zumindest derzeit - nicht besonders demokratisch, wenn es darum geht, Menschen ohne Zugang zu Hochschulbildung Zugang zu Hochschulbildung zu geben. Das war zunächst eine etwas frustrierende Erkenntnis."

Eine Ursache dafür sei, dass Studierende natürlich Englischkenntnisse, Computer, Zeit und schnelles Internet brauchen, sagt Anja Lorenz. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fachhochschule Lübeck hat für den Stifterverband 10 deutsche MOOCs analysiert, die der Stifterverband mit 250.000 Euro gefördert hatte:

"In Pakistan konnten sie kein YouTube aufrufen und in einem afrikanischen Land muss man wohl am Anfang des Monats sein Datenvolumen kaufen und die wollten wissen, wie viele Videos denn nun kommen."

Doch auch wenn mehr Menschen Zugang Computern und schnellem Internet bekommen - Ezekiel Emanuel, der Professor aus Pennsylvania, glaubt derzeit nicht, dass MOOCs etwas für Bildungs-Anfänger sind:

"MOOCs sind wahrscheinlich nicht ideal für ein Erststudium. Wer das annimmt, macht einen Fehler. Online-Bildung ist wahrscheinlich etwas für Leute, die schon einen Job haben, die sich fortbilden wollen, um besser zu werden oder einen neuen Job zu finden."

Eine Gemeinschaft bilden

MOOC-Kritiker bemängeln darüber hinaus, dass zwar mitunter Hundertausende einen Online-Kurs bei Coursera, Udacity oder OpenHPI beginnen, aber nur ein Bruchteil den Kurs auch abschließt.

Von denen, die das erste Video gesehen haben, haben nur vier Prozent den Kurs abgeschlossen, sagt Ezekiel Emanuel, von der University of Pennsylvania. Ähnlich war's bei den zehn MOOCs, die der deutsche Stifterverband gefördert hat - Abschlussquote hier: 3,2 Prozent.

"Wenn ich hier in Penn unterrichte, gibt es eine riesige Infrastruktur, die die Studierenden dabei unterstützt, die Kurse zu beenden: Gruppenzwang, Berater, allein das Leben auf dem Campus. Das haben sie im Internet nicht. Da waren wir als MOOC-Community blind. Es ist klar geworden, dass wir diese Infrastruktur und diese Gemeinschaft auch für MOOCS aufbauen müssen, wenn wir die Abschlussrate von vier Prozent näher an zehn Prozent ran bringen wollen."

Wie das aussehen kann, schildert Christian Terwiesch, Professor für Informations-Management an der University of Pennsylvania:

"Mein Kurs wurde in Büchereien in Südafrika gestreamt. Wir versuchen um diese Bibliotheken herum jetzt eine Infrastruktur mit Lern-Assistenten aufzubauen, damit die Leute vor Ort Unterstützung beim Lernen bekommen und sich eine Gemeinschaft bildet."

Die MOOC-Forscher aus Pennsylvania weisen aber darauf hin, dass die Kurse in der Regel umsonst sind, ein Abbruch also keinen Verlust bedeutet. Ihre nächste Forschungs-Hypothese ist: Vielleicht interessieren sich MOOC-Studierende gar nicht für einen Abschluss. Vielleicht wollen sie einfach etwas lernen und wenn das erreicht ist, hören sie auf und haben ihr Ziel erreicht.

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