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Seit 21:00 Uhr Nachrichten
StartseiteForschung aktuellSonnenbrand schädigt doppelt16.04.2014

MedizinSonnenbrand schädigt doppelt

Schon jetzt im Frühjahr hat die Sonne Kraft genug, einen Sonnenbrand auszulösen. Zuviel UV-Strahlung kann sogar zum schwarzen Hautkrebs führen. Dabei bilden sich sehr früh Metastasen nicht nur auf der Haut, sondern auch im Körper, in Organen wie der Lunge. Die Hintergründe der gefährlichen Ausbreitung hat ein Bonner Forscherteam entschlüsselt.

Von Thekla Jahn

Eine Frau sitzt am 17.02.2014 in München (Oberbayern) bei Sonnenschein auf einem Stuhl. Milde Temperaturen und sonniges Wetter laden zum Sonnenbaden ein.  (picture alliance / dpa / Nicolas Armer)
Schon früh im Jahr hat die Sonne viel Kraft, die man leicht unterschätzen kann (picture alliance / dpa / Nicolas Armer)

Wenn die Haut mit einem Sonnenbrand reagiert, dann waren es der UV-Strahlen zu viele. Nach außen sichtbar ist die Haut gerötet, da entzündet. Nicht sichtbar hingegen ist das, was in der Haut passiert. So verändert UV-Strahlung die Erbsubstanz in den Pigmentzellen und es entstehen Krebszellen. Aus ihnen kann sich in der Haut ein bösartiger Tumor entwickeln. Soviel war bislang schon klar.

"Die Entzündung in der Umgebung bei einem Sonnenbrand führt aber auch noch dazu, dass einzelne Krebszellen ihre Eigenschaften verändern, wanderungsbereit werden und so Zugang zu Blutgefäßen finden und entlang dieser Blutgefäßoberfläche sich in den Körper bewegen", erläutert Professor Thomas Tüting, Leiter des Labors für experimentelle Dermatologie an der Universitätsklinik Bonn.

Sonnenbrand schädigt also nicht nur das Erbgut der Pigmentzellen, sondern setzt in der direkten Umgebung der Pigmentzellen auch gleich bestimmte Prozesse in Gang, welche die Krebszellen auf Reisen durch den Körper schicken. Sie bilden Metastasen in Organen wie der Lunge, den Lymphknoten und der Leber. Tüting:

"Dass die schwarzen Hautkrebszellen frühzeitig auswandern, und zwar entlang von Blutgefäßoberflächen, das ist etwas, was uns überrascht hat."

Krebszellen auf Wanderung

Denn diese Art der Wanderung wurde bislang nur bei bestimmten Hirntumoren beobachtet und führte niemals zu Metastasen außerhalb des Gehirns. Anders ist es beim Hautkrebs.

"Wir studieren schon seit vielen Jahren die Entwicklung von schwarzem Hautkrebs in Mäusen, die erblich zu dieser Krebsart neigen."

Mithilfe der Fluoreszenz- und Elektronenmikroskopie konnten sie feststellen, dass in der entzündeten Umgebung von veränderten Hautpigmentzellen Botenstoffe freigesetzt werden. Diese locken bestimmte Immunzellen an, die bei den Pigmentzellen einen Hebel umlegen:

"Man könnte sich vorstellen, dass durch die Entzündung abgeschaltete Programme aus der Embryonalentwicklung angestellt werden und dass plötzlich die Krebszellen das richtige Schuhwerk haben, um sich in diesem neuen Gelände zurückzufinden, auch entsprechend zu wandern", sagt Professor Michael Hölzel vom Institut für klinische Chemie und klinische Pharmakologie des Bonner Universitätsklinikums. Dass Entzündungen zur Tumorentstehung beitragen, das ist bei einigen Krebserkrankungen statistisch belegbar - zum Beispiel bei chronischen Darm- oder Magenschleimhautentzündungen. Welche Zellveränderungen aber letztlich einen Tumor begünstigen, wusste man nicht. Beim schwarzen Hautkrebs, dem sogenannten Melanom, sind die Forscher bei der Erklärung jetzt einen Schritt weiter, so Hölzel:

"Also man muss sich vorstellen, dass die pigmentbildenden Zellen in der Haut nicht schon von Anfang an in der Haut sind, sondern erst zum Teil auch entlang von Blutgefäßen kommen sie an die richtige Stelle in die Haut und können dann ihrer Aufgabe nachgehen, Pigment zu produzieren, um die Haut zu schützen. Und es ist eben genau dieser Aspekt, dass genau diese Programme aus der Entwicklung fälschlicherweise wieder aktiviert werden und die Melanomzellen plötzlich rückwärts wandern, an den Ort, wo sie früher hergekommen sind."

Gefährliche Ausbreitung

Diesen Mechanismus haben die Bonner Forscher bisher nur bei Mäusen beobachtet. Sie sind sich aufgrund feingeweblicher Untersuchungen jedoch sicher, dass er auch beim Menschen greift, erklärt Tüting:

"Es ist beim Patienten natürlich noch nicht so ganz klar, wann Zellen wirklich wegwandern. Aber es sieht schon so aus, dass selbst kleine Knötchen, Knötchen, die weniger als erbsengroß sind, zu einer bösartigen Aussaat führen können."

Und das macht den schwarzen Hautkrebs so gefährlich. Zwar ist im einzelnen nicht klar, wie Krebszellen weiterleben. Sie scheinen sich aber auf den Blutgefäßoberflächen wohlzufühlen und in der Nähe von inneren Organen wie im Winterschlaf zu überleben. Wann und weshalb sie aufwachen und andernorts wieder ansiedeln, das muss sich in weiteren Studien zeigen. Dann ließen sich endlich Therapien entwickeln, die es verhindern, dass Hautkrebs in anderen Organen zu tödlichen Metastasen führt.

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