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StartseiteWirtschaft und GesellschaftMehrere Zentralbanken greifen gleichzeitig in den Geldmarkt ein30.11.2011

Mehrere Zentralbanken greifen gleichzeitig in den Geldmarkt ein

Konzertierte Aktion treibt Dax nach oben

China hat Maßnahmen ergriffen, um die Vergabe von Krediten zu erleichtern und so das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Zu einem wahren Kursfeuerwerk kam es wenig später, als gleich mehrere Zentralbanken gleichzeitig in den Geldmarkt eingegriffen haben und dem Finanzsystem weltweit mehr Geldmittel zur Verfügung stellten.

Von Michael Braun

Kurve des Deutschen Aktien Index (DAX) an der Deutschen Börse in Frankfurt am Main (AP)
Kurve des Deutschen Aktien Index (DAX) an der Deutschen Börse in Frankfurt am Main (AP)

Erleichterung auf den Finanzmärkten: Der Deutsche Aktienindex erstmals seit Mitte November wieder über der Marke von 6000 Punkten, in der Spitze ein Plus von rund fünf Prozent. Auch die anderen europäischen Indizes gingen kräftig nach oben. Es waren die Zentralbanken der Eurozone, der Vereinigten Staaten, Kanadas, Japans, Großbritanniens und der Schweiz, die den Banken in einer offenbar akuten Liquiditätsnot unter die Arme griffen. Holger Schmieding, der Chefvolkswirt der Berenberg Bank:

"Europäische Banken brauchen oft US-Dollars. Sie haben zurzeit das Problem, dass in den USA ihnen kaum noch jemand Dollars anvertraut. Was die Zentralbanken jetzt gemacht haben, ist Folgendes: Sie haben die jetzigen Möglichkeiten, dass die Europäische Zentralbank in Vereinbarung mit der US-Notenbank europäischen Banken Dollars geben kann, sie haben dies erheblich ausgeweitet. Das gibt Sicherheit für die Banken und den Strafzins, den europäische Banken bezahlen müssen, wenn sie sich bei der Zentralbank Dollars besorgen, diesen Strafzins haben Zentralbanken jetzt gesenkt von einem Prozentpunkt auf einen halben Prozentpunkt."

Bisher mussten die Banken für Dollaranleihen bei der Zentralbank ein Prozent Zins zahlen. Nun wird der Zins vom 5. Dezember an auf 0,5 Prozent halbiert. Das, mehr nicht, ist der gemeinsame Beschluss der Zentralbanken von heute. Banken brauchen Dollar, weil sie für Kunden Geschäfte in Dollar abwickeln, etwa bei der Rohstoffbeschaffung.

Außerdem gibt es noch alte Verbindlichkeiten im amerikanischen Immobilienmarkt. Auch die müssen mit Dollar bedient werden. Doch von amerikanischen Geldgebern bekamen die europäischen Banken kaum noch Dollar. Schmieding über die Nöte der Banken in Europa:

"Die Befürchtung beispielsweise amerikanischer Investoren, dass europäische Banken durch giftige Staatsanleihen in ihren Beständen gefährdet sein könnten, und diese Befürchtung sorgt halt dafür, dass Amerikaner, Asiaten, aber auch andere Europäer den Banken kaum noch Geld geben."

Deshalb haben die Zentralbanken eingegriffen. Und das, dieser Eingriff, wog für die Stimmung an den Märkten schwerer als die Verbilligung der Dollarkredite von einem auf einen halbes Prozent. Denn nun macht sich die Hoffnung breit, die Zentralbanken, namentlich die EZB, werde auch in der Schuldenkrise eine stärkere Rolle spielen - am besten, das ist der Wunsch, durch unbegrenzte Aufkäufe von Anleihen aus Staaten, die sich einem Sanierungsprogramm unterziehen.

Hinzu kam, dass die chinesische Notenbank, bislang strikt auf Anti-Inflationskurs, heute ihre Geldpolitik lockerte. Erstmals seit drei Jahren senkte sie die Mindestreservequote für die größten Banken des Landes um 0,5 Prozentpunkte auf 21 Prozent. Chinesische Banken müssen also nur noch 21 Prozent der Sicht- und Spareinlagen ihrer Kunden zinslos bei der Zentralbank hinterlegen. Sie bekommen als mehr Geld frei für ihre Geschäfte. Und das dient auch der exportierenden Industrie aus Europa.

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