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Seit 01:10 Uhr Hintergrund
StartseiteForschung aktuellMit dem Dolmetscher auf der Nase25.11.2009

Mit dem Dolmetscher auf der Nase

Hightech-Brille soll Sprachbarrieren überwinden

Technologie.- Mithilfe einer speziellen Brille, die den Nutzern ein virtuelles Display auf die Netzhaut projiziert, könnte es möglich werden, dass Menschen unterschiedlicher Herkunft miteinander reden – jeweils in ihrer eigenen Sprache.

Von Peter Kujath

Theoretisch könnten modifizierte Brillen auch ganze Buchtexte auf die Netzhaut ihrer Träger projizieren.  (Stock.XCHNG / Matt Aiello)
Theoretisch könnten modifizierte Brillen auch ganze Buchtexte auf die Netzhaut ihrer Träger projizieren. (Stock.XCHNG / Matt Aiello)

Es ist nur ein kleiner Kasten auf der linken Seite eines ganz normalen Brillengestells – doch wer dieses Ding auf der Nase hat, sieht mehr. In dem gefühlten Abstand von einem Meter erscheint eine transparente Fläche, auf die Informationen projiziert werden können.

"Vielleicht ist das Prinzip am besten mit dem Rückspiegel beim Auto zu vergleichen. Den nutzen Sie auch nur, wenn Sie eine weitere Information brauchen. Ansonsten schauen Sie nach vorne. Ähnlich verhält es sich mit dem zusätzlichen Display."

Kotaro Nagahama ist bei NEC zuständig für den TeleScouter, wie das Projekt offiziell heißt. In dem etwa 35 Gramm schweren Kasten ist die Laser-Technologie RID von der japanischen Firma Brother integriert. RID steht für retinal imaging display. Mithilfe eines Lasers werden Bilder direkt auf die Netzhaut geworfen und erscheinen einem quasi vor dem inneren Auge unsichtbar für alle anderen. Es bedarf einer kurzen Eingewöhnung, ehe man zwischen den verschiedenen Ebenen unterscheiden kann. Dann jedoch lässt sich der Focus zwischen dem normalen Geschichtsfeld und dem kleinen Bildschirm im linken Blickfeld problemlos verschieben.

"Wie im Demonstrationsvideo gezeigt, sehen wir die Anwendungsmöglichkeiten in der Industrie. Ein Arbeiter kann so zum Beispiel, die Anleitung direkt vor Augen, mit beiden Händen zupacken, oder man kann sich bei einem Experten in der Ferne Rat holen und den Bauplan einspielen lassen."

Das ist auch der eigentliche Beitrag von NEC, einem der weltweit führenden Anbieter von Internet, Breitband-Netzwerken und IT. Die Brille der Zukunft ist drahtlos mit einem Gerät verbunden, das sowohl den virtuellen Bildschirm steuert, als auch eine Verbindung zum Server herstellt, der die Informationen und gegebenenfalls die Kommunikation mit anderen Teilnehmern ermöglicht.

"Bisher sind es noch zwei Geräte, die dafür nötig sind: die Steuerungseinheit und das Gerät, das die Informationen in einen Laser umwandelt und dann diese auf die Netzhaut projiziert. Das muss künftig in einem Gerät geschehen."

Deshalb wird die Brille mit dem zusätzlichen Blickfeld erst im November nächstes Jahr auf den Markt kommen, auch wenn NEC schon jetzt mit potentiellen Kunden verhandelt. Ein Set mit 30 Brillen und der entsprechenden Server-Anbindung soll 7,5 Millionen Yen, umgerechnet etwa 56.000 Euro kosten. Ein möglicher Einsatzbereich der Zukunft erregt besonders viel Interesse, erklärt Kotaro Nagahama.

"Bisher ist es bei Übersetzungsprogrammen so, dass man etwas einspricht, und es erscheint auf dem Bildschirm die entsprechende Übersetzung, die der andere dann lesen kann. Das ist kein wirkliches Gespräch. Mit unserer Brille ausgestattet, mit Mini-Kamera und Mikrofon, kann man sich unterhalten, auch wenn jeder in seiner Muttersprache spricht. Die Übersetzung wird jeweils auf dem kleinen Display eingeblendet. Ich kann es lesen, gleich antworten und dabei mein Gegenüber anschauen. Das ist dann eine neue, echte Form der Kommunikation."

Doch noch liegen die Probleme beim Spracherkennungs- und Übersetzungsprogramm. Circa drei Sekunden dauert es, ehe der entsprechende Satz auf dem Bildschirm erscheint. Nach knapp einer Stunde mit der Brille auf der Nase merkt man leichte Ermüdungserscheinungen, weil das Gehirn den ständigen Wechsel zwischen dem normalen Blickfeld und dem eingeblendeten virtuellen Display nicht gewohnt ist. Die Zeit bis zum Verkaufsstart soll auch genutzt werden, um mögliche Langzeitfolgen zu untersuchen.

"Die Stärke des Lasers liegt natürlich unter dem Niveau, das für den Menschen in irgendeiner Form gefährlich ist. Ob eine längere Nutzung möglicherweise Folgen haben könnte, wird jetzt in einem Praxistest an einem Universitätskrankenhaus überprüft."

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