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StartseiteUmwelt und VerbraucherAbfall als Rohstoff nutzen27.12.2017

Mülltrennung und RecyclingAbfall als Rohstoff nutzen

Höhere Verwertungsquoten und mehr Mülltrennung: Diese Ziele hat das von der EU beschlossene Abfallpaket. Es gehe vor allem darum, der Bevölkerung verständlich zu machen, dass Abfall ein Rohstoff sei, sagte der Europaabgeordnete der CDU, Karl-Heinz Florenz, im Dlf. Vor allem in Deutschland werde noch viel zu wenig recycelt.

Karl-Heinz Florenz im Gespräch mit Susanne Kuhlmann

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(picture-alliance / dpa / Patrick Pleul)
Volle Plastikmüllbeutel stehen zur Abholung bereit. Ab dem übernächsten Jahr soll soll es viel mehr biobasierte Kunststoffe in der EU geben. (picture-alliance / dpa / Patrick Pleul)
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"Typisch deutsch?" Weltmeister der Mülltrennung

Susanne Kuhlmann: Ab 2019 wird ein höherer Bioanteil in Kunststoffen Pflicht. Darauf müssen sich Recyclingunternehmen vorbereiten. Weihnachten ist vorüber. Und was zurückbleibt, ist jede Menge Verpackungsmüll. Geschenkpapier, Kartons, und nicht zuletzt die vielen Pakete von Onlineversendern. Die Deutschen mögen Weltmeister bei der Abfalltrennung sein – beim Produzieren von Verpackungsmüll sind sie es leider auch. Kurz vor Weihnachten haben sich Europäisches Parlament, Europäischer Rat und EU-Kommission nach einem Verhandlungsmarathon auf ein Abfallpaket geeinigt, das zu höheren Verwertungsquoten und mehr Mülltrennung führen soll. Am Telefon ist Karl-Heinz Florenz von der CDU. Er gehört der konservativen Fraktion im Europaparlament an und hat die Verhandlungen maßgeblich mitgestaltet. Guten Tag, Herr Florenz!

Karl-Heinz Florenz: Guten Tag!

Kuhlmann: Weniger deponieren und mehr wiederverwerten, wie soll das in Europa künftig besser funktionieren?

Florenz: Das erste Mal haben wir klare Regeln aufgestellt, welche Prozentsätze wir dann in den nächsten 25 Jahren erwarten. Das war nicht so ganz einfach, weil hier in Deutschland schon sehr hohe Quoten sind oder befriedigende Quoten sind. Aber zum Beispiel in den neuen europäischen Mitgliedsländern war das schon eine große Herausforderung, und wir haben immer wieder festgestellt, dass nicht die Prozentsätze entscheidend sind, sondern das Entscheidende ist, das Bewusstsein der Bevölkerung dazu zu bewegen, zu verstehen, dass Abfall kein Abfall ist, sondern ein Rohstoff.

Florenz: Standards für viele Rohstoffe entwickeln ist wichtigste Aufgabe 

Kuhlmann: Wie ändert oder wie beeinflusst man denn das Bewusstsein der Bevölkerung?

Florenz: Schön ist, dass Sie darüber eine Sendung heute machen. Aber die wichtige Aufgabe, die wir in Brüssel uns gesetzt haben, ist, Standards für viele Rohstoffsorten zu entwickeln und sie dann auch möglichst verbindlich zu einem gewissen Zeitpunkt an die Länder weiterzugeben. Das geschieht jetzt, aber natürlich auch mit großen Ausnahmen leider Gottes, bei Ländern, die eben noch nicht so weit sind wie wir.

Kuhlmann: Eben hörten wir den Bericht über biobasierte Kunststoffe, von denen es ab dem übernächsten Jahr ja viel mehr geben soll. Findet sich das Thema im Abfallpaket auch wieder?

Florenz: Ja, das findet sich wieder, indem wir gesagt haben, wir müssen erst einmal Bioabfälle getrennt sammeln. Denn da sind wir ja noch lange nicht in Europa, und übrigens auch in Deutschland noch nicht. Auch in Deutschland gibt es keine flächendeckende Biotonne, wenn Sie so wollen, sondern da gibt es noch einige Länder, die da Ausnahmeregelungen haben, die auch teilweise gut funktionieren, eine Verpflichtung für Biosammlung, Bioabfallsammlung bis 2025. Das war uns viel zu lange, aber es hat auch keinen Zweck, Rumänien, Bulgarien zu einer noch kürzeren Zeit zu verpflichten, wo wir dann genau wissen, dass sie sie nicht einhalten können. Also, 2025 ist für das getrennte Sammeln von Bioabfällen ein Kompromiss, aber er ist schon mal da, er ist verpflichtend, das hilft auch schon weiter.

Kuhlmann: Das Müllproblem stellt sich in den europäischen Ländern recht unterschiedlich dar, das haben Sie eben schon erwähnt. Was bedeutet das Abfallpaket denn für Deutschland und die deutschen Verbraucher?

Florenz: Wir Deutsche sind ganz ohne Zweifel die besten Abfallsammler. Das ist ja schon mal gut. Ich bestreite allerdings, dass wir Deutschen dann aus der großen gesammelten Menge an Abfall dann auch wirklich Recyclingprodukte machen, zum Beispiel bei Kunststoff. Das wird alles recht gut sortiert, aber am Ende eines Prozesses ist dann doch eine ganz große gemischte Fraktion an Kunststoffen da, die dann leider viel zu oft in Verbrennungsanlagen wiedersehen. Wir müssen beim Design von Verpackungen zum Beispiel mehr darauf achten, dass wir größere vergleichbare Kunststoffmengen haben, die dann auch wirklich in den Wiederverwendungsprozess gehen.

"Wir Deutsche haben keine Rohstoffe"

Kuhlmann: Welche Müllfraktionen verursachen sonst noch Probleme?

Florenz: Insgesamt gibt es überall Probleme, aber Kunststoff ist schon eine schwierige Frage, weil wir eben Hunderte von verschiedenen Kunststoffen haben. Da sind natürlich auch die Produzenten von Verpackungen, wie ich schon sagte, gefragt, beim Design einer Verpackung darauf zu achten, dass der dann ganz automatisch kommende Abfall oder das Rohmaterial dann eben in größeren Mengen einheitlich zur Verfügung steht. Also, das ist eine Herausforderung auch an die Industrie. Die hat da auch ordentlich mitgearbeitet, sie hat das auch verstanden. Weil, eines muss man sagen: Wir Deutsche haben keine Rohstoffe. Und wenn wir unsere Rohstoffe dann auch noch dummerweise verbrennen oder, noch schlimmer, auf die Deponie, fahren, dann werden unsere Kinder eines Tages keine Rohmaterialien mehr haben, denn die Rohmaterialien, die es in der Welt gibt, sind in komplizierten Ländern zu Hause, und mit denen ist nicht immer gut Kirschen essen.

Kuhlmann: Höhere Recyclingquoten und mehr Mülltrennung. Zum Abfallpaket der EU waren das Erläuterungen von Karl-Heinz Florenz, der für die EVP im Europaparlament sitzt. Ihnen vielen Dank!

Florenz: Gern geschehen!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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