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StartseiteUmwelt und VerbraucherZu viel Plastik in der Biotonne24.06.2016

MülltrennungZu viel Plastik in der Biotonne

In die braune Abfalltonne gehören eigentlich nur Speisereste und Grünschnitt. Doch zunehmend landen hier aber auch Plastikbeutel, -folien und -becher. Für die Kompostwerke ist das ein Problem, denn nicht alles an Plastik kann aus dem Kompost ausgesiebt werden. Und teuer ist die Entsorgung außerdem.

Von Jens Falkowski

Eine braune Tonne mit der Aufschrift "Bio-Tonne - Sie sammeln, wir kompostieren". (dpa/Armin Weigel)
Bequemlichkeit oder Gedankenlosigkeit - es landet einfach zu viel Plastik im Biomüll (dpa/Armin Weigel)
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Ein Stück außerhalb von Leipzig, mitten in der ländlichen Idylle landet der Inhalt der Biotonnen aus der nahen Großstadt im Kompostwerk bei Liemehna. Es könnte aber auch ebenso gut bei jeder anderen Großstadt stehen. Angeliefert wird der Abfall in einer großen offenen Halle. Doch was Mitarbeiterin Regina Beege hier findet, bereitet dem Werk einen hohen Aufwand.

"Man kann ganz deutlich erkennen, dass hier neben den Bioabfällen sehr viele Fremdstoffe enthalten sind. Hauptsächlich Plastikteile, Tüten, Beutel, Säcke, Blumentöpfe auch andere Sachen kann man hier sehen. Es sind auch Besteckteile, Kochtöpfe und andere Sachen mit drin, die einfach weggeworfen werden."

Dass es ein Problem mit zu viel Plastik im Biomüll gibt, ist auch dem Dachverband, der Bundesgütegemeinschaft Kompost, bekannt. Das Problem trete bundesweit auf, wenn auch in verschiedener Stärke. Zahlen jedoch gibt es weder vom Verband noch vom Umweltumweltbundesamt. In Leipzig hat auch Evelin Voss, Abfallexpertin des Umweltbundes Ökolöwe, den zunehmenden Anteil von Plastik in der Biotonne beobachtet.

"Das ist ganz gewiss ein Problem der Bequemlichkeit, aber auch der Gedankenlosigkeit vieler Verbraucher. Viele sammeln ihren Bioabfall, also die Eierschalen, die Kartoffelschalen, den Kaffeesatz in der Filtertüte in einer Plastiktüte, weil die sich dann besser runterbringen lässt in die Biotonne."

Einmal in der Biotonne gelandet, bleiben die Plastikbeutel und Folien erst einmal erhalten. Regina Beege und ihre Mitarbeiter können nur die großen Stücke entfernen. Den Abfall sortieren können sie nicht.

"Da funktioniert es noch nicht, weil in den Plastikbeuteln die ganzen Speisereste noch drin sind und das kann man praktisch händisch überhaupt nicht erledigen."

Nicht alles an Plastik kann aus dem Kompost ausgesiebt werden

So gelangen gerade die Plastikfolien weiter in den Produktionsprozess. Durch mehrfaches Umsetzen und Sieben des Kompostes werden auch die Plastikteile weiter zerkleinert. Für das Werk bedeutet das einen hohen Aufwand, den sich Regina Beege gern ersparen würde.

"Wenn die Biotonne nur eine Biotonne wäre dann könnten wir uns das Absammeln der einzelnen Kompostmieten ersparen, wir könnten uns das mehrmalige Absieben der Siebüberläufe sparen und wir könnten uns die teuren Entsorgungskosten sparen. Wir bräuchten wahrscheinlich nicht so oft über unser Gelände laufen mit Plastiktüten wo wir die ganzen Folienrisse, die durch den Wind breitgetragen werden, einsammeln müssen."

Dreimal im Jahr entsteht so ein Berg an Plastikmüll, den die Firma teuer entsorgen muss. Genaue Zahlen dafür gibt es nicht. Doch nicht alles an Plastik kann wieder aus dem Kompost ausgesiebt werden. Das technisch Machbare entscheidet über den Anteil der im fertigen Kompost erhalten bleibt.

"Das sind schon so fingernagelgroße Teile oder noch kleiner die nicht mehr rausgehen. Aber das passiert durch die Bearbeitung. Das können wir uns nicht ersparen, wenn wir einen ordentlichen Kompost erzeugen wollen – das können wir uns einfach nicht ersparen."

Der Kompost verlässt nach sechs Monaten das Werk. Stammt er aus der Biotonne, so gelangt er hauptsächlich als Dünger auf die Felder und damit auch kleine Plastikteilchen. Für Evelin Voss vom Ökolöwen ein echtes Problem.

"Plastik verrottet nur sehr langsam. Darin sind ja auch Weichmacher, Flammschutzmittel und ähnliche Bestandteile die wirklich gesundheitsschädlich sind und die gelangen dann wieder in unsere Nahrungskette und auf unseren Teller. Sie gelangen auch ins Meer und schädigen dort die Meereslebewesen und die Meerespflanzen."

Bis zu 250 g Plastik dürfen in 50 kg Kompost enthalten sein. Doch konkrete Zahlen zum Plastikanteil gibt es nicht. Die Bundesgütegemeinschaft Kompost versucht derweil mit einem Aufruf für einen sauberen Bioabfall das Problem einzudämmen.

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