Wissenschaft im Brennpunkt / Archiv /

 

My Phone

Ideen zum Handy der Zukunft

Eine Collage von Thomas Reintjes

Was außer telefonieren wollen Menschen von ihrem Handy?
Was außer telefonieren wollen Menschen von ihrem Handy? (AP)

Bargeld, Fahrkarten, Internet-Cafés, Videobeamer, Spielkonsolen, Bücher, Arztbesuche, Schlüssel: Wer danach fragt, was das Handy künftig alles können muss, bekommt vielfältige Antworten. Ob das Handy tatsächlich einmal Notebooks, Fernseher oder Reiseführer ersetzen kann, weiß niemand. Doch es ist eine Überlegung wert, ob das Handy oder Smartphone weitere Funktionen sinnvoll in sich vereinen kann.

"Es ist ja inzwischen so, dass jeder von uns über das Mobiltelefon nicht nur erreichbar ist, sondern auch erreichbar sein muss."

"Und je höher diese Megapixel zum Beispiel sind,desto besser."

"Diese HD-Videofähigkeiten"

"Wie man so schön sagt, man uploaded dieses Video direkt ins Netz und die Freunde, die Community kann das direkt sehen."

"Mein Mobiltelefon lernt, was ich zu welcher Zeit tue."

"Wirklich ein Assistent, der noch quasi nebenbei für einen arbeitet und einen versucht möglichst gut zu unterstützen."

"Hin zu einem interdisziplinären Ansatz."

Myphone. Ideen zum Handy der Zukunft. Gedanken und Visionen zur mobilen Kommunikation von Morgen. Eine Original-Ton-Collage von Thomas Reintjes.

"Gesche Joost ist mein Name, ich bin 34 Jahre alt, bin Juniorprofessorin an der Technischen Universität Berlin und arbeite seit vier Jahren hier bei den deutsche Telekom Laboritories."



"Mein Name ist Dominik Bilo. Ich bin Sales- und Marketingchef bei Infineon Technologies."

"Ich bin Caroline Bornhold, Redakteurin bei dem Mobilfunkportal inside-handy.de."

"Ich bin Jan Michael Hess, Geschäftsführer der Berliner Mobile Economy GmbH."

"Mein Name ist Christian Menkens. Ich arbeite am CDTM, dem Center for Digital Technologies and Management in München."

"Mein Name ist Johannes Beer, ich arbeite seit zwölf Jahren am Fraunhofer IGD Darmstadt."

"Mein Name ist Jens Keil, Frauenhofer Institut Graphische Datenverarbeitung in Darmstadt, in der Abteilung für virtuelle und erweiterte Realität."

"Mein Name ist Fabian Hemmert, ich bin Doktorand hier an den deutsche Telekom Laboratories."

"Mein Name ist Key Pousttchi, ich leite die Forschungsgruppe wi-mobile an der Universität Augsburg."

Joost: "Im Moment sind sehr, sehr viele Funktionen ins Handy integriert. Ich glaube, es wird auch wieder eine Rückwärtsbewegung geben, dass es wieder auch Telefone gibt, mit denen man telefoniert, Punkt. Und das ist auch sehr, sehr wichtig, weil viele Nutzerinnen und Nutzer heute glaube ich auch schon ziemlich überfordert sind von der Vielfalt an Funktionen, von dieser ganzen Geschichte wie sehr man das personalisieren kann, wie sehr man es selber an seine eigenen Bedürfnisse anpassen kann. Das ist gut aber auch anstrengend ne, da muss man sich richtig mit beschäftigen."

Bilo: "Wenn wir uns eigentlich anschauen, die letzten 15 Jahre wie sich der Handymarkt entwickelt hat, ist das doch phänomenal. Wo wir bei den Fernsehern vielleicht 100 Jahre gebraucht haben, haben wir jetzt mit der digitalen mobilen Kommunikation doch alles ziemlich schon in 10 bis 15 Jahren erledigt."

Joost: "Ich glaube, dass bisher viele von den Handys heute technisch getrieben entwickelt sind und je mehr Technologie reingesteckt wird, und je höher diese Megapixel zum Beispiel sind, desto besser. Und das ist eben nur für eine ganz bestimmte kleine Nutzergruppe relevant. Und ich glaube es ist sehr relevant, dass man das versteht, dass es nicht nur um Technik allein geht. Es geht um ganz andere Funktionalitäten einfach, die man zeigen kann und ganz andere Alltagswelten, die man reflektieren muss in diesem Gerät."

Bilo: "Wir haben die verschiedensten Kategorien heute, sie haben ein Ultra Lowcost Handy, was so 15 Doller kostet, sie haben so genannte MIDs, Multimedia Internet Devices, sie haben Smartphones der verschiedenen Güterklassen."

Joost: "Einer der Meilensteine auf dem Weg zum Handy der Zukunft ist, dass dieses Umdenken auf breiter Basis stattfindet."

Hess: "Die Mobilfunkbetreiber, die müssen extrem stark umdenken und sie haben damit schon seit vielen Jahren Probleme."

Joost: "Das heißt weg von der reinen Technikzentrierung, hin zu einem interdisziplinären Ansatz, hin zu sowas, was man eben User Centered Design nennen kann, den Nutzer und die Nutzerin in den Vordergrund stellen."

Menkens: "Also einer der großen Vorteile ist auf jeden Fall, dass das Handy eines der Geräte ist, oder sagen wir nicht Handy, sondern mobiles Endgerät, eines der Geräte ist, was der Benutzer eigentlich immer bei sich hat. Es ist eines der persönlichsten Geräte, die der Benutzer eigentlich hat, also viel persönlicher als ein Laptop, ein PC oder sonstiges. Und dadurch bietet sich natürlich an,dass dieses persönliche Gerät einem auch wirklich sehr persönliche Informationen beziehungsweise sehr persönliche Vorschläge machen kann."

Joost: "Das heißt, dass wir sensibler beobachten müssen: Was sind eigentlich die Alltagswelten von den Menschen in den verschiedenen Lebensstadien auch, mit verschiedenem Alter, mit verschiedenem Geschlecht, mit verschiedenem Hintergrund und dass man von diesen Beobachtungen aus sensibler auch überlegen kann, wie man Technik integrieren kann in so einen Alltag und warum eigentlich, was ist eigentlich der Nutzen davon?"

Menkens: "Über kurz oder lang wird das mobile Endgerät auf jeden Fall die Möglichkeiten bieten, einen voll zu unterstützen in allen Lebenslagen und in allen täglichen Aufgaben und zwar so, als wäre es wirklich ein Assistent, der noch quasi nebenbei für einen arbeitet und einen versucht möglichst gut zu unterstützen."

Joost: "Was hilft den Menschen in ihrem Alltag ihre ja Aufgaben eigentlich zu lösen, ihre Bedürfnisse zu befriedigen?"

Umfrage: "Ich arbeite im Krankenhaus und hab da Rufbereitschaft und nur, um da angerufen zu werden benutze ich das. Ansonsten nutze ich das eigentlich so gut wie gar nicht."

Joost: "Und dass man da diese Passung zwischen Alltagswelt und Technologie sensibler hinbekommt, das ist ein ganz, ganz wichtiger Punkt, der, glaube ich, uns in den nächsten Jahren sehr stark beschäftigen wird."

Joost: "Was mein großes Forschungsinteresse ist: Also zum Thema Gender machen wir sehr viel, dass wir schauen, gibt es eben unterschiedliche Bedürfnisse zwischen Frauen und Männern."

Umfrage:

"Ich brauch das nicht, ich hab auch keins."

"Weil ich muss nicht immer erreichbar sein."

"Ja ich hab selbst auch keins."

"Ich brauch keins."

"Mädchen reden nunmal mehr mit Freundinnen, Partner."

Joost: "Wir entwickeln gemeinsam mit Frauen jetzt grade in diesem Jahr neue Ideen für Kommunikationstechnologie also konkret auch fürs Handy."

Gesche "Joost ist mein Name, deutsche Telekom Laboratories."

"Wir haben eine Gruppe jetzt gehabt zwischen 14 und 18 also Teenager Mädchen, die uns erstmal zeigen, wie die eigentlich kommunizieren und ich hab da keine Ahnung von gehabt. Das ist so weit, also da weiß man auch mal: man ist echt alt, wenn man so Mitte 30 ist, weil die sind soweit vorne, wie viele Netzwerke die schon zusammen haben."

Umfrage:

"Wenn meine Freunde online sind, dann chatte ich halt mit denen oder so."

Joost: "Wie wichtig dieses Handy ist."

"Oder meine Nachrichten lesen oder man kann mit den Freunden chatten aus anderen Städten"

"Oder Bilder angucken, oder, oder."

Pousttchi: "Es ist ja inzwischen so, dass jeder von uns über das Mobiltelefon nicht nur erreichbar ist, sondern auch erreichbar sein muss, weil das heutzutage eine soziale Anforderung in der Gesellschaft ist. Das können wir jetzt gut oder schlecht finden, aber wir müssen das als Faktum akzeptieren."

Joost: "Wir haben zum Beispiel mit denen eine Aufgabe gemacht, die mussten Kommunikationsdiät halten, einen Tag lang. Die durften keine Medien benutzen, keine Anrufe machen. Das war für die total hart. Das eine Mädchen hat dann gesagt, sie ist den ganzen Tag im Bett geblieben, weil sie gar nicht wusste was sie machen soll, weil sie sich nicht verabreden konnte."

Umfrage: "Nein das nicht, es geht auch ohne."

"Man braucht das Handy nicht jeden Tag oder jede Sekunde, man hat auch andere Sachen zu tun. Man geht raus, man hat nen PC, man guckt Fernseher oder so, man muss ja nicht jede Sekunde mit dem Handy rumspielen."

Joost: "Da versteht man erstmal: OK, Leute, das ist irgendwie die Zukunft, da geht es hin."

Umfrage:

"Also ich bin bislang eigentlich sehr zufrieden damit. Ich könnte mir gut vorstellen, dass viele auch keinen festen Internetanschluss mehr haben werden, sondern, dass man dann auch auf das Handy, beziehungsweise auf diesen Handy WLAN-Anbieter geht. Dass man das Handy vielleicht selbst auch in Anführungszeichen als Laptop nutzt, aber ansonsten glaube ich, könnte ich mir nicht vorstellen, wofür man es noch nutzen sollte."

"Ich bin damit eigentlich schon ganz zufrieden, und fast überfordert ja. Ich nutz das alles gar nicht mehr."

"Handytechnologie ist ausgereizt."

"Das Handy soll eine Sprachfunktion haben, also das man nur mit dem Handy spricht und das es dann das macht."

"Es gibt ja jetzt auch Spiele auf dem Handy, früher haben die so mit so Gameboys oder irgendwie sowas gespielt, jetzt spielen die mit dem Handy."

Bilo: "Die brauchen Handsets morgen, die alle möglichen Applikationen abdecken. Die nutzen auch die Bandbreite, die Bandbreite zum Beispiel HSDPA, die heute zur Verfügung ist und die nächstes Jahr mit 20 Megabit da einher geht, das heißt diese Netuser "Generation Net", die nutzt sofort eine Applikation, zum Beispiel, um mit ihren sozialen Netzwerken in Verbindung zu treten. Man hat was erlebt, und möchte es mit seinen Freunden im sozialen Netzwerk teilen, das heißt das Thema Videokommunikation ist ganz groß, man wie man so schön sagt, man uploaded dieses Video direkt ins Netz und die Freunde, die Community kann das direkt sehen."

Hess: "Gerade aktuell wurde in Japan das erste Mobiltelefon mit einer eingebauten HD- Videokamera, High Definition, hoch auflösendes Video auf den Markt gebracht von Hitachi und wenn wir über Video reden und hoch auflösendes Video, dann wird auch klar, dass dort viele Datenmengen hin und her bewegt werden und das man dafür eben neue schnelle Übertragungstechnologien und Mobilfunknetze braucht."

Bilo: "LTE steht für long term evolution und das ist das was nach 3,5 G kommt, das heißt, das was nach HSDPA kommt. Mit LTE gehen wir bis 150 Megabit hoch."

Bornhold: "LTE ist ungefähr zehn mal so schnell wie die momentane schnellste Übertragung über HSPA, das ist schnelles UMTS und in der Praxis wird es wahrscheinlich so sein, dass so ungefähr DSL-Geschwindigkeit erreicht werden wird."

Bilo: "Das heißt, hier kommen wir natürlich in Sphären, wo der Datenhunger jeder neuen Applikation gestillt werden kann."

Hess: "Und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass eben diese HD-Videofähigkeiten nicht mehr in das Handy eingebaut werden, sondern vielleicht in eine Brille eingebaut werden, die ich dann auf dem Kopf habe. Und ich kann dann Video aufnehmen ohne mein Handy dauernd in die Gegend zu halten, sondern einfach nur durch einen Knopfdruck wird dann eine in die Brille eingebaute Videokamera ausgelöst."

Pousttchi: "Wir haben ei ne Studie gemacht unter deutschen Mobilfunknutzern, was denn der Kunde bereit ist, für ne Internetflatrate auf dem Mobiltelefon zu zahlen und da sind sie zwischen 8 bis 15 Euro wenn sie etwa zwei Drittel bis drei Viertel der Kunden haben wollen. Und davon sind wir noch sehr, sehr weit weg im Markt und also muss man sich überlegen, wie man das kostenoptimal für den Kunden auch löst und diese Barriere auch diese Barriere auflöst. Eine Möglichkeit könnten Sponsoring-Lösungen sein, könnten Dienste sein, bei denen der Anbieter den Internetzugriff bezahlt."

Hess: "Und man kann heute schon sehen, dass die Mobilfunkbetreiber in Japan großen Wert auf die mobile Videozukunft legen."

Joost: "Wie kann man Grenzen setzen für Kommunikation? Das ist ein ganz wichtiges Thema für die Zukunft. Grenzen der Kommunikation, die eigene Privatsphäre schützen zu können, zum Beispiel auch die Telefonnummer schützen zu können. Das man eben sagt, die ist nicht Allgemeingut, die darf nicht weitergegeben werden, das ist meine persönliche private Telefonnummer, und ich möchte ganz genau steuern können, wer die eigentlich hat und wer die weiter geben darf."

Menkens: "Das ist auch noch eine große Herausforderung in der Zukunft, Systeme zu bauen, die einerseits über den Benutzer lernen, allerdings natürlich nicht seine Privatsphäre und seine Datenschutz- und sonstige Parameter in irgendeiner Weise stören oder quasi Gesetzesvorgaben hier verletzen."

Umfrage: "Also keiner will das eigentlich, dass jeder, also dass andere etwas wissen, was sie nicht wissen sollen."

Hess: "Die Mobilfunkbetreiber, die müssen extrem stark umdenken und sie haben damit schon seit vielen Jahren Probleme."

Menkens: "Die Netzbetreiber haben auf jeden Fall auch die Absicht, Applikationen zur Verfügung zu stellen, die eben die Informationen, die den Kontext benutzen den die Telekommunikationsunternehmen von ihren Benutzern haben."

Umfrage: "Also das wär dann schon doof, wenn man da seine Daten eingibt und die können das alle dann sehen."

Hess: "Geschäftsmodelle"

Umfrage: "Es gibt ja auch Sachen die andere Leute nicht wissen sollen."

Pousttchi: "Geschäftsmodell"

Umfrage: "Man hat da ja Bilder drauf und die sind dann halt auch privat irgendwie."

Hess: "In der Wertschöpfungskette"

Umfrage: "Dann will man ja nicht das das jeder sieht."

Hess: "Die Mobilfunkbetreiber müssen überlegen, wie sie sich positionieren in der Wertschöpfungskette. Vodafone versucht eigene Dienste zu entwickeln unter einer eigenen Marke, Internetdienste, und wird damit Konkurrent von Google und Apple und Microsoft. Und genauso macht auch Nokia als Endgerätehersteller auch den Sprung in das Inhalte- und Dienstgeschäft. Und so verändern sich Geschäftsmodelle, weil die Beteiligten Firmen feststellen als Endgerätehersteller, als Handyhersteller kann ich nicht genug Geld langfristig verdienen, wenn ich nur Handys mache und der Mobilfunkbetreiber sagt, ich kann nicht genug Geld verdienen, wenn ich nur die Übertragung von Sprachen und Daten möglich mache. Ich will irgendwie mehr machen."

Menkens: "Sie haben bestimmte Informationen durch die mobilen Endgeräte, die ja bei verschiedenen Telekom-Unternehmen registriert sind und verwaltet werden, die externe Anbieter, wie Anbieter, die Internetapplikationen zur Verfügung stellen, nicht haben."

Hess: "Das ist der Punkt, wo sich etablierte Firmen in neue Märkte, in neue Geschäftsgebiete vorwärts bewegen und dann dort neue Probleme und Herausforderungen lösen müssen, neue Dienste entwickeln müssen und dort dann auf etablierte Firmen, die es vielleicht schon viel besser können, treffen."

Menkens: "Telekom-Unternehmen können sehr leicht auf Positionierungsdaten zugreifen, können sehr leicht auf eine Historie an Kommunikationsdaten zugreifen."

Pousttchi: "Das ist die Kontextsensitivität durch die Ortsbestimmung, also durch die Möglichkeit, spezifische Angebote durch Ortung des Nutzers zu machen."

Menkens: "Diese Daten können Sie nutzen, um noch bessere, noch intelligentere Systeme zur Verfügung zu stellen."

Pousttchi: "Vielleicht auch spezifische Angebote durch Ortung anderer Nutzer aber auch soetwas wie Personalisierung, wie die Möglichkeit, dass mein Mobiltelefon lernt was ich zu welcher Zeit tue. Mein Mobiltelefon, nicht irgendein Dienstanbieter, nicht die Suchmaschine, die dann weiß was Sie morgens um 6 Uhr machen oder was Sie abends um 23 Uhr machen und daraus dann ein Geschäftsmodell für den großen Suchmaschinenbetreiber XY macht, sondern mein eigenes Mobiltelefon, wo ich weiß, wo die Daten sind."

Menkens: "Und wenn diese Intelligenz, diese Information, die Telekom-Unternehmen haben."

Pousttchi: "Mein Mobiltelefon, nicht irgendein Dienstanbieter, nicht die Suchmaschine."

Umfrage: "Dann will man ja nicht, dass das jeder sieht."

Menkens: "Und wenn diese Information, die Telekom-Unternehmen haben, in Applikationen eingebaut werden und diese mit der virtuellen Welt, quasi dem Internet verbunden werden, dann hat man eine große Datenbasis, auf der man quasi Applikationen bauen kann und eine große Datenbasis ermöglicht es, sehr intelligente Applikationen zu bauen, die eben dem Endnutzer, der das mobile Endgerät hat, eben viel Hilfe und Unterstützung leisten kann."

Pousttchi: "Das weiß dann eben, dass wenn ich montags bis freitags nach einem Hotel suche, dass ich dann vielleicht andere Präferenzen habe, als wenn ich das am Wochenende tue oder im Urlaub tue."

Umfrage: "Wenn man mit dem Handy beschäftigt ist und man hat noch Hausaufgaben auf, man hat das vergessen weil man zu sehr mit dem Handy beschäftigt ist, dann sollte das sofort angeben: nicht vergessen Hausaufgaben."

Pousttchi: "Im Endeffekt kann ich entweder meinem Mobiltelefon meine Präferenzen beibringen, Selbstprofilierung nennt man das, oder das System lernt aus meinem Verhalten."

Joost: "Ein zweiter Punkt ist ganz wichtig, dass man in die Alltagswelt reinguckt, und genau solche Phänomene wie Nicht-Kommunikation oder Kommunikationsgrenzen versteht."

Menkens: "Das wär natürlich das Ziel, dass das Gerät einerseits durch Möglichkeiten wie den aktuellen Kalender auszulesen oder zu erkennen an welcher Position man sich befindet, eben zum Beispiel im Bürogebäude oder auf einem Basketball- oder Fußballplatz automatisch erkennt, welche Möglichkeiten der Kommunikation ich jetzt bevorzuge."

Joost: "Manchmal muss es auch Zeiten geben, wo man mal sagt: jetzt ist mal Schluss, ne, jetzt wird hier nicht kommuniziert, ich möchte einfach mal meine Ruhe haben."

Umfrage: "Wenn man traurig ist, dass das Handy einem dann Tipps gibt, wie es besser wird."

Menkens: "Das Mobilendgerät bzw. die Applikation dahinter muss natürlich ein gewisses Wissen über den Benutzer und seine Präferenzen haben, aber dann eben möglichst selbst gesteuert diese Konfiguration vornehmen und eben immer entweder Vorschläge machen, also dem Benutzer vorzuschlagen: Möchtest du jetzt per Telefonanruf gestört werden oder ist es besser nicht?"

"Mein Name ist Christian Menkens, ich arbeite am CDTM, dem Center for Digital Technologie and Management in München."

Auf jeden Fall proaktiv dem Nutzer die Möglichkeiten geben, und nicht darauf zu warten, dass der Nutzer aktiv irgendwelche Statusänderungen oder Konfigurationsänderungen vornimmt.

Hemmert: "Hier geht's um Dringlichkeit bei Anrufen. Man kennt das ja: Man ist in einer Besprechung, wird angerufen, sieht, oh das ist ein Freund, lange nichts gehört. Geh ich jetzt dran oder drücke ich weg? Beides könnte richtig sein. Es könnte sehr wichtig sein, dann wär's besser dran zu gehen. Es könnte aber auch sein, dass man einfach mal quatschen wollte und dann wär's auch später noch in Ordnung, dann muss man nicht unbedingt das unterbrechen, was man gerade macht."

Joost: "Dass man sagt, bestimmt Leute, meine Familie muss mich immer erreichen können, aber eben nicht diese dauernden, die Dauerbeschallung eigentlich mit Kommunikation. Das Bombardement mit Kommunikation ist für viele jetzt schon zu viel, und das wird uns in Zukunft beschäftigen - wo sind Grenzen von Kommunikation?"

Hemmert: "Was wir versuchen ist, die Dringlichkeit mit zu schicken. Hier haben wir also einen Drucksensor unter die Wählen-Taste geschoben, das heißt, der kann messen von sagen wir mal 10 Gramm Druck bis 10 Kilo Belastung wie stark drücke ich die Wählen-Taste. Ich hab also die Möglichkeit vorsichtig durch sanften Druck anzurufen oder ich kann richtig kräftig drauf drücken, dann ist es ein High-Priority-Anruf, so zu sagen. Was auf der Angerufenen-Seite passiert ist, man bekommt es angezeigt, eine "Hau den Lukas"-Skala ist es im Prinzip. Man kann aber auch einen Filter einstellen wo man dann sagen würde: OK, die ganz unwichtigen Anrufe sollen meinetwegen direkt auf die Mailbox gehen, die mittleren sollen vibrieren und die ganz wichtigen, die würden ruhig klingeln."

"Wo sind Grenzen von Kommunikation?"

"Es sind wirklich keine Grenzen gesetzt."

"Das von ihnen generierte Video"

"Phänomenal"

"das in Echtzeit verteilt werden kann, übertragen werden kann"

"Das Mobiltelefon kann jetzt plötzlich eine völlig neue Funktion bekommen."

"Die Gesellschaft wird mobiler, die Menschen werden mobiler."

"Das System lernt aus meinem Verhalten."

"Phänomenal."

"Mehr Bandbreite und mehr Geschwindigkeit."

"Jeder Zeit und an jedem Ort."

"Zwischen der realen Welt und dem Internet."

Pousttchi: "Wir stehen eigentlich vor einer sehr entscheidenden Stufe in der Entwicklung von Mobiltelefonen."

Menkens: "NFC steht für near field communication."

Pousttchi: "Und das ist die sogenannte near field communication, NFC."

Menkens: "Es ist eine Möglichkeit, auf sehr kurze Distanzen, Informationen lesend und schreibend zu übertragen."

Bilo: "Das gibt's schon in Japan seit 5-6 Jahren."

Hess: "Wenn Sie dann in die U-Bahn reingehen, dann können sie sich ein Zahlungsmittel kaufen, die sogenannte FeliCa-Card zum Beispiel."

Menkens: "Ein Anwendungsszenario wäre hier, man hat einen sogenannten NFC-Tag, also einen NFC-Aufnäher oder -Kleber, der auf einem Produkt oder sonst auf einem Gegenstand angebracht ist."

Pousttchi: "Das hier ist ein Plakat aus Taiwan und auf der Rückseite sehen Sie einen solchen Aufkleber mit einem Chip drin."

"Mein Name ist Key Pousttchi, ich leite die Forschungsgruppe wi-mobile an der Universität Augsburg."

Menkens: "Mit seinem mobilen Endgerät kann man eben über kurze Distanz über wenige Zentimeter oder auch über wenige Millimeter durch fast Berühren diese Information auslesen."

Pousttchi: "Und wenn Sie das auf der Vorderseite mit dem Mobiltelefon berühren, dann können Sie eine kleine Information übertragen und hier führt es dazu, dass Sie beispielsweise bei einer Kinokette erstmal einen Gutschein für Popcorn und Coca Cola bekommen."

Hess: "Und mit diesen Chipkarten können Sie dann durch die Gates gehen in der U-Bahn und mit einer Handbewegung innerhalb von 0,1 Sekunden eine Bezahlung machen."

Umfrage: "Zum Beispiel wenn man bei Mediamarkt etwas einkaufen will und man hat nicht genügend Geld, dass man dann aus dem Handy eine Bankkarte, also wie eine EC- Karte dann, das Handy."

"Ja und dann kann man das dann halt benutzen, dann muss man nicht extra zur Bank laufen."

Pousttchi: "Wir befinden uns da natürlich im Bereich des M-Payment, also im Bereich des Bezahlens mit dem Mobiltelefon."

Hess: "Und inzwischen gibt es diese Chipkarten eben auch eingebaut ins Handy."

"Ich bin Jan Michael Hess, Geschäftsführer der Berliner Mobile Economy GmbH."

"Und innerhalb von fünf Jahren hat sich diese Technologie ausgebreitet und existiert inzwischen in über 50 Prozent, also sagen wir mal zwischen 50 Prozent und 60 Prozent der japanischen Handys."

Pousttchi: "Eigentlich verstehen die Verbraucher nicht, warum wir das nicht schon seit Jahren haben."

Hess: "Wir in Deutschland haben im Moment Prototypen.

Menkens: Es gibt auch in Europa sehr viele Projekte, noch Forschungsprojekte, auch schon erste Tests wirklich am Markt."

Hess: "Wir sind sozusagen gerade im Pilotprojekt-Stadium mit relativ alter Hardware."

Umfrage: "Da würde ich mich dann vielleicht fragen, ob das jetzt auch sicher ist oder ob das nicht heißt, dass das dann extrem eindeutig mir zugeordnet werden kann, was ich kaufe, wie ichs kaufe, wo ichs kaufe, das fände ich vielleicht gar nicht so toll."

Menkens: "Über kurz oder lang in den nächsten paar Jahren werden diese Systeme auf jeden Fall noch viel erfolgreicher werden und viele, viele solcher Lösungen werden auf den Markt kommen und uns die Möglichkeit geben, auch mit dem Handy zu bezahlen."

Keil: "Die Frage, ob uns die Technik irgendwann einholt, überholt oder überrumpelt, ich glaube, die stellt sich im Grunde garnicht, denn wir als Menschen wachsen mit der Technologie einfach mit, man sieht das wirklich grade im Breich Mobiltelefone sehr gut. Wir lernen so ein bisschen mit den neuen Möglichkeiten umzugehen und spielen und fordern ja auch im Grunde mehr, wir wollen ja plötzlich, dass die Sachen aus dem Bereich A mit den Sachen aus dem Bereich B wirklich zusammen fließen "

Beer: "Der Nutzer wird sich natürlich auch mit den Anforderungen mit entwickeln. Im Moment ist es so, dass die Leute natürlich ihr Handy vorwiegend immer noch zum Telefonieren und SMS-Schreiben benutzen, und das wird sicherlich auch eine Gruppe, gerade ältere Benutzer geben, die da verharren und mit der Technologie auch glücklich werden über Jahre. Und dann wird sich aber auch eine jüngere Gruppe einfach weiterentwickeln, die dann neuer Technologie auch offen gegenüber steht und die dann auch nutzt und weiterentwickelt und sich selbst auch weiterentwickelt mit der Technik."

Joost: "Ich glaube, dass das ein großes Potenzial ist, wenn sich zum Beispiel eben Soziologen oder Historiker auch mit dem Thema Hightech der Zukunft beschäftigen, weil die ein großes kritisches Potenzial haben, weil die einen starken Blick auf Gesellschaft und gesellschaftliche Veränderungen haben. Und ich glaube, dass das dringend nötig und überfällig ist, dass man sich eben, also Ingenieursdisziplinen, Naturwissenschaften zusammen setzen mit Geisteswissenschaftlerinnen, Geisteswissenschaftlern, um da eigentlich zu fragen: Leute wo geht denn die Reise eigentlich hin, was wollen wir eigentlich, was ist bisher erreicht, was sind die kritischen Punkte daran, aber was sind auch die Potenziale? Ich glaub das würde richtig einen Schub nochmal bringen, dass wir auch einen besseren und vielleicht eben auch nachhaltigeren Umgang mit Hightech bekommen."

Hemmert: "Wir untersuchen, wie kann man sowas wie natürliche Signale benutzen, also jetzt nicht zum Beispiel ein Piepsen oder den Vibrationsalarm, um den Benutzer darüber in Kenntnis zu setzten, was eigentlich los ist mit seinem Gerät. Was wir untersuchen ist, wie kann man sowas wie Atmung oder Pulsschlag benutzen, was man ohnehin also als Mensch schon, wo man sehr vertraut ist mit, wie kann man das benutzen, um zum Beispiel durch einen ruhigen Puls zu sagen: Alles in Ordnung, mein Handy hat alles, was es braucht, ich hab nichts verpasst. Oder, wenn das Handy einen sehr schnellen Puls hat, dann ist irgendwas passiert."

"Und wenn man Leuten dieses Pulsschlag-Handy in die Hand gibt, keiner sagt: Oh, das ist ja nur der Vibrationsmotor, der in einem Rhythmus pulsiert. Alle sagen entweder sowas wie: Oh, das ist ja niedlich oder das ist ja eklig. Also es macht schon etwas mit einem, das ist sehr interessant. Spannend war auch, dass manche gesagt haben, wenn ich dann abends das Handy aus der Tasche rausnehme, dann ist auf einmal ein Loch da. So, als wenn man ohne Schlüssel oder Portemonnaie das Haus verlässt, das merkt man sofort, da fehlt irgendwas."

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Wissenschaft im Brennpunkt

High-tech in der TierforschungEin Storch geht online

Drei Störche liegen in ihrem Nest, "Storchenvater" Wolfgang Schäfle schaut auf sie herunter.

Immer leistungsfähigere Mini-Computer und Sender am Körper wild lebender Tiere machen es möglich, Wanderwege, Gruppenverhalten und Körperfunktionen in Echtzeit zu untersuchen, vom Schmetterling bis zum Weißen Hai. In Radolfzell am Bodensee verfolgen Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Ornithologie die Flugbewegungen von Störchen mit Sendern. Drei dieser Störche wurden jetzt nach der Deutschlandfunk-Sendung "Wissenschaft im Brennpunkt" benannt.

Forschen im AuslandBoston oder Berlin?

Blick auf den East River mit Manhattan im Hintergrund, aufgenommen vom Ufer in Williamsburg, Brooklyn, New York am 22.06.2014.

Wer forschen will, den zieht es in die USA – das ist seit Jahrzehnten so und wird wohl auch in Zukunft so bleiben. Und es ist gut, denn in Amerika lernen die deutschen Nachwuchswissenschaftler andere Arbeitsweisen kennen und können sich ein internationales Netzwerk aufbauen.

Versenkte MunitionBomben in der Tiefe

Ein Taucher schwimmt in einem Wrack, in dem von Algen überwachsene Fässer herumliegen.

Seit dem Zweiten Weltkrieg sind fast 70 Jahre vergangen, aber bis heute schlummern in den Ozeanen der Welt Millionen Tonnen Munition. Sie zu bergen ist extrem aufwendig - und für die Taucher nicht ganz ungefährlich.