• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Instagram

StartseiteForschung aktuellNanopartikel als Krankheitserreger16.03.2005

Nanopartikel als Krankheitserreger

Neue Ergebnisse zu Krankheitsfällen unter italienischen Soldaten

Medizin. - Seit einigen Monaten untersucht eine Regierungskommission in Rom die vielen Krebsfälle bei italienischen Soldaten, die im Kosovo und im Irak zum Einsatz kamen. Eine erste Vermutung war, dass Uran aus US-Granaten die Ursache war. Nun sorgen Forschungsergebnisse einer Medizinerin aus Modena für Wirbel: Danach ist hochfeiner Staub aus Nanopartikeln Ursache der Krankheiten.

Von Thomas Migge

Italienische Soldaten im Irak (AP)
Italienische Soldaten im Irak (AP)

Sie erkrankten nicht, wie man bisher immer annahm, weil sie mit verschossener Uranmunition in Kontakt gekommen waren, sondern weil sie lebensgefährlichen Staub eingeatmet hatten; in den 90er Jahren, als Italiener als UN-Soldaten im Kosovo dienten, und seit einem Jahr im Irak, wo sie den Amerikanern zur Seite stehen. Das ist das in Wissenschaftlerkreisen für Aufsehen sorgende Resultat der jüngsten Untersuchungen der italienischen Medizinerin Antonietta Gatti aus Modena. Sie ist Koordinatorin eines europäischen Projekts zur Erforschung von Nanopathologien, an dem die Universitäten Modena, Mainz und Cambridge beteiligt sind:

"Als Leiterin des Projekts, das Krankheiten erforscht, die aufgrund von kleinsten Partikeln entstehen, dachte ich mir, dass bei diesen Erkrankungen vielleicht nicht das abgereicherte Uran, mit dem die Flugkörper beschichtet sind um ihre Durchschlagskraft zu erhöhen, der Grund für die Pathologien ist. Bei der Untersuchung aller Patienten entdeckten wir, dass keiner von ihnen Uranrückstände in seinem Körper hatte. "

Mit Hilfe eines Elektronenmikroskops entdeckte die Medizinern bisher unbekannte kleinste Partikel im Blut und in einigen Organen der Patienten. Partikel, die 10.000 Mal kleiner waren als jene Staubteilchen, die durch Verbrennungsmotoren im Straßenverkehr erzeugt werden. Ihre runde Form, erklärten Wissenschaftler des römischen Nationalinstituts für Wissenschaften CNR, deutet darauf hin, dass es sich nicht um natürlich entstandene Partikel handelt. Antonietta Gatti:

"Uns war sofort klar, dass diese Teilchen nicht zum natürlichen Ambiente gehören. Wir fanden heraus, dass diese Partikel beim Aufprall eines Marschflugkörpers, der mit abgereichertem Uran beschichtet ist, entstehen. Bei diesem Vorgang kommt es zu Temperaturen um die 3000 Grad. Materie zerstäubt wird zum Aerosol, für wenige Sekunden, um dann zu kleinsten Kügelchen zu werden, kleiner als zwei Mikron. Wir haben es also mit einer ganz neuen Form von Umweltverschmutzung zu tun. "

Die in Folge einer Explosion und dem sich daran anschließenden Verbrennungsvorgang entstandenen Nanopartikel bleiben mehrere Tagen in der Luft bleiben, bevor sie sich auf dem Boden absetzen - und von dort aus in den Nahrungskreislauf gelangen. Das ergaben die Laboruntersuchungen von Antonietta Gatti, die durch Forschungen am CNR untermauert wurden. Die Medizinerin führte an den betroffenen Soldaten Knochenmark- und Leberbiopsien durch. Dabei entdeckte sie Ablagerungen von Leicht- und Schwermetallen. Antonietta Gatti fand heraus, dass sich verschiedene Metalle, wie Silizium, Eisen und Zink, miteinander verbinden. Antonietta Gatti entdeckte, dass diese Partikel so klein sind, dass sie ungehindert in die menschliche Blutbahn und vor dort aus in jene Organe, wie zum Beispiel die Leber, gelangen, in denen sie sich niederlassen. Auch die Tatsache, dass erkrankte Soldaten, die im Kosovo und im Irak arbeiteten, die Väter von behinderten Kindern wurden, erklärt sich die Medizinern mit den Nanopartikeln. Im Labortest konnte sie nachweisen, dass die Teilchen auch in DNA verändert und mit großer Wahrscheinlichkeit für die Missbildungen verantwortlich seien.

" Schon 1978 hatten amerikanischen Wissenschaftler nach Tests mit neuen Waffen von der Möglichkeit gesprochen, dass durch eine Explosion dieser Raketen Nanopartikel entstehen, die für den Menschen gefährlich werden können, doch das scheint niemanden gestört zu haben."

Nanopartikel können auch außerhalb von Kriegsgebieten gefährlich werden. Antonietta Gatti wies zusammen mit Kollegen von der Harvard University nach, dass die Anschläge auf die Twin Towers in New York noch weitaus mehr Opfer als bisher fordern werden. Aufgrund ihrer Forschungen im Bereich der durch Nanopartikel verursachten Krankheiten schließt sie nicht aus, dass viele tausend Menschen, die am 11. September 2001 beim Zusammensturz der Hochhäuser erhebliche Mengen an Staub einatmeten, an Leukämie und anderen Pathologien erkranken werden. Staub, der in Folge der extrem hohen Temperaturen entstanden ist, die dann entstehen, wenn Flugzeuge explodieren.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk