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Nein zum Krieg, Nein zum Hass

Die libanesische Opernsängerin Rima Tawil zum Papstbesuch

Das Gespräch führte Jürgen Liminski

Papst Benedikt nach seiner Ankunft mit dem libanesischen Präsidenten Suleiman
Papst Benedikt nach seiner Ankunft mit dem libanesischen Präsidenten Suleiman (picture alliance / dpa / Nabil Mounzer)

Der Besuch Papst Benedikts XVI. im Libanon sei für Christen und Nichtchristen ein großartiges Erlebnis gewesen, sagt die Opernsängerin Rima Tawil. Benedikt habe mit seinem Besuch sein Interesse an den Christen im Nahen Osten zeigen wollen - und sie ermuntert, ihren Glauben ohne Abstriche zu pflegen.

Jürgen Liminski: Die Sopranistin Rima Tawil. Gestern sang sie beim Pontifikalamt in Beirut, auf der Corniche, dem Platz vor dem offenen Meer und danach, am Abend, nachdem der Papst abgereist war, bekamen wir sie ans Telefon, nicht für ein Lied, dafür müsste sie schon in den Konzertsaal des Deutschlandfunks nach Köln kommen, sondern für ein paar Fragen. Die erste lautete: Frau Tawil, macht es emotional einen Unterschied, ob man auf der Scala in Mailand oder für den Papst in Beirut das Ave Maria schmettert?

Rima Tawil: Als Künstlerin ist man persönlich schon sehr engagiert, man gibt sich hin in dem, was man tut, und oft hat es eben mit Liebe, mit Freude, mit Schmerz zu tun, mit großen Emotionen. Wenn ich auf der Bühne stehe, dann versuche ich, für das Publikum das Beste aus mir herauszuholen. Mit Benedikt XVI. im Publikum ist das dennoch eine ganz andere Geschichte. Es ist eigentlich unbeschreiblich, obwohl ich schon eine Begegnung mit ihm hatte, als ich gemeinsam mit Camille, meinem Ehemann, vor ein paar Jahren in Paris aus seinen Händen die Heilige Kommunion empfing. Jetzt vor ihm zu singen in der Messe, die er zelebrierte, das war ein Privileg. Ich empfand das nicht als ein Engagement, sondern als eine Gnade, die ich da empfangen habe.

Liminski: Sie waren während des Papstbesuchs in Beirut und kennen den Libanon natürlich aus Ihrer Kindheit und von zahllosen Besuchen und auch Auftritten in den letzten Jahren. Welche Stimmung herrschte jetzt? Wie denken die Menschen über den Papst? Wurden die Erwartungen und Hoffnungen erfüllt?

Tawil: Absolut. Der Libanon und die gesamte Bevölkerung waren wirklich sehr glücklich über den Besuch des Heiligen Vaters. Es war für alle, Christen und Nichtchristen, ein großartiges Erlebnis. Wer gesehen hat, wie er von den geistlichen Führern der Muslime empfangen wurde – es war fast wie ein Traum, der für den Libanon in Erfüllung ging. Alle wollten ihn sehen, hören, seinen Segen empfangen. Bei ihm selbst war es zu spüren, dass der Chef der Katholischen Kirche hier ein Zeichen setzen wollte, ein Zeichen des hohen Interesses der Universalkirche an den Christen im Orient. Diese Christen, dieser Teil der Kirche durchlebt heute eine Zeit des Leidens mit all den Kriegen und der Stimmung von Verfolgung und Vertreibung, die im Vorderen und Mittleren Orient derzeit herrscht. Aber es auch eine Kirche, die um ihre Präsenz in der Region ringt, es sind Christen, die sich einsetzen für den interreligiösen Dialog zwischen Christen und Muslimen, für den Frieden, für ein Ende der Gewalt und für ein gemeinsames Zusammenleben. Diese Kirche kämpft mit friedlichen Mitteln und ohne sie würde der Libanon seine Identität verlieren. Denn wir haben immer zusammengelebt. Die Christen sind hier zuhause und es ist absolut notwendig, dass sie es auch weiter bleiben.

Liminski: Welche Botschaft von Benedikt XVI. wird bei Ihnen, bei den Libanesen und bei den Christen im Orient besonders im Gedächtnis bleiben von diesem Besuch?

Tawil: Nun, die Botschaft war, dass die Christen stark an ihrem Glauben festhalten, den sie von ihren Vätern und von der Kirche übernommen haben. Der Papst hat seine Zuhörer gebeten, diesem Glauben ohne Abstriche zu folgen und einen offenen Dialog für den Frieden, für ein Zusammenleben ohne Hintertürchen zu pflegen. Das ist die Mission der Christen, das Nein zum Krieg, das Nein zur Waffengewalt, das Nein zu den Zerstörungen, das Nein zum Hass. Das ist dem Papst wichtig, mit diesem Aufruf hat er auch die Messe beendet.

Liminski: Wie haben vor allem die jungen Leute, Christen wie Muslime, auf die Worte des Papstes reagiert?

Tawil: Sie waren sehr, sehr glücklich, den Papst zu empfangen, das war für sie eine große Hoffnung. Sie erwarteten eine Botschaft von ihm und wollten ihn hören. Ich erinnere mich noch an die Messe mit Johannes Paul II. vor einigen Jahren, da war viel Freude, ein großes Hurra, viel Stimmung und Krach während der Messe, es war mehr eine Party-Messe als ein Messopfer. Diesmal haben die Protokollführer auf der Bühnen darum gebeten, während der Messe die Plakate einzurollen und sich ruhig zu verhalten, ohne die Benedikt-Rufe und das Tralala. Das Schweigen und die Andacht haben mich sehr beeindruckt und das war für mich ein Zeichen dafür, dass diese jungen Menschen zu hundert Prozent zuhören wollten, dass für sie der Papst einfach viel Hoffnung bedeutete.

Liminski: Die Sopranistin Rima Tawil, auf vielen großen Bühnen zuhause und gestern auch auf der Corniche, bei der großen Messe des Papstes mit mehr als einer halben Million Gläubigen, Christen und auch Muslimen. Das Gespräch haben wir vor der Sendung aufgezeichnet.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Mehr zum Thema:
Papst ruft Christen auf "für den Frieden zu arbeiten" - Benedikt XVI. feiert Gottesdienst mit 300.000 Menschen in Beirut



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