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StartseiteCorsoIn der Natur des Menschen09.05.2018

Neue FilmeIn der Natur des Menschen

Mensch, Natur und Wirtschaftswachstum: In die Kinos kommen mit "System Error", "Auf der Jagd - Wem gehört die Natur?" und "Die Augen des Weges" drei neue Dokumentarfilme, die sich mit dem Spannungsverhältnis von Ökonomie und Ökologie befassen.

Von Jörg Albrecht

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Szene aus dem Dokumentarfilm "System Error": Das Karl-Marx-Denkmal in Chemnitz (Port au Prince Pictures 2018)
Szene aus dem Dokumentarfilm "System Error": Das Karl-Marx-Denkmal in Chemnitz (Port au Prince Pictures 2018)
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Ein Mann durchstreift die Bergwelt der peruanischen Anden. Er spricht mit den Pflanzen, den Steinen und dem Wasser. Für ihn öffne jeder, der im Einklang ist mit dem Ort, an dem er lebt und mit den Feldfrüchten, die er anbaut, sein Herz auf eine bestimmte Weise.

In einem deutschen Wald liegt ein Jäger in der Dämmerung auf der Lauer, das Gewehr im Anschlag. Sein Ziel: ein Wildschwein. "Das war ein guter Kammerschuss. Das hier ist die Lunge. Da hat die Kugel auch gesessen. Das ist die Leber. Die wird schön in Wasser oder in Milch eingelegt und dann mit Apfelringen oder Zwiebeln. Dann schmeckt es richtig gut."

In einem Hochhaus in Manhattan bereitet sich ein Hedgefonds-Manager auf seine TV-Sendung "Wall Street Week" vor. Er beschreibt sich als "Künstler des Kapitals". Das Unternehmen, das er geschaffen habe, sei seine Leinwand. Dann lässt er uns noch wissen, dass der Kapitalismus das einzige von uns geschaffene System sei, das funktioniere.

Blick auf den Zustand der Welt

Sie könnten kaum unterschiedlicher sein – die Protagonisten der drei Dokumentarfilme "Die Augen des Weges", "Auf der Jagd" und "System Error". Und doch verbindet sie und die Filme etwas miteinander. Es ist ihr Blick auf den Zustand der Welt und die Rolle des Menschen im 21. Jahrhundert. So beschreibt Florian Opitz in "System Error" vielschichtig die Auswüchse des Kapitalismus und die Folgen des Wirtschaftswachstums.

"Die Regierungen wollen nicht, dass wir das ´W-Wort´ hinterfragen. Sie wollen überhaupt keine Diskussionen über Wachstum", sagt in "System Error" der Wirtschaftswissenschaftler und Wachstumskritiker Tim Jackson. Mit der Ansicht, "Wachstum ist ein Naturgesetz, und dem Naturgesetz können wir uns nicht verschließen", steht Tarek Mashhour, Produktionsstratege bei einem deutschen Automobilkonzern, nicht allein da. Dabei kennt auch die Natur kein unendliches Wachstum. Schon Karl Marx war vor 150 Jahren der Ansicht, dass das Wachstum das System irgendwann selbst zerstören wird. Zum Marxisten allerdings braucht Filmemacher Florian Opitz deswegen nicht zu werden. Für ihn liegen die Grenzen in der Endlichkeit der natürlichen Ressourcen.

"Der Kapitalismus ist in eine neue Eskalationsstufe eingetreten. Doch er passt nicht mehr in diese Welt. Sein Ende ist näher als wir denken." Wo thematisch ähnliche Dokumentarfilme auf Kommentierungen seitens des Autors verzichten, hält der Filmemacher hier mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. Florian Opitz wird zum Mahner.

Der Mensch als Jäger oder Bewahrer der Natur?

Anders seine Kollegin Alice Agneskirchner: Ihre Stimme ist in "Auf der Jagd – Wem gehört die Natur" nicht zu hören. Sie lässt die Bilder für sich sprechen und unterfüttert diese mit Faktenmaterial: "Seit 200.000 Jahren gehen wir Menschen auf die Jagd. Wir sagen: Das ist die Natur, die Natur des Menschen."

Immer wieder rückt die Frage in den Vordergrund, ob der Jäger nun ein Bewahrer der Natur ist oder aber ihr Zerstörer? "Das ist ein innerer Trieb, der uns vor Urzeiten mitgegeben worden ist. Um zu bestehen, muss sich der Mensch Beute organisieren."

Einen völlig anderen Umgang mit seiner Umgebung pflegt der Protagonist aus dem Film "Die Augen des Weges". Hipólito Peralta Ccama ist nicht nur Grundschullehrer im peruanischen Cusco. Er ist auch ein Weiser, der als Pilger und Schamane die jahrhundertalte Tradition der Inka fortführt.

"Die Augen des Weges" lässt sich ganz und gar auf seinen Erzähler ein und seine geistige Verbindung zu den Elementen und den Kräften der Erde. Das Ergebnis ist ein kontemplatives Filmessay, eine spirituelle und poetische Reise, die genauso empfehlenswert ist wie "System Error" und "Auf der Jagd". Politisches Kino, das bewegt.

"System Error", "Auf der Jagd" und "Die Augen des Wegen": empfehlenswert

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