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StartseiteUmwelt und Verbraucher"Wenn der Tank leer ist, muss ich natürlich jetzt kaufen"21.01.2016

Niedriger Ölpreis"Wenn der Tank leer ist, muss ich natürlich jetzt kaufen"

Weniger Geld für den Sprit und auch das Heizöl - Verbraucher dürfen sich angesichts des niedrigen Ölpreises freuen. Der Preis sei jetzt schon sehr im Keller. Dennoch sei es sinnvoll diesen bei verschiedenen Händlern zu vergleichen, sagte Christiane Wallraf von der Verbraucherzentrale NRW im Deutschlandfunk.

Christina Wallraf im Gespräch mit Stefan Römermann

Der Tankwagen eines Heizöllieferanten. Aufschrift: Heizöl. (picture alliance / ZB - Patrick Pleul)
Wer Heizöl braucht, sollte jetzt den Tank füllen, rät die Energieexpertin Christina Wallraf. (picture alliance / ZB - Patrick Pleul)
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Stefan Römermann: Vor ein paar Jahren, da schien der Ölpreis immer nur weiter zu steigen. Ein Barrel Öl - das sind so Pi mal Daumen 160 Liter - kostete damals über 100 Dollar, und Experten hatten sogar einen Ölpreis von über 200 Dollar für durchaus realistisch gehalten. Doch seit knapp drei Jahren fällt der Ölpreis weiter und weiter. Jetzt kostet ein Barrel nur noch rund 30 Dollar. Was das für uns Verbraucher bedeutet, darüber spreche ich jetzt mit Christina Wallraf. Sie ist Energieexpertin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Frau Wallraf, die steigenden Rohölpreise, die wurden ja immer an den Zapfsäulen und beim Heizöl recht schnell an die Verbraucher weitergegeben. Wie sieht das denn mit den sinkenden Preisen aus? Kommen die auch relativ zügig an oder eher nicht so?

Christina Wallraf: Doch. Beim Heizöl haben wir in der Tat einen Markt, der sehr gut funktioniert, und deshalb geben Heizölhändler auch sehr schnell die Preise der Börsen auch an die Verbraucherinnen und Verbraucher weiter.

Römermann: Das ist für den Verbraucher jetzt eine rundum positive Nachricht, dass dort die Preise fallen, oder haben Sie da trotzdem an irgendeiner Stelle Bauchschmerzen?

Wallraf: Aus Umweltsicht ist es auf jeden Fall bedenklich, dass die Preise jetzt so sehr im Keller sind, aber aus finanzieller Sicht können sich die Kunden auf jeden Fall darüber freuen, dass sie jetzt weniger Geld für Sprit oder auch für Heizöl ausgeben müssen.

Römermann: Aus Umweltsicht macht es Ihnen eher Sorgen, weil dadurch der Rohölverbrauch steigt. Aber Heizen werden die Leute deswegen nicht mehr, oder doch?

Wallraf: Das eine oder andere Grad, kann ich mir vorstellen, wird schon mehr geheizt, oder man fährt auch mehr mit dem Auto, und vielleicht überlegt man sich, ob man die eine oder andere schon sinnvollerweise geplante Sanierung doch sein lässt. Das kann natürlich auch sein, dass sich das so auswirkt.

Kurzfristige werden die Preise weiter sinken

Römermann: Was ist denn mit Erdölheizungen? Denken Sie, das ist was, wo man jetzt als Verbraucher sagen könnte, eigentlich ist das ein günstiger Ölpreis und das wird auch noch eine Weile so bleiben. Gehen Sie davon aus, dass es weiter unten bleibt?

Wallraf: Zunächst muss man ja sagen, dass man die Entscheidung für eine Heizung für die nächsten 15, vielleicht sogar 20 Jahre trifft, treffen sollte. Und wenn man sich mal rückblickend anguckt, wie sich der Heizölpreis entwickelt hat - Sie hatten es eingangs gesagt -, der Heizölpreis ist ja volatil und deshalb ist es jetzt wirklich schwierig zu sagen, wie der Heizölpreis in den nächsten 15 Jahren vielleicht sein wird. Kurzfristig allerdings ist davon auszugehen, dass der Heizölpreis vielleicht noch ein bisschen weiter sinkt, und zumindest 2016 ist nicht davon auszugehen, dass der Preis weiter steigen wird.

Römermann: Was raten Sie den Verbrauchern, die jetzt schon eine Erdölheizung haben? Würden Sie sagen, man sollte tatsächlich jetzt kaufen, oder darauf spekulieren, dass er noch weiter sinkt? Was würden Sie da machen?

Wallraf: Wenn der Tank leer ist, muss ich natürlich jetzt kaufen. Das ist auch nicht schlecht. Dann zahle ich nur ein Drittel von dem, was ich 2012 gezahlt hätte. Wenn man Spaß daran hat, die Preise noch ein bisschen mehr zu beobachten, empfiehlt es sich durchaus, vielleicht den Trend noch ein bisschen mehr mitzunehmen, vielleicht noch mal kurz zu warten. Aber wie gesagt, jetzt ist der Preis schon so sehr im Keller, dass es auch jetzt eine gute Kaufentscheidung wäre.

Römermann: Sie haben gerade gesagt, es gibt eigentlich einen ganz guten Markt beim Heizöl. Gibt es tatsächlich auch zwischen den einzelnen Anbietern sehr große Preisunterschiede, ähnlich wie bei Erdgas oder Strom? Macht es da Sinn, wenn ich dort Preise vergleiche, und wie mache ich das eigentlich am günstigsten?

Wallraf: Doch. Es ist auf jeden Fall sinnvoll, mal bei verschiedenen Händlern anzurufen, wie teuer deren Preis ist. Manche Händler ändern sogar ein-, zweimal am Tag die Preise und bei einem Vergleich kann man vielleicht noch mal fünf Prozent des Heizöls sparen. Eine andere Möglichkeit, die man hat, ist, sich mit Nachbarn zusammenzuschließen, wenn man vielleicht selbst gar nicht so eine große Literanzahl an Heizöl bestellen würde, um dort auch noch mal ein paar Prozent zu sparen.

"Es gilt der Preis bei der Bestellung"

Römermann: Sie haben gesagt, zwei-, dreimal am Tag wird da manchmal der Preis geändert. Welcher Preis gilt denn dann, der in dem Moment, wo ich anrufe und sage, ich hätte jetzt gerne eine Lieferung, oder der, wenn der Tankwagen bei mir vor der Tür steht?

Wallraf: Es gilt der Preis, den Sie bei der Bestellung vereinbart haben, und nicht bei der Lieferung.

Römermann: Der Ölpreis ist so niedrig wie schon lange nicht mehr - Informationen waren das von Christina Wallraf von der Verbraucherzentrale NRW. Vielen Dank für das Gespräch.

Wallraf: Gerne.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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