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Noch ein neuer Schultyp

Sachsen führt im Sommer die Oberschule ein

Von Hanno Griess

Oberschulen sollen mehr sächsischen Schülern den Weg zum Abitur erleichtern.
Oberschulen sollen mehr sächsischen Schülern den Weg zum Abitur erleichtern. (picture alliance / dpa / Waltraud Grubitzsch)

Bislang gibt es in Sachsen die sogenannte Mittelschule, die nach der neunten Klasse mit dem Hauptschulabschluss endet und nach der Zehnten mit der Mittleren Reife. Die FDP drängt seit längerem darauf, die Mittelschule zu reformieren. Ab August soll sie nun Oberschule heißen.

Die Diagnose ist eigentlich unstrittig. Das sächsische Schulsystem erlaubt zu wenigen Schülern, von der Mittelschule aufs Gymnasium zu wechseln und nach dem Realschulabschluss das Abitur zu machen. Und deshalb komme im nächsten Schuljahr die Oberschule, sagt der Parteichef des kleinen Koalitionspartners FDP, Holger Zastrow:

"Es soll halt das Problem der Durchlässigkeit, was wir in Sachsen tatsächlich haben, lösen. Es gibt schon seit Jahren eine formelle Durchlässigkeit, aber es gibt ganz, ganz wenig Schüler, die das bisher geschafft haben, eben weil an den Mittelschulen die Leistungsgruppen fehlen und weil vor allem die zweite Fremdsprache gefehlt hat."

Und genau deshalb werde man die sächsischen Mittelschulen flächendeckend in Oberschulen umwandeln. Neue Schilder und Namen also, aber entscheidend sei die inhaltliche Änderung, so Zastrow:

"Man kann jetzt nach der vierten Klasse wechseln, man kann genau so nach der sechsten Klasse wechseln. Die Chance besteht dadurch, dass wir in Klasse fünf und sechs Leistungsgruppen einrichten, die die Schüler freiwillig besuchen können. Wenn die Eltern der Meinung sind, mein Kind ist noch nicht so weit, aber wenn er sich anstrengt, schafft er es, dann kann er die Leistungsgruppen besuchen. Und was das Besondere ist, es gibt dann auch die zweite Fremdsprache, was die ganz große Hürde gewesen ist, weil diejenigen an der Mittelschule die nicht hatten, auf dem Gymnasium aber gefordert wird, und damit der Abstand dann zu groß war, und das führen wir jetzt in Klasse sechs ein."


Soweit der Plan der Regierung. Der allerdings mehr als nur eine Schwäche aufweise, meint die Opposition. Die schärfste Kritikerin des Konzepts der Trennung nach Leistung ist die SPD-Bildungspolitiker Eva-Maria Stange. Sie hält der Regierung vor, bisher gerade nicht für mehr, sondern faktisch für weniger Durchlässigkeit gesorgt zu haben:

"Zum einen gibt es kein geschlossenes Konzept für die Oberschule, sondern es gibt einzelne Versatzstücke, die sich gegenseitig widersprechen. Erstens die verschärfte Bildungsempfehlung nach Klasse vier, dass die Schüler mit einem Durchschnitt von 2,0 aufs Gymnasium gehen können und nicht wie bisher mit 2,5. Das hat schon im ersten Jahr dazu geführt, dass circa 1200 Schüler weniger ans Gymnasium gehen konnten als im Jahr zuvor."

Das ist von CDU und FDP auch genau so gewollt, denn die Oberschule soll wieder das Herzstück des sächsischen Bildungssystems werden. Es gebe eine allgemeine Gymnasiumsgläubigkeit, sagt Holger Zastrow, und Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth sekundiert:

"Wir wollen den Eltern mehr als bisher vermitteln, dass der Weg über die Mittelschule und das berufliche Gymnasium ein qualitativ guter Weg ist wie die Autobahn zum Abitur. Und die Autobahn nach zwölf Schuljahren zum Abitur soll denjenigen vorbehalten sein, denen wirklich das Lernen ganz leicht fällt, die topfit sind und nach der vierten Klasse schon soweit sind, den Schritt ans Gymnasium zu wagen."

Für ihr neues Schul-Herzstück Oberschule hat die Regierung 55 neue Lehrerstellen bewilligt, vor allem für die zweite Fremdsprache. Außerdem gibt es ein paar Millionen Euro mehr Geld als ursprünglich im Haushalt eingeplant, so Kurth:

"Ich bin überzeugt, dass die zusätzlichen Lehrerstellen und auch die finanzielle Unterstützung der jetzigen Mittelschulen dazu beiträgt, dass wir die Schüler individueller fördern können."

SPD-Politikerin Eva-Maria Stange hält dem entgegen, dass die Zahl der Lehrer in Sachsen durch die hohen Altersabgänge ständig weniger wird und bessere individuelle Förderung trotz der 55 zusätzlichen Stellen unmöglich sei. Außerdem gehe das Gymnasium als künftige Elitenschule an den Interessen der Schüler und Eltern völlig vorbei:

"Das Problem des sächsischen Schulsystems ist nach wie vor Aufteilung der Schüler nach Klasse vier. Und wenn Sie die Eltern fragen, dann werden sie immer den Königsweg wählen wollen, nämlich den Königsweg übers Gymnasium."

Sei es drum, zum neuen Schuljahr werden die sächsischen Mittel- in Oberschulen umgewandelt. Ob das FDP-Prestigeprojekt aber langfristig Bestand haben wird, ist fraglich. Denn im Schulgesetz verankert wird sie nicht – und ist daher bei Bedarf auch leicht wieder abzuschaffen.

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