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StartseiteUmwelt und VerbraucherSuche nach Ursachen für die gestrandeten Pottwale05.02.2016

NordseeSuche nach Ursachen für die gestrandeten Pottwale

Seit Anfang Januar gab es 28 tote Pottwale in der südlichen Nordsee, davon 16 in Deutschland. Zuletzt wurden acht Wale vor dem Kaiser-Wilhelm-Koog im schleswig-holsteinischen Dithmarschen gefunden. Die Nordsee ist nicht ihr Lebensraum, weil sie unter anderem nicht tief genug ist. Doch warum haben sie sich in diese Wasser begeben?

Von Almuth Knigge

Ein Bagger zieht am 14.01.2016 auf dem Strand von Wangerooge (Niedersachsen) einen verendeten Pottwal Richtung Meer. Auf der Nordseeinsel haben die Vorbereitungsarbeiten für den Abtransport der beiden gefunden toten Pottwale begonnen. (picture alliance / dpa / Peter Kuchenbuch-Hanken)
Ein Bagger zieht am 14.01.2016 auf dem Strand von Wangerooge (Niedersachsen) einen verendeten Pottwal Richtung Meer. Auf der Nordseeinsel haben die Vorbereitungsarbeiten für den Abtransport der beiden gefunden toten Pottwale begonnen. (picture alliance / dpa / Peter Kuchenbuch-Hanken)

"Herzlich Willkommen. Podiumsdiskussion."

Im Bremer Überseemuseum. Es geht um die Zukunft der Wale. Eine Frage steht dabei logischerweise im Mittelpunkt.

Was ist mit den 28 Pottwalen passiert? Warum ist die Nordsee zum Walfriedhof mutiert – und welche Schuld trifft den Menschen. Sind es die C-Waffen aus dem Zweiter Weltkrieg, die noch am Boden des Ozeans liegen. Eine Vermutung, kollektiver Selbstmord eine andere. Die zunehmende Lärmverschmutzung der Meere durch Exploration oder Offshore Windparks. Oder sind es Sonnenstürme oder andere natürliche Zyklen, hinter die der Mensch noch nicht gekommen ist? Ist die Population der Pottwale bedroht. Die Biologin auf dem Podium im Überseemuseum, Dr. Helena Herr kann da zwar Entwarnung geben.

"Es ist tragisch. Es ist tragisch für die einzelnen Individuen das darf man so stehenlassen und man sieht diese wirklich gesunden großen schönen Tiere, die da verendet sind, aber auf Populationsebene ist eine Zahl von 25 nicht bedrohlich."

Aber grundsätzlich hat sich Population der Wale, egal welche Art, noch nicht von der Massenjagd der letzten Jahrhunderte erholt. Hinzu kommt, dass den Tieren die Nahrungsgrundlage entzogen wird - durch Überfischung, Meeresverschmutzung. Noch gibt es weltweit rund eine Million Pottwale. Aber geraten sie ins Flachwasser und stranden, kann das Gewicht ihres Körpers Blutgefäße und die Lunge abdrücken – daran sterben sie.

Helena Herr ist ausgewiesene Expertin. Sie erforscht die Walpopulationen in der Antarktis, Nord und Ostsee und leitet außerdem die deutsche Delegation im Wissenschaftsausschuss der internationalen Walfangkommission. Auf die Frage nach dem Warum – warum sind die Tiere falsch abgebogen und in der für sie tödlichen Nordsee gelandet – darauf hat auch sie keine Antwort.

"Es gibt verschiedene Theorien, das eine ist, dass sie Nahrungsorganismen gefolgt sind, die normalerweise nicht in der Nordsee vorkommen. Sie fressen bestimmte Tintenfischarten bevorzugt die aber nur am norwegischen Schelfrand vorkommen und wenn die durch eine Meeresströmung, durch einen Warmwassereinstrom in die Nordsee reingekommen sind, dann können sie denen gefolgt sein. Und wenn sie erst einmal drin sind, dann ist es zu spät."

Massenstrandungen im Nordseeraum sind keine Seltenheit. Anfang Dezember 1997 strandeten 13 Pottwale vor der dänischen Insel Röm. Einen Monat später, Anfang Januar 1998, liefen drei Pottwale an der schleswig-holsteinischen Küste auf und verendeten. Insgesamt strandeten Mitte der 1990er-Jahre innerhalb von drei Jahren mehr als 50 Pottwale an europäischen Nordseeküsten. Und immer waren und sind es Jungbullen.

"Sogenannte Junggesellengruppen, Bachelor-Verbände und inwieweit der Zusammenhalt in diesen Gruppen ist, ist nicht ganz klar, aber es kann auch sein, dass sie einem Tier gefolgt sind, dass die Leitung übernommen hat."

Fakt ist: Anstatt westlich an Großbritannien vorbeizuschwimmen, verirrten sich die Wale in die Nordsee. Das war ihr Todesurteil, denn in der durchschnittlich nur 93 Meter tiefen Nordsee finden sich die Tiefseetaucher nicht mehr zurecht. Ihr Echolot, mit dem sich die Pottwale orientieren, funktioniert dann nicht mehr richtig.

"Sie gehören nicht in die Nordsee. Es ist nicht so, dass es Tiere sind, die einem Ereignis in der Nordsee ausgeliefert waren, sondern sie sind einfach ins falsche Meeresgebiet geschwommen."

Alles andere ist Spekulation. Ein Grund dafür ist, dass man so wenig über Großwale weiß.

"Wir sehen so wenig von ihrem Leben, wir sehen nur, wenn sie an die Oberfläche kommen und wir wissen gar nicht, was sie den ganzen Rest der Zeit machen. Und das macht sie für mich als Forschungsobjekte auch unglaublich spannend, dass sie ganz viel an wissen für sich behalten und wir ihnen nur ganz wenig entlocken können."

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