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Papa-TV total

Der Papstbesuch als mediales Hochglanzereignis

Von Klaus Deuse

Papst Benedikt XVI. in Berlin
Papst Benedikt XVI. in Berlin (dpa / picture alliance / Hannibal Hanschke)

Bei seiner Wahl zum Papst wurde Benedikt XVI. als Deutscher auf dem Stuhle Petri bejubelt, obwohl seine kirchenpolitischen Positionen schon damals bekannt waren. Über seinen Besuch in der Heimat freut sich derzeit vor allem das Fernsehen, das die Kirche nicht im Dorf lässt.

"Achtung, präsentiert das Gewehr. Eure Heiligkeit, ich melde die Ehrenformation der Bundeswehr zu Ihrer Begrüßung angetreten."

Aufmarschiert sind in Regimentsstärke auch Politiker, die nach den Salutböllern vor laufenden Fernsehkameras ganz viele warme Worte verlieren.

"Im Namen der Menschen in Deutschland sage ich Ihnen von ganzem Herzen: Herzlich willkommen, herzlich willkommen in Deutschland."

Dass nicht jeder Deutsche bei diesem Besuch von Benedikt XVI. in einen Freudentaumel geriet, das schwante allerdings nicht nur so manchem Berichterstatter.

"Der Papst weiß, es wird nicht nur Jubel und Applaus, sondern auch Proteste geben."

Doch wenn ein deutscher Papst schon einmal zum Staatsbesuch nach Deutschland kommt, dann ist das das mediale Toppereignis. Wohl auch wegen einiger in Deutschland heftig umstrittener Positionen der katholischen Amtskirche.

Den Empfang, die Rede vor dem Bundestag, die Messe im Berliner Olympiastadion – die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF krempelten ihr Programm um und übertrugen stundenlang am Stück. Auf die im Mediengeschäft ansonsten heilige Kuh, die Quote, mussten sie aufgrund ihres Informationsauftrages keine Rücksicht nehmen. Mit rund 2,5 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 15 Prozent bescherte ihnen der Papst dennoch nicht einmal eine so üble Quote. Der Privatsender SAT 1 dagegen, der Benedikt zeitlich beschnitten ins irdische Programm hievte, musste sich mit 6,7 Prozent zufriedengeben.

"Ich bin in Deutschland geboren und die Wurzel kann nicht abgeschnitten werden und soll nicht abgeschnitten werden. Ich habe meine kulturelle Formung in Deutschland empfangen. Meine Sprache ist deutsch und die Sprache ist die Weise, in der der Geist lebt und wirksam wird."

Als Josef Ratzinger auf den Stuhl Petri gewählt wurde, da jubelten deutsche Gazetten in fetten Lettern: Wir sind Papst! Und heute? Bereits in den Tagen vor seiner Ankunft schickte man den deutschen Papst in diversen Talkshows quasi durch ein Fegefeuer auf der Mattscheibe. Wenn es um Auflage und Quote geht, da hält es die Medienbranche nicht mit dem geflügelten Wort, dass man die Kirche getrost im Dorf lassen könne. Unabhängig davon geriet die einmalige Gelegenheit, Benedikt XVI. im deutschen Fernsehen das Wort zum Sonntag sprechen zu lassen, zu einem mittleren Desaster. Da die Gaudiburschen vom Musikantenstadl heillos überzogen hatten, erschien der Papst erst eine Stunde später auf dem Bildschirm. Doch als Papa tatsächlich ante portas erschien, schenkten ihm die Sender als kostengünstigem Medienstar ihre volle Aufmerksamkeit.

"Und jetzt hören wir hier den Jubel. Ich bin mir nicht sicher. Ich glaube, das Papamobil kommt. Deswegen unterbreche ich mal ganz kurz. Ja, ich glaube, das ist der richtige Zeitpunkt. Er fährt gerade rein durchs Marathontor rein in das Stadion und wir zeigen jetzt einfach mal die Bilder und übertragen die Atmosphäre."

Was man bei den medial inszenierten Auftritten vom Papst erwarten durfte, das konnte vor dem Bildschirm eigentlich niemanden überraschen.

"Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes ... Amen ... der Friede sei mit Euch und mit seinem Geiste ..."

Und selbst wenn Reporter bei dessen Gesprächspartnern hartnäckig nachfragten, viel Neues konnten ihnen die Vertreter anderer Religionen wie des Zentralrates der Juden in Deutschland nach deren tête-à-tête mit Benedikt nicht verraten.

"Was hat Benedikt XVI. darauf geantwortet?"
"Er hat auf diese Punkte direkt gar nicht geantwortet."

Dafür servierten die Reporter erstaunliche Erkenntnisse rund um das Papamobil bei dessen Fahrt durch das Berliner Olympiastadion. Fast hätte man die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und gerufen: Um Himmels willen, warum lässt der Papst die Scheiben runter, wenn nicht der TV-Kollege sofort Gott Vertrauen erkannt hätte.

""Das ist ein Zeichen des Vertrauens, dass er sich sicher fühlt zwischen den Gläubigen, dass er diese, vier Zentimeter sind es nämlich, Panzerglas nicht um sich herum braucht."

Der Besuch eines deutschen Papstes in Deutschland. Ein hochgepushtes mediales Hochglanzereignis. Auf dem Quotenaltar hat es dennoch nicht gereicht. In der werberelevanten Zielgruppe landete der Papst nämlich deutlich hinter "Alarm für Cobra 11" und "Bones, die Knochenjägerin". Serien, die jede Woche über den Bildschirm flimmern und nicht wie der Papst nur alle Jubeljahre ein TV-Gastspiel geben

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