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StartseiteComputer und KommunikationPinguine in Afrika25.02.2006

Pinguine in Afrika

Open-Source-Software unterstützt Entwicklungshilfe

<strong>Lange Zeit lagen Anhänger von Open-Source-Software regelrecht im Clinch mit Vertretern des Markführers Microsoft. Entwicklungsländern indes eröffnet erst freie und offene Software sicheren und vor allem preiswerten Zugang zur Informationstechnologien.</strong>

Manfred Kloiber im Gespräch mit Balthas Seibold

Das freie Betriebssystem Linux findet auch in Afrika immer mehr Nutzer. (linux.gr)
Das freie Betriebssystem Linux findet auch in Afrika immer mehr Nutzer. (linux.gr)
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InWEnt

Balthas Seibold: "Das Thema der panafrikanischen Software-Konferenz "Idlelo" im kenianischen Nairobi ist nicht nur Open-Source, sondern in Afrika auch, wie Open-Source zu den internationalen Entwicklungszielen beitragen kann, also zum Beispiel ganz konkret die Armut verringern, die Erziehung verbessern oder auch die Gesundheitsversorgung verbessern. Und in all diesen komplexen Steuerungsmechanismen zeigt sich eben, dass weltweit Informationstechnologien eine immer größere Rolle spielen. Da denken wir, dass freie und offene Open-Source-Software eine ganz wichtiges Potenzial für Afrika hat."

Kloiber: Welche Vorteile hat es, Open-Source-Software zu benutzen?

Seibold: "Der offensichtlichste Vorteil ist erst einmal der Preis: Da der Quellkode einfach offen vorliegt. Teuere Lizenzgebühren [kommerzieller Anbieter] können einen großen Batzen Geld verschlingen, der in industrialisierten Ländern vielleicht leicht geschultert werden kann, in aber in afrikanischen Ländern oft ein sehr großes Problem darstellt. Die Alternative im Moment ist, dass einfach "piratisierte", proprietäre Software eingesetzt wird, was aber große Probleme vom Urheberrecht her gesehen mit sich bringt. Und deswegen sagen wir, da kann halt freie Open-Source-Software erstens zu einer Entkriminalisierung führen und zweitens sehr preisgünstige Lösungen bieten. Allerdings geht es eben nicht nur um den Preis: es geht eigentlich darum, das freie Open-Source-Software vor allem lokal anpassbar ist, und das ist was "InWEnt" im Prinzip schon immer versucht: wirklich lokale Expertise heranzuziehen, die dann angepasste Lösungen für die jeweiligen Länder entwickeln kann. Es ist nun einmal nicht die ganze Welt gleich, und genauso ist es mit Software: vielleicht hat eine afrikanische Regierung ganz andere Bedürfnisse und dem kann man mit so einer Standardsoftware nicht gerecht werden. Free und Open-Source-Software ist genau anpassbar, übrigens auch was die Sprachen angeht."

Kloiber: Aber diese Anpassbarkeit setzt ja voraus, dass man Experten hat, die damit umgehen können. Ist denn dieses Know-how in Afrika vorhanden?

Seibold: "Wir von InWEnt arbeiten seit dem Jahr 2000 daran - zumindest in den SADAC-Staaten (Southern African development Community) - genau diese Experten zu stärken. Wir haben da über 60 IT-Experten auch über jeweils ein Jahr lang in Deutschland ausgebildet zum Thema "Business Consultancy in IT". Das war zum großen Teil Open-Source-Software. Das heißt, es ist wahr, dass die Expertenbasis fehlt zum großen Teil. Aber genau dort setzt InWEnt ein mit Trainingsmaßnahmen sowohl in Deutschland als auch in den jeweiligen Ländern. Generell habe ich das Gefühl, dass hier in Afrika, auf jeden Fall in dieser Konferenz, sehr stark ein Geist von dieser freien Software hoch gehalten wird. Das heißt, es geht auch wirklich um das Teilen, es geht darum, dass man zusammen mehr machen kann. Deswegen heißt diese Konferenz auch "Idlelo", was ein afrikanisches Wort ist für "gemeinsamer Weidegrund". Genau das ist ja auch die Idee von freier Open-Source-Software: dass verschiedene Entwickler, die gar nicht im gleichen Land sitzen müssen, zusammen etwas bauen und dann wieder zusammen das auch nutzen. Ich glaube, dass da Afrika von dieser Kultur des Teilens schon auch ein ganzes Stück selber mitbringt, sodass Open-Source-Software hier eigentlich eine sehr gute Zukunft haben kann."

Kloiber: Gibt es dazu schon praktische Beispiele, was da heraus gekommen ist auf Open-Source-Basis?

Seibold: "Genau da setzt eigentlich die jetzige Konferenz zum Teil ein: hier wurden nämlich nicht nur die IT-Experten und Entwickler zusammen gebracht, sondern bewusst auch Leute aus den einzelnen Verwaltungen und Regierungen, denn sehr oft fehlt tatsächlich in den Verwaltungen das Bewusstsein dafür, dass es erstens Alternativen gibt und dass die vielleicht auch noch wesentlich besser, preisgünstiger und angepasster sind. Da muss man auch klar sagen, dass es auch einen politischen Kampf gibt, da auch ein sehr großer Druck von den proprietären Softwareentwicklern ausgeübt wird, die sehr oft auch die Lizenzen erst einmal kostenlos geben, um halt die Leute an das jeweilige Produkt zu binden."

Kloiber: Können sie vielleicht ein oder zwei konkrete Projekte in Afrika nennen, wo erfolgreich etwa Linux in der öffentlichen Verwaltung eingesetzt wird?

Seibold: "Ein kleineres Beispiel, dass ich geben kann aus dem Bereich E-Security, ist, dass tatsächlich unsere IT-Experten jetzt schon mehrere Verwaltungen und auch Privatfirmen mit Serverlösungen versorgen, die nur auf freier Open-Source-Software basieren und die sie tatsächlich in Deutschland im Training gelernt haben. Das als kleines konkretes Beispiel, was jetzt auch mal weg geht von Desktop-Software, denn man muss sagen, dass Linux eher auf der Serverseite eingesetzt wird. Und da ist es auch in Afrika sehr stark im Kommen."

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