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StartseiteUmwelt und VerbraucherJede Minute entleert sich ein Laster 22.09.2017

Plastikmüll in den MeerenJede Minute entleert sich ein Laster

Plastikmüll verdreckt Meere und Strände überall auf der Welt. Besonders groß sind die Probleme in Südostasien, weil es dort kaum Entsorgungsstrukturen gibt. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace wollte nun wissen, von welchen Firmen die Plastikreste im Meer stammen. Europäische Firme sind vorne mit dabei.

Von Axel Schröder

Ein Müllsammler fischt Plastiktüten aus der Bucht von Manila. Anlass war der 5. internationale plastikfreie Tag. (EPA /  Ritchie B. Tongo)
Täglich werden Unmengen von Müll in der Bucht vor Manila angeschwemmt (EPA / Ritchie B. Tongo)
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Der Strand von Freedom Island südlich von Manila ist kein beschaulicher Ort. Seit einer guten Woche ist der Greenpeace-Aktivist Michael Meyer-Krotz dort unterwegs und den Müll, der dort angeschwemmt wird, mussten er und viele Dutzend Freiwilliger nicht lange suchen:

"Wir haben hier insgesamt acht Tage lang Müll gesammelt. Wir sind pro Tag etwa einhundert Freiwillige gewesen, die hier auf dem Gelände gewesen sind. Und wir haben uns jeden Tag, diese Insel entlang hangelnd, einen bestimmten Abschnitt vorgenommen und haben dann diesen Abschnitt sehr konsequent aufgeräumt."

Und am nächsten Tag, erzählt Michael Meyer-Krotz, waren die gesäuberten Strandabschnitte wieder genauso vermüllt wie am Vortag. Umsonst war die Aktion trotzdem nicht. Denn den Umweltschützern ging es dabei nicht darum, die Strände dauerhaft sauber zu halten:

"Wir haben insgesamt etwa 60.000 Plastikteile hier sortiert, aussortiert aus dem Gesamtmüll. Und die wurden dann letztlich verteilt auf die verschiedenen Marken und dann eben auf die Hersteller."

Große europäische Marken vorne mit dabei

Mit detektivischem Eifer suchten die Aktivisten nach Firmenaufdrucken auf dem angeschwemmten Plastikteilen, haben einzelne Schnipsel mit vorher gekauften Muster-Verpackungen abgeglichen. Alle Teile, die zweifelsfrei zugeordnet werden konnten, waren Grundlage für eine Rangliste der Unternehmen, deren Müll am häufigsten im Meer landet:

"Wir können sagen, dass die drei großen europäischen Marken sehr vorne mit dabei sind. Führend in diesem Sinne ist Nestlé, gefolgt von regionalen Anbietern. Und unter den ersten zehn sind auch noch Unilever und Procter & Gamble."

Ein Grund für die Masse an Müll ist der Umstand, dass viele Menschen in dieser Region als Tagelöhner arbeiteten und schon aus finanziellen Gründen im Supermarkt eher die kleinen als große Packungen einkaufen würden.

"Was wir hier hauptsächlich gefunden haben, sind so genannte 'Sachets'. Das sind Kleinstverpackungen in Tagesrationen, die diese Firmen wie beispielsweise Nestlé, Unilever und Procter & Gamble hier vertreiben."

Konzerne wollen reagieren

Die Ergebnisse des Greenpeace-Ranking werden von den drei Konzernen nicht bestritten. Der Unternehmenssprecher von Nestlé, Achim Drewes, weist darauf hin, dass das eben mit den Marktanteilen der Firmen zu tun habe und deshalb nicht überraschen kann. Richtig sei auch der Hinweis der Umweltschützer, dass in Südostasien gar nicht die Entsorgungsinfrastrukturen vorhanden sind, um mit den anfallenden Müllmengen nachhaltig umgehen zu können. Deshalb sei man bereits in Gesprächen mit dortigen Nichtregierungsorganisationen, um die Möglichkeiten zum Beispiel für Pfandsysteme  auszuloten. Procter & Gamble teilt auf Anfrage mit, dass das Unternehmen bis 2020 den Verpackungsanteil pro Verkaufseinheit um 20 Prozent verringern will. Bei Unilever soll sich der Abfall, der bei der Entsorgung ihrer Produkte entsteht, bis zu diesem Zeitpunkt sogar halbieren und 2015 nur noch aus recycle- oder kompostierbarem Material bestehen. Das sei auch dringend nötig, so Michael Meyer-Krotz von Greenpeace. Denn die Masse an Müll, die weltweit in die Meere gelange, sei gigantisch:

"Es gibt verschiedene Studien, die sich damit beschäftigt haben. Und eine Studie sagt, dass zwischen fünf und knapp 13 Millionen Tonnen pro Jahr ins Meer gekippt werden. Und wenn man das umrechnet, wenn man die obere Grenze nimmt, wenn man das umrechnet, dann ist das jede Minute ein Mülllaster, der sich gewissermaßen ins Meer entleert."

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