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"POLITICO" etabliert sich am US-Medienmarkt

Ein Zukunftsmodell im Land des Zeitungssterben

Von Moritz Küpper

Von der klassischen Zeitung ins Internet: "POLITICO" ist im Land des Zeitungssterben zu einem Zukunftsmodell geworden.
Von der klassischen Zeitung ins Internet: "POLITICO" ist im Land des Zeitungssterben zu einem Zukunftsmodell geworden. (Stock.XCHNG / Natalie Souprounovich)

In den USA tobt Wahlkampf um das Weiße Haus. Es ist ein hochprofessionelles Rennen mit vielen Beteiligten: Politiker, Parteien, Think Tanks, Medien. Und mittendrin ist ein Unternehmen, das vor fünf Jahren als einfache Website begann: Die Newsorganisation "POLITICO".

Am 23. Januar 2007 hätte niemand gedacht, dass sich das, was einst als einfache Website startete, sich gut fünf Jahre später so anhören wurde...

Doch die Idee von John F. Harris und Jim VandeHei, einst beide Redakteure bei der "Washington Post", war erfolgreich. Mit Hilfe des Fernsehsenders ABC gründeten sie die Website "POLITICO", auf der sie rund um die amerikanische Bundespolitik berichten wollten. Der Ansatz: Der Journalismus sollte direkter werden.

"Sie dachten, es gebe einen Weg für Reporter, die Geschichte zu erzählen, all das zu schreiben, was die Reporter wirklich wissen. Nicht einfach so abzufassen, wie in den alten Tagen des Journalismus. Und die Schnelligkeit des Internets zu nutzen, was 2007 eine viel neuere Idee war, als heute."

Erzählt Tim Grieve, Chefredakteur von "POLITICOpro", so etwas wie dem Bezahl-Dienst der Website. Denn mittlerweile steht das Projekt auf zahlreichen Füßen: Neben einem eigenen Fernsehsender, gibt es eine Gratiszeitung, Newsletter, die auch von Barack Obama gelesen werden, eigene Magazin und eine E-Book-Reihe. Und eben "POLITICOpro", so etwas wie die Cash-Cow des Unternehmens. Während es auf der Website vor allem um "politics", als um die Politik direkt geht, beschäftigt sich "POLITICOpro" eher mit "policy", also der inhaltlichen Seite, deren Informationen man gegen Geld abonnieren kann. Doch unabhängig von den verschiedenen Standbeinen, die Aufgabe für die Journalisten: Alle müssen alles können. Und innerhalb von nur fünf Jahren hat sich "POLITICO" etabliert – und ist somit im Land des Zeitungssterben zu einem Zukunftsmodell geworden. Doch lässt sich das Konzept so einfach kopieren? Tim Grieve:

"Auf der journalistischen Seite lässt sich unser Erfolg sehr einfach überall kopieren. Unseren Stil zu schreiben, unsere Ansätze, die Schnelligkeit und die intelligenten Zugänge... All das lässt sich übertragen und könnte überall funktionieren. Beim Geschäftsmodell ist es dagegen schwierig, weil sie ein eingegrenztes Berichtsgebiet brauchen, das mit einer gewissen Anzahl an Journalisten abzudecken ist und sie brauchen Zuschauer und Leser, die Geld haben."

Bei "POLITICO" umfasst diese Gruppe die Lobbyisten in Washington, die politischen Parteien, aber eben auch Firmen, beispielsweise aus der Finanz-, Gesundheits- und Technologie-Industrie, die viel Geld bezahlen. Zwar besteht die Gratiszeitung fast zur Hälfte aus Anzeigen, doch ob "POLITICO" wirklich lukrativ ist, ist nicht zu erfahren. Zahlen gibt das Unternehmen nicht raus. Grieve nennt Hollywood, wo es mit TMZ.com ja bereits ein Ähnliches Beispiel gibt, aber auch die Wall Street und jede andere Hauptstadt der Welt als potenzielle Nachahmer-Orte. Doch Rem Rieder, Chefredakteur der "American Journalism Review", ist dennoch skeptisch:

"Es ist ein sehr speziell Modell, dass sich an politische Junkies, an Insider richtet. Ich denke, dass es sich dabei um etwas einmaliges handelt. Ich glaube nicht, dass es viel damit zu tun hat, wie man Journalismus in Houston oder Milwaukee rettet."

Für Rieder ist "POLITICO" ist nur ein weiteres Beispiel für Nischenjournalismus. Wenn auch ein – gerade im US-Wahlkampf – sehr präsentes.

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