• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
StartseiteUmwelt und VerbraucherPreistreiber Erneuerbare Energien?15.10.2010

Preistreiber Erneuerbare Energien?

Was die EEG-Umlage für Verbraucher bedeutet

Alle Stromkunden müssen sich auf Preiserhöhungen einstellen. Die vier deutschen Netzbetreiber teilten mit, dass die Umlage für Ökostrom im kommenden Jahr auf 3,5 Cent pro Kilowattstunde steigt. Sparmöglichkeiten gebe es für die Kunden aber weiterhin.

Von Dieter Nürnberger

Über 80 Prozent der Bürger halten es für wichtig, dass Deutschland vollständig auf Erneuerbare Energien umstellt. (AP)
Über 80 Prozent der Bürger halten es für wichtig, dass Deutschland vollständig auf Erneuerbare Energien umstellt. (AP)

Die Verbraucher sollten davon ausgehen, dass durch die Umlagenerhöhung bei den erneuerbaren Energien der Strom ab dem nächsten Jahr tatsächlich etwas teurer wird. Wobei man hier auch anmerken muss - es ist für die einzelnen Stromanbieter in Deutschland damit keine Zwangsläufigkeit verbunden. Denn in der Vergangenheit, das haben viele Verbraucher sicherlich auch bemerkt, wurden nicht immer Preisentwicklungen nach oben oder nach unten direkt weitergegeben. Zyniker behaupten ja, es würden immer nur die nach oben an den Kunden weitergegeben: Ein gutes Beispiel ist da sicherlich der Großhandelspreis, der ist infolge der Wirtschaftskrise ja auch nach unten gegangen und wurde längst nicht immer an den Endkunden weitergeben.

Was genau auf die Verbraucher zukommt, ab 2011, hat beispielsweise Daniel Dodt ausgerechnet, er ist Energietarifexperte bei Internet-Vergleichsportal Toptarif.

"Es steht definitiv fest, dass sich die Erhöhung der EEG-Umlage für jeden Stromkunden bemerkbar machen wird. Es gibt bei der EEG-Umlage nur ganz wenige Ausnahmen. Das sind dann wirklich Großindustriebetriebe. In diesem Sinne müssen die Kunden dann damit rechnen, dass sie je nach Haushaltsgröße ab kommendem Jahr zwischen 30 und knapp über 100 Euro mehr zahlen müssen."

Allerdings gebe es trotz EEG-Umlagenerhöhung auch weiterhin für Kunden die Möglichkeit, bei den Stromkosten zu sparen. Durch die Marktöffnung gibt es ja längst eine große Bandbreite an Stromversorgern hierzulande. Es gibt die vier großen überregionalen Anbieter mit unterschiedlichen Tarifen, es gibt regionale Anbieter, Ökoanbieter und so weiter. Sparpotenziale seien auch weiterhin vorhanden, sagt Tarifexperte Dodt.

"Rund 80 Prozent der Haushaltskunden nutzen immer noch Tarife ihres lokalen Stadtwerks oder öffentlichen Grundversorgers. Wer sich entscheidet, aus der Grundversorgung zu wechseln und noch nie einen Wechsel vollzogen hat, kann seine Kosten ungefähr um 20 bis 30 Prozent senken. Wenn ein Vier-Personen-Haushalt beispielsweise bis jetzt rund 1000 Euro jährlich bezahlt, so wäre dies eine Ersparnis von bis zu 300 Euro."

Auf der politischen Ebene geht natürlich die Debatte anlässlich der Umlagenerhöhung auch weiter. Als Sündenbock für steigende Stromkosten will die Branche der erneuerbaren Energien natürlich nicht dastehen. Und in der Tat - das sagen fast alle Experten - sei die EEG-Umlage trotz Steigerung auch weiterhin nur ein vergleichsweise geringer Posten, der letztendlich den Strompreis bestimmt. Jörn Mayer ist Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien, er macht vor allem darauf aufmerksam, dass die grünen Strombetreiber etwas für die Gesamtheit leisten würden. Eine saubere Stromproduktion habe auch Vorteile gegenüber herkömmlichen Stromanbietern.

"Das sind Umweltschäden, Klimaschäden, auch Schäden an unserer Gesundheit. Oder denken Sie an die Endlagerfrage für Atommüll - dann ist es auch ein Sicherheitsaspekt. Diese dafür aufgewendeten gesellschaftlichen Kosten ließen sich sicherlich auch in Euro umrechnen, es tut aber keiner der herkömmlichen Stromanbieter. Die erneuerbaren Energien vermeiden viele dieser anderen Kosten. Wir stehen somit viel besser da, als es der Blick auf die Stromrechnung vermuten lässt."

Und für viele Bundesbürger spielen ja auch diese anderen gesamtwirtschaftlichen Aspekte bei der Auswahl des Stromanbieters eine Rolle. Auch gerade angesichts der beschlossenen Verlängerung der Laufzeiten bei Atomkraftwerken. Die Zahl der grünen Stromanbieter und auch deren Kunden wächst, sagt Toptarif-Experte Daniel Dodt.

"Aufgrund dessen sind auch die Preise für Ökostromtarife in den vergangenen Jahren stark gesunken. Es gibt somit kaum noch Unterschiede zwischen regulären und Ökostromtarifen - vielleicht sind sie derzeit noch fünf bis zehn Prozent teurer. Man kann somit auch hier sparen - 10 bis 15 Prozent der jährlichen Kosten."

Der Strom wird somit ab dem nächsten Jahr durch die Erhöhung der Umlage etwas teurer, Sparmöglichkeiten - so die Botschaft von Verbraucherexperten - gebe es für die Kunden aber weiterhin.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk