Kultur heute / Archiv /

 

Pseudo-Wissenschaft und Kunst

Tom Sachs auf Mars-Mission in New York

Von Sacha Verna

Von New York zum Mars: Tom Sachs macht es möglich.
Von New York zum Mars: Tom Sachs macht es möglich. (dradio.de)

Ob NASA oder Prada, ob Kulturgüter, Luxusartikel oder Missgeburten aus dem Hobbykeller: Tom Sachs inszeniert die Konsumkultur als Kindergarten. Er präsentiert Kunst zum Selber- und Mitmachen. Sein neustes Projekt "Space Program: Mars" schickt die Besucher ins All.

Tom Sachs’ erste Mission ins All startete 2007 in einer Galerie in Beverly Hills. Das Ziel war der Mond. Jetzt geht es von der Park Avenue in New York aus auf den Mars. Dazu hat der 45-jährige amerikanische Künstler die Park Avenue Armory, ein ehemaliges Zeughaus, in eine Raumstation auf Erden verwandelt, komplett, mit Abschussrampe, Marsmobil und Popcornmaschine. Vier Wochen lang werden Oberastronaut Sachs und seine dreizehn Assistenten auf Skateboarden und Rädern in der fünftausend Quadratmeter großen Exerzierhalle herumkurven und an den einzelnen Teilen der gigantischen Installation herumfuhrwerken: an den Bildschirmen des Kontrollraums und im Quarantänewagen, sie werden im Bio-Labor die Mohnpflanzen gießen und sich in der Kantine mit Reis und Bohnen versorgen.

Es sei ein Kunstwerk, das die Besucher zur Teilnahme animiere, sagt Anne Pasternak, die das Projekt mitinitiiert hat:

"The idea is that people come in, they watch the films... Die Idee ist, dass die Leute herkommen, sich in dem kleinen Kino Toms Filme wie "Space Camp" anschauen, einen Eignungstest absolvieren und dann zum Beispiel den Boden auf dem Mars wischen oder Schrauben sortieren. ...sweeping Mars or sorting screws on Mars or whatever it maybe."

Die Publikumsteilnahme gehört seit längerem zu Tom Sachs’ Erfolgsrezept. Und das Tüfteln. Denn Tom Sachs hat den schönen Oberflächen mit Leim, Laubsäge und Schaumgummi den Kampf angesagt. Seine Werke nennt er "bricolages", Basteleien, und sich selber einen Bastler. Er hat ein Konzentrationslager aus Verpackungsmaterial von Prada nachgebaut und einen Revolver aus Karton mit dem Logo von Tiffany. Er hat Piet Mondrian und Le Corbusier kopiert, alles unter dem Motto "Do-it-yourself".

In "Space Program: Mars" spielt Tom Sachs unter anderem mit der Spannung zwischen der scheinbaren Perfektion der Wissenschaft und der offensichtlichen Wackeligkeit seiner Raumfahrt-Imitationen.

Dazu Anne Pasternaks Co-Kuratorin Kristy Edmunds:

" Tom Sachs als Pseudowissenschaftler und Künstler teilt mit der Wissenschaft die Freude am Experimentieren. Weder ein Wissenschaftler im Labor noch Tom in seinem Studio wissen, was bei ihrer Arbeit herauskommt. Und beide setzen alles daran, was auch immer sie probieren, einen Schritt weiter zu bringen. Tom ist so sorgfältig und produktiv auf seiner Suche nach Wahrheit mit seinen Skulpturen wie ein Wissenschaftler."

Ob NASA oder Prada, ob Kulturgüter, Luxusartikel oder Missgeburten aus dem Hobbykeller: Tom Sachs inszeniert die Konsumkultur als Kindergarten. Er präsentiert Kunst zum Selber- und Mitmachen, ein Gaudi mit einer Metaphorik so wohlfeil wie die Sonderangebote im Supermarkt.

Info:
Park Avenue Armory: "Tom Sachs – Space Program: Mars". Bis 17. Juni.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Kultur heute

Terry Gilliams Film "The Zero Theorem" Pures Spektakel mit längeren Gedankenspielen

Mitglieder von Monty Python: John Cleese, Terry Gilliam, Terry Jones, Eric Idle und Michael Palin (von links)

Terry Gilliam gehört zu den legendären Monty-Python-Komödianten, aber er ist auch für legendäre Kinofilme wie "Brazil" oder "12 Monkeys" verantwortlich. Sein neues Werk "The Zero Theorem" ist fast ein Kammerspiel mit ebensowenig Personal wie Handlungsorten - dafür protzt es mit bizarren Wortschöpfungen und überbordender Ausstattung.

Peter Doig-Retrospektive Wie die Innendekoration für ein Feinschmeckerlokal

ItalienOpernhäuser in der Krise

Römische Staatsoper: Zuschauer schauen von den Rängen.

Um Italiens Opernhäuser ist es schlecht bestellt: Jahrelanger finanzpolitischer Schlendrian, ein etwa 300 Millionen Euro hoher Schuldenberg, häufig wechselnde Intendanten und Korruption führten zu maßlos überteuerten Produktionen. Die Folge: Immer mehr Dirigenten verlassen die schwer angeschlagenen Theater.

 

Kultur

Londoner Duo "We are shining""Wir wollten uns einfach möglichst individuell ausdrücken"

Im letzten Jahr veröffentlichte das Duo "We are shining" sein Mixtape "Devileye", das bereits Songs des aktuellen Longplayers enthielt: Anderthalb Jahre schraubten Morgan Zarate und Acyde an ihrem Album "Kara". Ein pralles und raues Werk, das Blues und Hip Hop, afrikanische Rhythmen, Gospel, Soul und psychedelischen Rock enthält.

CorsogesprächMithüpf-Garantie für das Party-Proletariat

Die Musiker der Punkrockband "Schmutzki" (v.l) Beat Schmutz (Gitarre), Dany Maier (Bass), Florian Hagmüller (Schlagzeug) stehen am 14.11.2013 in ihrem Probenraum in Stuttgart-Möhringen.

"Backstage", "Disko Diktatur" oder "Krass gut" - so heißen Songs von Schmutzki, einem Stuttgarter Punkrock-Trio. Die Jungs repräsentieren und ironisieren gleichzeitig das wilde Leben als coole Band, spielen mit selbst gelebten Klischees und bieten einen erfrischend melodiösen Punkrock inklusive Mithüpf-Garantie.

Der fünfte BeatleEinsam, depressiv und tablettenabhängig

(L-r) John Lennon, George Harrison, Manager Brian Epstein, Ringo Starr und Paul McCartney relaxen in einer Hotel-Suite während einer Auslandstournee der britischen Popgruppe The Beatles. (Undatierte Aufnahme). Brian Epstein, erfolgreicher Manager der Pilzköpfe, wurde am 19.09.1934 in Liverpool geboren und am 27.08.1967 tot in seiner Wohung in Belgravia in London aufgefunden.

"Wenn es einen fünften Beatle gegeben hat, dann war es Brian Epstein", sagte Paul McCartney einmal. Der tragische Tod von Epstein läutete auch das Ende der Beatles ein. Vor Kurzem ist seine Autobiografie in deutscher Sprache erschienen