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StartseiteDLF-MagazinWas Pegida von Geert Wilders will09.04.2015

RechtspopulistenWas Pegida von Geert Wilders will

Am kommenden Montag wird der Islamfeind Geert Wilders in Dresden während der Pegida-Demonstration auftreten. Die zuletzt schwächelnde Bewegung erhofft sich Auftrieb durch den großen Namen. Doch wer knüpfte den Kontakt zu dem niederländischen Rechtpopulisten?

Von Nadine Lindner

Sie wollen "das Volk" sein: Pegida-Demonstranten am 22. Dezember 2014 in Dresden (dpa / picture alliance / Kay Nietfeld)
Sie wollen "das Volk" sein: Pegida-Demonstranten am 22. Dezember 2014 in Dresden (dpa / picture alliance / Kay Nietfeld)
Weiterführende Information

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Dass es Sympathien vonseiten der Pegida für den Islamfeind Geert Wilders gibt, wurde bereits Anfang Dezember des vergangenen Jahres deutlich. Am kommenden Montag wird er in Dresden auf der Bühne stehen. Warum kommt es eigentlich dazu und wer knüpfte den Kontakt zwischen dem niederländischen Rechtspopulisten und Pegida?

Eine erste Spur: Damals im Dezember hatte bei Pegida ein Gastredner, der sich gern als "Ed der Holländer" vorstellt, am Mikrofon gestanden und über die politische Landschaft in den Niederlanden gesprochen.

"Jeder Fünfte sagt jetzt in der Umfrage, ich wähle Geert Wilders. Und Frau Merkel und Konsorten, wenn sie so weitermachen, dann wählen die Deutschen bald eine neue Partei, mit den gleichen Themen, die es in Holland bereits gibt."

Eine weitere, diesmal direkte Sympathiebekundung folgte am 25. Januar. Wieder vorgetragen von "Ed": "Ich lese gerne einen Gruß vor. Es ist von Geert Wilders. Meine lieben Freunde in Dresden. Es ist wirklich fabelhaft, was in Dresden passiert. Ihr seid nicht allein, ihr seid Teil von etwas ganz Großem." Die Pegida-Anhänger schien dieses Maß an internationaler Beachtung zu freuen. Hat also "Ed, der Holländer" Geert Wilders nach Dresden geholt, im Hintergrund die Strippen gezogen?

Alle Anfragen bleiben unbeantwortet

Ich kontaktiere „Ed" über Facebook. Ed schreibt zurück und will wissen, für welches Medium ich arbeite. Nein, mit dem Deutschlandfunk würde er nicht reden, überhaupt lehne er alle Anfragen von öffentlich-rechtlichen Medien ab. Also weiter: Die Organisatoren der Pegida. Wer von ihnen hat den Kontakt geknüpft? Was erhoffen sie sich eigentlich von Wilders Auftritt? Sie reagieren gar nicht auf meine Anfrage.

Doch es gibt noch eine weitere Spur: das Blog "Politically Incorrect". PI-News, wie es auch genannt wird, gilt als das Zentralorgan der Islamfeinde und Rechtspopulisten in Deutschland. PI-News hat ausführlich über Pegida berichtet und Personen haben an den Kundgebungen teilgenommen. Eine der Führungspersonen, Michael Stürzenberger, wird vom bayerischen Verfassungsschutz beobachtet.

Aber was hat das jetzt mit Pegida und Wilders zu tun?

Der Demonstrationszug von Pegida auf dem Terrassenufer in Dresden, Deutschland.  (imago/Hentschel)Der Demonstrationszug von Pegida auf dem Terrassenufer in Dresden, Deutschland. (imago/Hentschel)Besuch in der Hauptstadtredaktion von DuMont, zu der unter anderem die "Berliner Zeitung" gehört. Hier arbeitet Steven Geyer. Er beobachtet die Arbeit von "Politically Incorrect" schon lange, von einem Insider wurde ihm 2011 der interne Mailverkehr der PI-News zugespielt. Steven Geyer hat für mich noch einmal diesen Mail-Verkehr analysiert und nach den Namen der Pegida-Organisatoren durchsucht. Daraus wird klar: Erste Kontakte zwischen späteren Pegida-Mitgliedern und PI-News gab es bereits 2008. Damals kommentierte Pegida-Gründungsmitglied Siegfried Däbritz unter dem Spitznamen „No Fear" einen PI-Beitrag. Später kontaktierte Däbritz mindestens zwei Mal die Betreiber des Blogs per Mail.

Mittlerweile sind die Bande zwischen Pegida und PI-News eng geknüpft. Das belegt - unter anderem - der gemeinsame Auftritt von Lutz Bachmann und PI-News-Frontmann Michael Stürzenberger am 14. März in Wuppertal.

„Wo sind die Patrioten? – Hier!"

Stürzenberger lobt Vorredner Lutz Bachmann überschwänglich: "Lutz Bachmann. Er hat die Bewegung gegründet. Er hat viel vor in Dresden und deswegen einen Riesen-Applaus für Lutz Bachmann." Und auch im Internet leistet PI-News Schützenhilfe und verlinkt den Demo-Aufruf zu Wilders an prominenter Stelle auf der Homepage. Pegida und PI-News ziehen hier also an einem Strang.

Enge Verbindungen zwischen Wilders und PI-News

Und auch die Verbindungen von PI-News zu Geert Wilders sind eng, sagt Steven Geyer: "Das Führungsteam von Politically Incorrect hat direkte Kontakte zum Geert-Wilders-Büro. Die haben ihn schon sehr früh, als er auch in Holland noch nicht so bekannt war, interviewt." Es liegt also nahe, sagt der Journalist, dass sie Wilders auch nach Dresden geholt haben. Geyer warnt vor dem Einfluss des Blogs: "Ich glaube, Politically Incorrect sät die Saat, die später zur Radikalisierung der Einstellung führt. Das fängt an mit vermeintlich kritischen Fragen zum Islam und zur Asylpolitik. Das ist der Einstieg. Da holt man die Leute ab. Dann beginnt massive Hetze. Da werden Weltsichten radikalisiert."

PI-News, ist mit beiden bestens vernetzt: mit Wilders und mit Pegida. Es könnte also das Scharnier sein, über den der Kontakt lief. Beweisen lässt sich das nicht. Denn PI-News reagiert nicht auf meine Anfrage. Auch das Büro von Geert Wilders, dem ich ebenfalls meine Interview-Fragen geschickt habe, meldet sich nicht zurück.

Wilders hofft auf Anti-Islam-Bewegung in Deutschland

Geert Wilders, niederländischer Politiker, Gründer der "Partei für die Freiheit", der wahrscheinlich bekannteste Islamfeind Europas. Er steht seit 2004 unter Polizeischutz. Was könnte er in Dresden wollen? Cas Mudde wird die Antwort kennen. Mudde forscht seit 1998 zu den Themen-Schwerpunkten Extremismus, Populismus und Islamophobie.

Der niederländische Politiker Geert Wilders vor einem Verkehrsschild (picture-alliance / dpa / Robin Utrecht)Der niederländische Populist Geert Wilders hofft auf eine starke Anti-Islam-Bewegung in Deutschland. (picture-alliance / dpa / Robin Utrecht)"Er sieht Pegida als Anti-Islam-Bewegung. Und das ist natürlich interessant für ihn, wenn sich so etwas im großen Nachbarland Deutschland entwickelt. Mit der NPD kann und will er nicht kooperieren. Deshalb hofft er, dass aus Pegida möglicherweise eine eigene Partei entsteht, die seiner Partei gleicht."

Fazit: Wer genau die Hintermänner sind, die Geert Wilders nach Dresden geholt haben, lässt sich nicht zweifelsfrei ermitteln, denn die Beteiligten schweigen. Doch eins ist klar: Wilders und die Pegida wollen voneinander profitieren. Die zuletzt schwächelnde Pegida erhofft sich Auftrieb durch einen großen Namen. Ein internationales „Line-Up" haben sie es sogar in der Sprache eines Rockfestivals genannt. Und Wilders will seine Fußtruppen der islamfeindlichen Basis in Deutschland vergrößern. Dresden wird jetzt nicht nur Treffpunkt der deutschsprachigen Rechtspopulisten - nun wird es europäisch.

 

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