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Reisenotizen, 13. Tag

Das verschwundene Rind

Von Michael Lange

Vom Aussterben bedroht: Panda im Zoo von San Diego
Vom Aussterben bedroht: Panda im Zoo von San Diego (Michael Lange)

Im weltberühmten Zoo von San Diego soll ein Tier leben, das sich grundsätzlich von allen anderen Zoobewohnern unterscheidet: ein Klon, erzeugt aus der eingefrorenen Körperzelle eines Tieres, das bereits vor 20 Jahren gestorben ist. Der Klon ist ein so genanntes Banteng, ein vom Aussterben bedrohtes Wildrind aus Indonesien.

Auch andere bedrohte Tierarten sollten in den letzten Jahren geklont werden. Die bekanntesten Beispiele sind der Tasmanische Beutelteufel und der Panda. Letzteren brauche ich im Zoo von San Diego nicht lange zu suchen. Überall weisen Schilder den Weg zum Pandagehege. Zurecht haben sich die putzigen Bären zum Publikumsliebling entwickelt. "Die Tiere stammen aus China und sind definitiv nicht geklont", versichert eine Tierpflegerin.

Cool und nass: Flusspferd im Zoo von San DiegoCool und nass: Flusspferd im Zoo von San Diego (Michael Lange)Der Zoo von San Diego ist viel weiträumiger angelegt als vergleichbare europäische Tiergärten. Viele Besucher reisen lieber mit dem Bus oder mit einer Hochbahn durch das Gelände; aber ich entscheide mich für den Fußweg und bereue es nicht. Der Tierpark lässt sich regelrecht erwandern. Die subtropische Pflanzenwelt passt viel besser zu den exotischen Tieren, als die Botanik weiter nördlich gelegener Zoos. Ich bestaune die trägen Flusspferde, die auch nach zehn Minuten unter Wasser immer noch die Luft anhalten können, oder die Erdmännchen, die ständig aufmerksam den Himmel beobachten, als ob sie jeden Moment die Ankunft von Außerirdischen erwarten.


Klone gesucht: Plüschkoalas im Zoo von San DiegoKlone gesucht: Plüschkoalas im Zoo von San Diego (Michael Lange)Fast hätte ich das Banteng vergessen. Aber weder Zooprospekte noch Tierpfleger oder die Studenten am Infostand können mir weiter helfen: "Banteng, das ist doch eine Wildkatze, oder?" Niemand weiß Bescheid. Auch die Zooverwaltung muss schließlich kapitulieren. Ich schließe daraus: Wenn überhaupt, lebt das geklonte Banteng im Zoo von San Diego incognito, unter falschem Namen. Zu guter Letzt entdecke ich doch noch massenhaft geklonte Tiere - im Souvenir-Shop. Als ich vier absolut identische Klon-Koalas im Regal entdecke, mache ich ein Foto. Die Verkäuferin schüttelt den Kopf und lacht: "Draußen haben wir auch echte Tiere." "Ja, aber keine echten Klone!"

Nachdem ich den Zoo verlassen habe, erfahre ich per Email, wo das Banteng sich aufhält. Es lebt in einer Herde Wildrinder im Wild Animal Park außerhalb von San Diego. Dieser Park lässt sich mit dem Auto erkunden. Und kein Besucher kann erkennen, welches der Wildrinder das geklonte Banteng ist.

Hören Sie ergänzend Michael Langes akustische Reiseeindrücke hier oder abonnieren Sie sie als RSS oder Podcast.



Hinweis: Das Ergebnis der Recherche können Sie am 2. und am 9. November, jeweils um 16:30 Uhr, im Deutschlandfunk, "Wissenschaft im Brennpunkt" hören.
02.11.08: Die Stammzell-Pioniere. Zehn Jahre Forschung an embryonalen Stammzellen des Menschen
09.11.08: Die Klon-Cowboys. Dollys Erben im Wilden Westen der USA

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Kloncowboys

Reisenotizen, 20. Tag

Die Skyline von San Francisco.

Stolz hatten mir die Maultierfreunde aus Idaho von ihren Rennsiegen im fernen Kalifornien berichtet. Das geklonte Maultier „Idaho Gem“ hatte hier vor zwei oder drei Jahren einige Siege und zweite Plätze erzielt. Wenn ich nach Kalifornien komme, müsse ich mir unbedingt die Maultierrennen von Stockton ansehen, hatte mir der Maultierbesitzer Don Jacklin aus Post Falls empfohlen.

Reisenotizen, 19. Tag

Golden Gate Brücke führt ins Klonparadies

Gerade bin ich über die Golden Gate Brücke gefahren, und für einen Moment habe ich das wunderbare Panorama genießen können: Rechts die Skyline von San Francisco, links der Pazifik. Da sehe ich im Rückspiegel ein Motorrad mit bunten Lichtern.

Reisenotizen, 18. Tag

Letzte Ruhestätte: Motel am Stadtrand von San Francisco

Es ist noch dunkel. Ich habe Zeit, ein wenig zu dösen. Dann ein schriller Klang. Das Telefon neben dem Bett. „Hallo?“ „Hi Michael, good morning. This is Jennifer. It´s six thirty. This is your wakeup call.“ „Jennifer? Ehem? Danke. Eh, thank you.“