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StartseiteKloncowboysReisenotizen, 5. Tag20.10.2008

Reisenotizen, 5. Tag

Indianerland ohne Indianer

So viel Mais habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen. Ob die Geschäftsidee, ein Labyrinth im Maisfeld anzulegen, auch schon die Farmer von Iowa erreicht hat? Mir kommt das ganze Land vor wie ein riesiger Irrgarten. Ein kilometerlanges Maisfeld sieht aus wie das andere. Immer wieder frage ich mich: "Habe ich diese Farm mit den großen Silotürmen nicht schon vor einer Stunde gesehen? Und diesen Fluss namens Big Sioux habe ich doch schon einmal überquert, oder?"

Von Michael Lange

Gezähmt: Wasserfälle von Sioux Falls, South Dakota (Michael Lange)
Gezähmt: Wasserfälle von Sioux Falls, South Dakota (Michael Lange)

Pionierlager des 21. Jahrhunderts: Das Biotechnologieunternehmen Hematech in Sioux Falls (Michael Lange)Das Biotechnologie-Unternehmen Hematech in Sioux Falls (Michael Lange)Ich verlasse mich auf mein GPS und fahre weiter. An jeder Abbiegung weiß die Stimme im Computer anscheinend genau, wo es hingeht. Wieder ein Stopp-Schild an einer Kreuzung zwischen den Maisfeldern. Von rechts kommt ein Pick-up. Fast jedes dritte Auto scheint hierzulande eine Ladefläche zu besitzen. Ich halte an, um den Kleinlaster passieren zulassen. Der Fahrer stoppt ebenfalls, und nach ein paar Sekunden beginnt er zu hupen. Habe ich Vorfahrt trotz Stop-Schild? An der nächsten Kreuzung passiert das gleiche noch einmal. Mir fällt auf: Alle vier Straßen haben ein Stop-Schild. Niemand hat Vorfahrt, und es gilt auch nicht rechts vor links. Erst als an der dritten Kreuzung mehrere Autos nacheinander eintreffen, wird mir die Regelung klar: Wer zuerst an die Kreuzung gelangt, fährt zuerst. Alle müssen aufpassen, und dann fährt brav einer nach dem anderen. Eigentlich ganz einfach.

Braun und grün: Rinderhaltung in Iowa (Michael Lange)Braun und grün: Rinderhaltung in Iowa (Michael Lange)Das Land wird hügeliger. Sioux City, Sioux Center, Sioux Falls. Es gibt keinen Zweifel, welcher Indianerstamm hier gelebt hat. Aber von den Ureinwohnern entdecke ich nicht die geringste Spur. Oder dort auf dem Hügel am Horizont? Es sieht fast aus wie Indianer auf ihren Pferden in einer endlosen Reihen, wie im Indianerfilm. Doch statt Federschmuck dreht sich etwas. Das sind natürlich keine Indianer. Als ich näher komme, bleibt kein Zweifel: Dutzende Windräder auf einer Hügelkette. Windenergie wird jetzt auch in Iowa genutzt.

Dann erreiche ich South Dakota und Sioux Falls, die größte Stadt des Staates mit über 100 000 Einwohnern. Sie nennt sich selbst die größte Kleinstadt der Welt. Ein Stadtzentrum suche ich vergebens. In der Mitte von Sioux Falls finde ich einen fast menschenleeren Park und die Wasserfälle, die der Stadt den Namen gegeben haben.

Hören Sie ergänzend Michael Langes akustische Reiseeindrücke hier oder abonnieren Sie sie als RSS oder Podcast.



Hinweis: Das Ergebnis der Recherche können Sie am 2. und am 9. November, jeweils um 16:30 Uhr, im Deutschlandfunk, "Wissenschaft im Brennpunkt" hören.
02.11.08: Die Stammzell-Pioniere. Zehn Jahre Forschung an embryonalen Stammzellen des Menschen
09.11.08: Die Klon-Cowboys. Dollys Erben im Wilden Westen der USA

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