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StartseitePISAplusRentier, Eis und Laptop09.02.2008

Rentier, Eis und Laptop

Bildungswege im norwegischen Polargebiet

Viel wird in den nächsten Tagen hier im Deutschlandfunk von Eis und Schnee die Rede sein, aber auch vom veränderten Leben an den Polen in Zeiten des Klimawandels. Bis zum 17. Februar senden wir einen Programmschwerpunkt zum "Internationalen Polarjahr". PISAplus nimmt das zum Anlass, um nach Bildungswegen und Bildungschancen speziell auch von den Ureinwohnern in diesen entfernten Regionen zu fragen.

Von Alexander Budde

Autor Alexander Budde mit Rentier und Eis. Das Laptop steht im Warmen. (Alexander Budde)
Autor Alexander Budde mit Rentier und Eis. Das Laptop steht im Warmen. (Alexander Budde)

Alexander Budde war für PISAplus im norwegischen Polargebiet unterwegs und hat sich dort unterhalten mit samischen Lehrern, Kindergärtnern, Wissenschaftlern und Studierenden.

Marit Oskal Sara, Lehrerin

An diesem Morgen steht Marit Oskal Sara schon in aller Frühe in der Tundra. Die Mittfünzigerin lässt den Blick schweifen über Sträucher und Birken, die vereinzelt aus dem Schnee staken. Im Dämmerlicht des Winters zeichnet sich eine sanfte Hügellandschaft ab. Wir sind irgendwo in der weglosen Wildnis zwischen dem samischen Städtchen Kautokeino und dem finnischen Teil der Finnmark. Auf dem frostkalten Boden liegt ein Leinensack, randvoll mit getrockneten Flechten.

Frühstück für die Rentiere.

Die Tiere schnuppern nervös am Futter, scharren mit den Hufen, doch der Hunger lässt sie alle Scheu vergessen.

Marit Oskal Sara stammt aus einer Nomadenfamilie mit langer Tradition. Sie hält eigene Tiere, doch erlernt hat sie auch den Lehrerberuf. Nach vier Jahren Ausbildung in Tromsø machte sie 1993 ihr Examen. An der samischen Hochschule in Kautokeino vertiefte sie ihre Kenntnisse im Samischen, einer finno-ugrischen Sprache mit zahlreichen Dialekten. Samische Lehrer wurden schon damals händeringend gesucht, erzählt sie. Und mit den Rentieren allein fühlte sich die Mutter zweier erwachsener Kinder nicht ausgelastet. Seit bald drei Jahrzehnten unterrichtet sie an der samischen Schule in Kautokeino das Fach Rentierwirtschaft. Und wann immer möglich, führt sie ihre Schützlinge hinaus zu den Herden. Denn es gibt Dinge, sagt sie, die lassen sich nur hier draußen in der Natur vermitteln. Die kann man nicht im Buch nachlesen.

" Unsere Schüler lernen, die Ausrüstung zu packen und wie man sich in der Wildnis zurecht findet. Sie erfahren, wie sich die Rentiere im Winter verhalten. Und dann bringen wir ihnen bei, eine Herde zu treiben, die Tiere im Feld zu schlachten. Auch gilt es eine Menge samischer Begriffe zu büffeln. Unsere Schule arbeitet eng mit den Zuchtbetrieben zusammen. Denn das sind alles erfahrene Leute hier. "

Freilich mussten auch die Saami mit der Zeit gehen: Die Tierhalter schlafen nicht mehr in der Kote, dem traditionellen Zelt, sondern in Blockhütten. Und sie begleiten ihre Herden nicht mehr auf Hundeschlitten, sondern auf Schneescootern.

" In meiner Generation sind die Rentiernomaden unter sich geblieben. Wir lebten mit unseren Großfamilien im Fjell und hatten nicht so viel Kontakt mit anderen Leuten. Heute sind die jungen Leute alle diese Annehmlichkeiten gewöhnt, wünschen Unterhaltung und wollen eine Menge Geld verdienen. Als Lehrerin versuche ich, ihnen unser überliefertes Wissen zu vermitteln, unsere Werte und unsere Kultur. Wenn du weißt, wer du bist, dann kannst du losziehen und dir die Welt anschauen. "

Auf den Nachwuchs kommt es an. John Mike Eira, der mit seiner Lehrerin losgezogen ist und gerade das mitgeführte Brennholz hackt, weiß schon eine ganze Menge über das Berufsbild des Halbnomaden. Seine drei älteren Brüder führen eigene Zuchtbetriebe. Da muss er zuhause oft mit anpacken.

" Im Frühsommer ziehen die Rentiere an die Küste, um dort ihre Kälber zur Welt zu bringen. Im Herbst beginnt die Brunftzeit, da kehren sie ins Hochland zurück. Wenn es dann im Fjell keine Flechten und Moose mehr für sie gibt, müssen sie auf die Winterweide. Und wir folgen ihnen. So bestimmt der Zyklus der Rentiere auch unser Leben. "

Mar Inga Gaup ist die älteste von vier Geschwistern und mit Rentieren aufgewachsen. Auch viele junge Frauen aus den Züchterfamilien wollen in den Beruf einsteigen, doch die Zeiten sind härter geworden.

" Unsere Wirtschaft braucht sehr viel Platz und nur noch große Herden sind rentabel. Gleichzeitig gibt es viele Ansprüche auf unser Land. Stromleitungen werden verlegt, Freizeithütten gebaut, dazu kommen die Anlagen für die Petroindustrie. Aber ich glaube, die Rentierzucht wird es in aller Ewigkeit geben. Und wer es richtig macht, der kann auch Geld damit verdienen. "

Marit Oskal Sara bahnt sich ihren Weg ins Lehrerzimmer. Bequeme Sofas stehen bereit, die Fenster verhüllen bestickte Gardinen mit Rentiersymbolen, in der Kochecke blubbert eine Kaffeekanne. Im beschaulichen Kautokeino mit seinen gerade einmal 2 000 Einwohnern kennt jeder jeden. Da freut sich Marit Oskal Sara über die Vielfalt im Kollegium. Aus Finnland, Deutschland, Irland und Nigeria hat es Neugierige angezogen, die für ein paar Jahre in Sápmi, dem Land der Saami, unterrichten.

Ein Joik, der traditionelle Sprechgesang der Saami, erinnert an die stolze Tradition des Hauses. Bereits 1952 eingeweiht ist die weiterführende Schule bis heute die einzige Schule Norwegens, die ihren Absolventen eine Ausbildung in samischer Handwerkskunst und Rentierzucht bietet. Die meisten der derzeit 120 Schüler, die bis zur Hochschulreife durchhalten, setzen ihr Studium an der samischen Hochschule im Ort oder an den Universitäten von Alta und Tromsø fort.
Kreuzblende auf

Marit Oskal Sara widmet sich gemeinsam mit ihrem Kollegen Thorbjørn Larsen dem theoretischen Teil der Lehre. Denn der Unterricht wird bilingual und abwechselnd in samischer und norwegischer Sprache abgehalten. Die beiden berichten über Klima, Boden und Futterpflanzen, Subventionsregeln und Schlachtvorschriften. Die Saami sind ein sanftes Volk. Probleme mit randalierenden Zöglingen gehörten an ihrer Schule zur absoluten Ausnahme, erzählt die Lehrerin.

" Wir kommen gut überein, haben denselben kulturellen Hintergrund. In der samischen Welt da hört man mehr auf die Alten. Man hat Respekt. Auch meine Eltern sind mein Ratgeber obwohl ich schon Mutter erwachsener Kinder bin. "

" So ist das bei vielen Urvölkern. Wer will schon, dass jemand hereinkommt und auf den Tisch haut. Niemand will das. In meinem Beruf setze ich auf die gütliche Einigung durch Verhandlungen. Da habe ich gute Erfahrungen mit gemacht. "

Nach zehn Jahren Grundschule folgt für norwegische Schüler eine dreijährige Ausbildung in der oberen Sekundarstufe, die mit einer Qualifikation für die Hochschule oder einer Berufsausbildung abschließt. An der samischen Schule wird ganztägig bis 15:00 Uhr unterrichtet. Neben Rentierwirtschaft und Kunsthandwerk stehen Sozialkunde sowie die klassischen naturwissenschaftlichen Fächer auf dem Stundenplan. Als Sprachen können zusätzlich zum Samischen auch Norwegisch, Russisch, Englisch und sogar Deutsch gewählt werden.

Auch eigene Laptops für die Schüler gehören an den weiterführenden Schulen Norwegens inzwischen zum Standard. Über das Internet wird recherchiert, Hausaufgaben werden zum Teil per E-Mail geschickt, in einem eigenen Portal kommunizieren Lehrer und Schüler auch nach Schulschluss.

Diese Technik-Offensive ist auch eine Lehre aus dem ernüchternden Abschneiden des Landes bei PISA-Studien und anderen internationalen Studien zum Leistungsvergleich. Bei der Lesekompetenz landete Norwegen auf dem 13. Platz, in Mathematik erreichte man Platz 17. Dabei investiert das Land mit über 6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts vergleichbar viel in Schule und Bildung. Olav Sara Nikkinen, Rektor der samischen Schule in Kautokeino, hat seine eigene Theorie, was im fernen Oslo falsch läuft.

" Ich habe den Eindruck, dass wir uns in Norwegen von einer Reform in die nächste stürzen. Das Alte ist noch nicht umgesetzt, da kommt schon wieder Unruhe auf. So ist das in der Politik, man muss immer etwas Neues ausprobieren. Ganz anders in Finnland, wo sie seit 40 Jahren keine Reform mehr hatten. Die leisten sich auch mehr Aufwand bei der Lehrerausbildung dort. "

Wie seine eigene Schule abschneiden würde, wagt der Rektor nicht zu prophezeien. Mit seinen 35 Pädagogen ist Nikkinen auf die Zuwendungen der Regierung in Oslo angewiesen. Lieber wäre es ihm, wenn das samische Parlament, DAS SAMEDIGGI, seine Schule aus dem eigenen Kulturetat finanzieren würde. Das Samediggi wurde 1989 in der Nachbargemeinde Karasjok eröffnet. Es hat keine legislativen Kompetenzen, entscheidet aber selbst über die Verteilung des Kulturetats. Die Volksvertreter seien allerdings schon mit der Ausarbeitung von Lehrmitteln in samischer Sprache überfordert, klagt Nikkinen.

" Unsere Lehrer arbeiten zum Teil mit Schere, Kleber und Kopien um auf Samisch zu unterrichten. Wir haben einige Lehrbücher auf Samisch, aber nur sehr wenige zur Rentierwirtschaft. Auch bei Standardfächern wie Mathematik, Physik und Geographie sieht es finster aus. Wir müssen sehr kreativ sein. Das ist ein finanzielles Problem. Vor allem fehlt der politische Wille, sich zu engagieren. Obwohl unsere samische Sprache in der Verfassung mit dem Norwegischen gleichgestellt ist, vergessen die Politiker in Oslo gern, dass wir zwei Sprachen in Norwegen haben. "

Vor ein paar Jahren noch machte Kautokeino Schlagzeilen mit seiner hohen Arbeitslosigkeit, mit sozialer Verwahrlosung und Alkoholismus. Unter der schleichenden Abwanderung aus dem Norden hatten lange Zeit auch viele samische Gemeinden zu leiden. Die Jungen zogen weg, nach Tromsø, Bergen, Oslo.
Dorthin, wo es Arbeit gibt, Schulen für die Kinder, Kinos, Kneipen. Doch viele Abwanderer kehren inzwischen wieder zurück zu ihren Wurzeln, beobachtet Marit Oskal Sara.
Und sie hat eine schlichte Erklärung für die Heimatliebe ihres Volkes.

" Viele wandern ab in die Mehrheitsgesellschaft aber viele kommen auch zurück zu ihren Wurzeln. Wir Saami leben in einer übersichtlichen Welt. Wir kommen aus großen Familien und es gab immer eine Menge Kinder von meinen Geschwistern und Verwandten im Haus. Die Kinder spüren, dass wir uns kümmern. Insofern ist es vielleicht einfacher für unsere jungen Leute, denn wenn du fällst, dann fällst du nicht so tief. Man fängt dich auf. "




Iver Utsi, Lehrer

Ein Kinofilm lässt derzeit halb Norwegen aufschluchzen. "Kautokeino-opprøret", zu Deutsch "Der Aufstand von Kautokeino" erzählt vom Bekehrungseifer christlicher Missionare und dem Versuch, das Volk der Saami wider Willen unter das nationale Joch zu zwingen. Mit internationaler Starbesetzung, magischen Bildern und viel Fingerspitzengefühl hat Regisseur Nils Gaup die wahre Geschichte einer Rebellion aus dem Jahre 1852 in Szene gesetzt.

Unrecht und Schikanen durch Lehrer und Amtsleute haben viele ältere Saami im Publikum noch am eigenen Leibe erlebt. Kein Wunder, dass bei der feierlichen Premiere in Kautokeino die Nerven blank liegen.

Der Lehrer Iver Utsi hat sich die Sprache seines Volkes mühsam selbst beigebracht. Mit seinen Geschwistern wurde er im Winter 1951 aus der Familie gerissen. In einem Internat weitab von zuhause wollte man die Kleinkinder zu - wie es hieß - guten Norwegern erziehen. Ein Schicksal, das der 64-Jährige mit Tausenden anderer Saami seiner Generation in Norwegen, Schweden und Finnland teilt.

" An meinen ersten Tag im Internat erinnere ich mich, als wäre es gestern gewesen. Bei Strafe war es verboten, samisch zu sprechen. Und ich verstand kein Wort. Wir waren ja im Wald aufgewachsen. In der Schule erklärte man uns, dass unsere Kultur primitiv sei. Dass wir selber klein und schwarz seien. Schläge waren an der Tagesordnung, die Angst unser ständiger Begleiter. Die Lehrer und der Pfarrer herrschten mit Eisenhand. Das war nach dem Krieg. Und diese Internate haben mich später an die Straflager erinnert. "

In Oso absolviert Iver Utsi Ende der Sechziger seine Ausbildung zum Lehrer. Anfangs habe ihn der Wunsch angetrieben, es seinen Peinigern heimzuzahlen, sagt er. Doch in der Finnmark brauchten sie ihn. Iver Utsi studiert in Kautokeino samische Handwerkskunst, paukt im reifen Alter von 50 Jahren die samischen Vokabeln.

Auf dem Papier hat sich schon viel getan für die Saami: Der Erhalt ihrer Kultur ist in Norwegen zum Beispiel gesetzlich festgeschrieben. Im Jahr 1989 wurde in Kautokeino die erste samische Hochschule eröffnet. Dort sind heute 200 Studierende aus Norwegen, Finnland, Schweden und Russland eingeschrieben, die auf samisch Pädagogik oder Journalismus studieren - aber auch Rentierzucht und Kunsthandwerk.

Im Grundkurs von Dujodj führen Iver Utsi und seine Kollegin Gunvor Guttorm in die grundlegenden Techniken ein. Grelles Neonlicht erhellt den Werkstattraum.

Auf einer Kochplatte in der Ecke brodelt eine Suppe aus Birkenrinde und verströmt einen würzigen Duft. Auf dem Tisch liegt ein nasser Haufen frisch gefärbter Rentierhaut und Teile eines Rentiergeweihs. Sara Inga Haetta schnitzt gerade einen Webkamm daraus:

" Was ich hier gerade herstelle heißt auf Samisch juijko, ein kleiner Webkamm. Damit kann man schmale Bänder weben. Gerade steche ich die Löcher, wo die Fäden durchgehen. "

Geschickt meißelt die 20-jährige Studentin mit einem spitzen Stecheisen Löcher in die Webstreben. Sie kommt aus einer Familie, die Rentierzucht betreibt. Sechs Kinder sind sie zu Hause, da muss sie oft mit anfassen. Dujodj sieht sie nicht als Orchideenfach. Sie kann sich vorstellen, später eine eigene Werkstatt aufzumachen oder in der stark wachsenden Tourismusbranche zu arbeiten.

" Das meiste bekommen wir von zu Hause mit, weil wir damit aufwachsen. Als Saami sind wir gewöhnt, mit den Schätzen der Natur sorgsam umzugehen. Das bringen uns unsere Eltern bei. Das sind meine Wurzeln. Aber es ist auch gut, ein Papier in der Hand zu haben, das Schwarz auf Weiß die Ausbildung bescheinigt. Damit kann man später auch mehr verdienen. "

Gunvor Guttorm schaut Sara beim Schnitzen über die Schulter. Dann gibt sie Tipps auf Samisch. Die Lehrerin im blauen Arbeitskittel zeigt ihr, wie sie das Stecheisen richtig ansetzt. Geh sorgsam mit der Natur um, nimm nicht mehr als du brauchst lautet die Devise der samischen Lebensart. Und was du brauchst, findest du in deiner Umgebung, lernen auch die Studierenden:

" Im Herbst sind wir rausgegangen und haben Material in der Natur gesammelt. Wir haben zum Beispiel nach Wurzeln gegraben, denn im ersten Semester geht es um die grundlegenden Naturstoffe. Der Begriff Duodji wird heute vor allem als Bezeichnung des traditionellen samischen Handwerks benutzt. Wenn die Studierenden dann mehr können, können sie ihren eigenen Stil entwickeln. "

Die Saami versuchen, ihre Kultur authentisch zu bewahren. Ohne Klischees, Kitsch und Kommerz. Doch mittlerweile sind alle samischen Dialekte gefährdet - und damit die kulturelle Identität der Minderheit insgesamt, warnt die UNESCO-Kommission. Trotz eigener Schulen, trotz aller öffentlichen Fördergelder für Sprachkurse und Kulturinitiativen. Heute sind es auch nicht mehr die rigiden Integrationsprogramme der Nationalstaaten, die die samische Kultur bedrohen, klagt Iver Utsi. Sondern internationale Fernsehprogramme, die das Bild einer globalen Jugendkultur vermitteln und das traditionelle Erbe untergraben.

" In der Finnmark gibt es nicht mehr viele, die Duodji beherrschen. Und auch die Sprache ist wichtig. Denn im Samischen lässt sich mit wenigen Worten ein ganzes Universum beschreiben. Wenn die Rentierzucht ausstirbt und das alte Handwerk in Vergessenheit gerät, dann wird auch unsere Sprache keine Zukunft haben. "

An der Hochschule könnten sie kaum noch gegensteuern, meint er. Denn wer Duodji wirklich verstehen will, der muss früh anfangen. Iver Utsi fordert den Einsatz qualifizierter Pädagogen und ein größeres Engagement zur Bewahrung der alten Handwerkskunst. Denn der Kampf um die kulturelle Identität seines Volkes müsse schon im Kindergarten beginnen.


Inga Berit Skum, Pädagogin

Der Bálgá barnehage am Morgen: Inga Berit Skum hat alle Hände voll zu tun. Überall in dem flachen Holzbau wuseln Kleinkinder herum - und brauchen Socken, Schneestiefel, Daunenjacken, Schals, Handschuhe. Denn heute macht der Kindergarten einen Ausflug in die Tundra.

Der Schneepflug räumt schon mal die Straße frei. Große Aufregung bei der vierjährigen Inga Marja: Sie sollte den Fotoapparat mitnehmen. Und den hat sie vergessen.

Der Bus kommt. Fattis, der Chauffeur, verstaut Frauen, Kinder, Reporter, Schlitten, Brennholz und Fischernetze. Dann fährt er los.

Es geht nach Norden, über vereiste Pisten, vorbei an Felsen und verschneiten Fichten. Ab und an laufen Rentiere über die Straße. Fattis tritt lässig aufs Bremspedal. Er kennt hier jeden Stock und jeden Stein. Die letzten Meter zum See rumpelt er durch die weglose Wildnis.

Es geht nur noch zu Fuß weiter: Die Kinder laufen voraus, die Frauen mit Schlitten, Feuerholz und Proviant hinterher. Im fahlen Licht des Winters ist schließlich der See auszumachen. Das Eis funkelt, kein Laut weit und breit.

Isakan Hetta hat in der Nacht die Netze ausgelegt, legt mit dem langen Holzstichel das zugefrorene Eisloch frei. Das Lernziel heute: Fischen im Eis.

Isakan Hetta, der Lehrmeister, zieht einen glitschigen Fisch nach dem anderen aus dem Eisloch. Wie heißen die auf Samisch?, fragt er die Kinder.

" Njaka! Fünf Stück habe ich gezählt. Ein paar sind klein und einige sind ganz groß. "

Die kleine Inga Marja ist ganz begeistert von dem Fang. Doch Isakan hat sich mehr erhofft.

" Allzu viele haben nicht angebissen. Aber das Lernziel ist erreicht: Die Kinder wissen jetzt, dass der Fisch unter dem Eis wohnt. Ich selbst habe das Fischen von meinem Vater gelernt. Und der wieder von seinem Vater. Das geht von einer Generation zur nächsten. "

Die Kinder und Kindeskinder der Saami sprechen wieder ihre Sprache, singen die alten Lieder und erfahren spielerisch alles, was man zum Überleben in der Tundra wissen muss.

" Schauen Sie, die Kinder hier sind gerade einmal vier Jahre alt. Und können doch eine ganze Menge lernen. Und auch ich habe meine Freude daran. Wir fischen im Sommer und im Winter, mit dem Netz und mit der Leine. "


Wie in Norwegen üblich, hat die Erzieherin Inga Berit Skum eine akademische Ausbildung. 1980 machte sie ihren Abschluss in Pädagogik, absolvierte in Kautokeino eine Weiterbildung für Führungsaufgaben. Sie betreut derzeit 12 Kinder. Alle kamen schon mit einem Jahr in den Kindergarten und werden sowohl in samischer als auch norwegischer Sprache betreut . Lernziele werden vom Staat vorgegeben. Neben Gesundheit und Bewegung soll unter anderem das Verständnis der Kinder für gesellschaftliche und soziale Zusammenhänge geweckt werden und auch das Interesse für Natur und Technik. Die regelmäßigen Ausflüge in die Wildnis sind eine Besonderheit der samischen Pädagogik, sagt Inga Berit Skum.

" Die Kinder erleben bei uns alles, was mit der samischen Kultur zusammengehört: Wie man Rentiere pflegt, Fische fängt, einen Hof betreibt. Sie kommen mit einem Jahr zu uns und sind überall dabei. Die kennen die Namen von all den Fischen hier im See! "

Nach einer Stunde sind die Fische gefroren, die Finger klamm vor Kälte. Das Feuer in der Kote, dem traditionellen Zelt der Nomaden, wirkt Wunder. Inga Berit Skum und die Kinder sitzen auf dem Rentierfell.

Inga Marja schlägt die Zaubertrommel und singt das Lied vom Elefanten und dem Krokodil zu Besuch in der Tundra. Dann gibt es für die Großen Kaffee und Brote, die Kinder braten sich Würste in den Flammen.

Es war ein langer und ein schöner Tag auf dem Eis.


Inga Marie Eira und Svein Mathiesen

In der Sprache der Saami gibt es hunderte Begriffe für Schnee. Doch mit den Feinheiten ihres analytischen Vokabulars ist die moderne Wissenschaft kaum vertraut. Inga Marie Eira will das ändern. Mit ihren Studierenden von der samischen Hochschule in Kautokeino streift die Doktorandin durch die Wildnis, platziert Messgeräte, rückt den alten Leuten mit Videokamera und Tonbandgerät zu Leibe. Tradition und Wissenschaft: Die Forscherin ist überzeugt, dass diese Kombination zu einem tieferen Verständnis des Klimawandels in der Arktis beitragen wird.

" Samische Rentierzüchter kennen sich unglaublich gut mit Schnee aus. Die brauchen dafür kein Studium. Sie können den Schnee sehr einfach charakterisieren und herausfinden, ob eine Erscheinungsform gut für ihre Tiere ist oder Unheil erwarten lässt. Sie wissen viel über Wetterphänomene, wie das Wetter wechselt und wohin sie ihre Herde führen müssen. Nomaden sind insofern auch wahre Meister der Anpassung. Vorausschauendes, strategisches Denken ist gefragt, damit es immer genug Futter gibt und die Tiere überleben. "

Inga Marie Eira und ihre Kollegen von der samischen Hochschule in Kautokeino residieren in einem Holzhaus auf einem Hügel hoch über dem Städtchen.

Die Mittvierzigerin führt in ihre Forscherklause, zieht sich Mütze, Winterjacke und Handschuhe aus. In der Ecke der Schreibtisch. Das blaue Licht des Flachbildschirms beleuchtet ein Chaos aus Ordnern, Fotos, Dokumenten. An den Wänden: Diagramme und Tabellen mit Wetterdaten. Eine Landkarte, die Standorte der Messstationen mit gelben Fähnchen markiert. Und ein Foto: Inga Marie mit einem alten Mann in Samentracht, die Mütze tief ins verwitterte Gesicht gezogen.

" Das ist mein Informant. Er ist 90 Jahre alt, fährt den Scooter noch selbst und erinnert sich genau, wann schlechtes Wetter war. Das nennt man Krisenjahr, dann hat man Verluste. Er weiß das alles. Er ist mein Lexikon. "

Inga Marie Eira trifft sich häufig mit dem betagten Rentierzüchter. Sie trinken Kaffee in der Kote, reden samisch und ab und an löchert sie den Alten mit ihren Fragen zu den Schneeverhältnissen und zu den Weidegründen. Denn dem geübten Auge kann eine Schneeflocke viel verraten. Aus der Form der Eiskristalle schließen Wissenschaftler auf Temperatur und Feuchtigkeit der Wolken. Wann und wo genau fällt der Schnee im Winterhalbjahr? Antworten darauf erhofft sich Inga Marie Eira auch von den elektronischen Sonden, so genannten Thermochronen, die sie an sechs ausgewählten Standorten in der Eiswüste des Hochlands platziert hat. Bei ihrem Forschungsprojekt wird sie von erfahrenen Rentierzüchtern unterstützt aber auch von der US-Weltraumbehörde NASA.

" Die NASA versteht was von Technologie. Die wissen, wie man die Temperaturen im Schnee messen kann, welche Messinstrumente man braucht. Ich programmiere die Thermochronen so, dass sie alle vier Stunden die Temperatur messen, in der Luft und auch in den tieferen Lagen des Schnees. "

Von Hause aus ist Inga Marie Eira eigentlich Linguistin. Doch nach intensiver Schulung unter anderem bei der Ikone der modernen Schneeforschung, dem Astrophysiker Peter Wasilewski, weiß sie über die Veränderungen im Eis gut Bescheid.

" Hier habe ich einen Schneetyp aufgezeichnet, der im Winter recht häufig in unseren Breiten anzutreffen ist. Sie sehen, dass der Schnee eigentlich drei Schichten hat. Die unterste Lage, eine Eisschicht und die oberste Lage.

In meiner Sprache heißt die unterste Schicht seaaš. Die Schneekristalle sind sehr groß und enthalten sehr viel Wasser. Die mittlere Lage, geardni, besteht aus rund einem Zentimeter starkem Eis. Und die oberste Lage, die ist 10 bis 12 Zentimeter stark, da gibt es nicht so viel Eis, aber auch die Feuchtigkeit ist geringer. Das ist vahca, der Neuschnee. "

Von oben nach unten kann die Temperatur der verschiedenen Schichten um 25 bis 30 Grad zunehmen. So werden Moose und Flechten, die Winternahrung der Rentiere, unter ihrer Decke aus Eis und Schnee angenehm temperiert und frisch gehalten. Im eiskalten Wind der Tundra wirken die Gedanken an den Klimawandel weit hergeholt. Doch die globale Erwärmung ist für die Urbevölkerung des Nordens keine bloße Theorie mehr. Sie ist längst zum Alltag geworden, bestätigt die Forscherin. Alles sei dramatisch im Wandel.

" Wir sehen ganz klar, dass die Variationen bei den Temperaturen zunehmen. Früher konnten es in dieser Jahrszeit minus 40 Grad sein. Und minus 40 ist richtig gut für die Schneeverhältnisse, denn das macht den Schnee weicher. Gibt es Variationen mit Niederschlägen bei Plusgraden oder um den Gefrierpunkt, dann ist das schlecht für Mensch und Tier. Beim Übergang von der milden Periode zum Frost bildet sich undurchdringliches Eis unter dem Schnee. Wir müssen uns die Winterweide wie einen gewaltigen Kühlschrank vorstellen: Du hast einen Kühlschrank und eine Menge guter Nahrung darin. Und plötzlich kommt einer und sperrt den Kühlschrank mit einem Vorhängeschloss zu. Du weißt, du musst da ran, aber du schaffst es nicht. Weil er verschlossen ist. "

Das Projekt, an dem sie arbeitet, heißt Eálat. Samisch für "guter Weidegrund", im übertragenen Sinne aber auch "Zukunft" oder schlicht "Leben". Koordiniert wird es von der samischen Hochschule und dem Weltverband der Rentierzüchter. Erstmals überhaupt soll die Fachsprache der Saami dokumentiert und eine wissenschaftliche Systematik der Terminologie erstellt werden. Die Linguistin steht vor einer gewaltigen Aufgabe, denn Inga Marie Eira und ihre Kollegen aus Kautokeino wollen auch die Frage nach früheren Erfahrungen mit dem Wetterwandel und bereits erprobten Anpassungsstrategien aufwerfen. Die NASA und andere schwergewichtige Partner hoffen auf reichhaltige Datenausbeute durch die gesammelten Proben. Auch die Urvölker übrigens versprechen sich vom Polarjahr mehr Einfluss in wissenschaftlichen Gremien, eine Aufwertung ihrer wissenschaftlichen Institutionen und nicht zuletzt eine größere Mitsprache bei der Verwaltung der Arktis.

Am Mittag sitzt Inga Marie Eira im voll besetzten Seminarraum der Hochschule und lauscht den Ausführungen ihres Kollegen Svein Mathiesen. Der Kurs für angehende Rentierzüchter lockt vor allem junge Frauen. Zwar ist die Arbeit mit den Tieren noch immer ein Knochenjob, doch moderne Technik hat längst Einzug gehalten. Mit Funksendern und Satellitenpeilung lassen sich heute ganz Herden navigieren.

Der Computer hilft bei der Buchhaltung und wird auch bei der Ausbildung eingesetzt, betont Dozent Mathiesen nicht ohne Stolz.

" Eine Herausforderung besteht darin, die Jungs zu einer soliden Ausbildung zu bewegen. Die Mädels qualifizieren sich aber die Jungs ziehen lieber mit den Herden. Deshalb wollen wir eine Internetverbindung aufbauen nach draußen in die Tundra, da wo die jungen Männer sind. Learning by herding" haben wir unseren Kurs genannt. Und da wollen wir biologisches Schulwissen mit dem eigenen traditionellen Wissen der Züchter in Einklang bringen. Wir wollen unseren Studierenden beibringen, beides zu nutzen. Im Kurs werden sowohl Biologielehrer als auch Rentierzüchter auftreten. Und die Züchter sind bei der Auswahl der Prüfungsthemen dabei. Wir greifen verschiedene Themen auf, zum Beispiel das Ren und sein Verbreitungsgebiet. Wissen Sie, wie alt das Ren ist? 15 Millionen Jahre, nicht wahr! Und wo stammt es her? Um solche Dinge geht es. "

Mathiesen, wortgewaltig und auch körperlich eine bullige Erscheinung, erzählt den Studierenden vom ICC-Bericht der Vereinten Nationen zum Klimawandel und von eigenen Beobachtungen. Die Erwärmung des Meeres lässt in Zukunft mehr Schnee im Hochland erwarten, der Winterfrost aber bleibt aus. Die ersten Pioniere bislang unbekannter Tier- und Pflanzenarten richten sich in der auftauenden Arktis ein. In der Tundra wächst Wald, wo es früher keinen Wald gab.

" Was die Zukunft bringt, darüber wissen wir nicht viel. Aber wir sehen, dass die Anzahl der schneefreien Tage zunimmt. Die Sommersaison wird länger und die Flüsse frieren im Herbst später zu. In der Finnmark tummelt sich Rotwild, am Nordkap wurden Elche gesichtet. Die größte Gefahr für die Rentierzucht ist aber die menschliche Aktivität, die der Erwärmung der Nordgebiete folgt. Öl, Gas und Minerale sind die Interessen der europäischen Gesellschaften und wir spüren den enormen Druck, der auf uns lastet. "


Trond Jørgensen, Professor, und Jarle Aarbakke, Rektor

Tromsø lässt den Winter leuchten: 10 000 Studierende bevölkern die nördlichste Universitätsstadt der Welt und machen die Nacht zum Tage. Die Literatur-Studentin Katinka Jenssen sitzt im angesagten Club "Driv" auf einer Sofaecke unter mächtigen Holzbalken, den Laptop auf den Knien, das Bierglas vor der Nase.

" Mich hat es aus Kristiansand in Südnorwegen hierher in die Arktis verschlagen. Ich hatte keine Ahnung, worauf ich mich da einlasse. Tromsø, das war weit weg im Norden: Nordlicht und Finsternis. Das hat mich fasziniert. Und es gefällt mir, denn für junge Leute ist hier oben erstaunlich viel los: Es gibt Ausstellungen und Konzerte. Und Kneipen wie diese, wo ich lesen und an meiner Seminararbeit schreiben kann. "

Als die Universität in den siebziger Jahren gegründet wurde, hielten viele Wissenschaftler aus den etablierten Forschungszentren des Südens das damals noch für eine Schnapsidee. Doch die Einrichtung war ein Erfolg. Institutionen wie das Polarinstitut, das Roald Amundsen Zentrum für Arktisforschung, die Fischereihochschule sowie der Schwerpunkt Telemedizin an der Medizinischen Fakultät machten die Stadt zu einem Zentrum der Polarregion.

Auch Jarle Aarbakke, Rektor der Universität Tromsø , kam 1976 als junger Wissenschaftler aus Bergen in die Nordprovinz, wo er an Leberzellen forschte. Wenn er erklären soll, warum er trotz vieler Angebote in all den Jahren die Stellung hielt, dann tritt er an das breite Panoramafenster seines Rektorenzimmers und weist auf die schneebedeckten Gipfel am anderen Ufer des Fjords.

" Dort oben stand ich mit meinen Skiern. Und wusste: Hier will ich sein. Ein so junges, kreatives Umfeld in atemberaubender Natur, das ist schon ziemlich einzigartig. "

Aarbakke hat die Regierung in Oslo bei der Ausarbeitung einer Strategie für den hohen Norden beraten. Er warnt ausdrücklich davor, bei der regionalen Entwicklung nur auf fossile Rohstoffe zu setzen. Denn die Petroindustrie schaffe nur wenige und selten dauerhafte Arbeitsplätze, sagt er:

" Öl und Gas sind sicher eine treibende Kraft hinter der Entwicklung der Polarregion. Aber irgendwann ist auch diese Epoche vorbei. Was bleibt, sind das Meer, die Berge und unsere klugen Köpfe hier. Fischereiforschung, Umwelttechnik, Bio- und Nanotechnologie, das wird die Zukunft sein. "

Tintenfische, Seegurken, Krabben - bizarre Lebensformen haben Professor Trond Jørgensen und seine Kollegen von der Fischereihochschule in Tromsø aus der Tiefsee vor Spitzbergen gefischt. Tiefgekühlt und in luftdichte Gefäße verpackt lagert das Material in einer Biobank. In den Kältezonen des Meers verbirgt sich eine Vielzahl von Lebewesen, deren Nutzbarkeit für die Biotechnologie noch kaum erforscht ist, begeistert sich Jørgensen.

" Es ist faszinierend, wie sich die Arten in Millionen Jahren entwickelt haben. Seeanemonen zum Beispiel haben einen Leim um Beutetiere festzuhalten, Toxine lähmen das Opfer, auch Cytostatika und Zellgifte kommen zum Einsatz. Das ist eine chemische Strategie, die sich auf verschiednen Ebenen abspielt. Und für uns Menschen ist es besonders spannend, weil wir uns im Zusammenspiel mit diesen Organismen entwickelt haben. "

"Bioprospektierung" heißt sein Forschungsgebiet. Vereinfacht gesagt geht es um Ideenklau in der Natur: Jørgensen und seine Kollegen durchsuchen Flora und Fauna im Eismeer nach unbekannten Stoffen mit interessanten Eigenschaften. Die werden, falls sich eine Anwendung finden lässt, später von der Industrie synthetisch hergestellt. Bislang haben deutsche Forscher in dieser Disziplin die Nase vorn.

Doch Jørgensen will aufholen. Sein Zentrum für Bioprospektierung erhält kräftige Zuschüsse aus einem neuen Regierungsprogramm zur Innovationsförderung.

Besonders stolz sind die Norweger auf ein Enzym, das sie in Dorschen entdeckt haben. Mit enormer Geschwindigkeit flitzt es den DNA-Strang entlang und behebt Schäden in der Erbinformation der Fische. Die hohe Bioaktivität mariner Organismen lässt sich vielfach nutzen, vermutet Jørgensen: In der Lebensmittelproduktion, für Waschmittel und Kosmetika.

Auch die Pharma-Branche ist interessiert. Die Mikrobiologin Jeanette Andersson untersucht, wie die gesammelten Substanzen auf Krebszellen einwirken.

" Der Roboterarm führt die Analysen für uns aus, um Zeit zu sparen. Wir bekommen die Extrakte als Pulver, züchten die Zellen und setzen dann den Teststoff zu. Wenn man Glück hat findet man die Nadel im Heuhaufen. Sonst muss man tausende Versuche machen. "

Die Analyse der Moleküle wäre ohne die enge Zusammenarbeit mit der Universität Tromsø und ihren Forschungslaboratorien kaum möglich, sagt Jørgensen.

Und der Mediziner, der zuvor schon in Schweden und den USA forschte, sieht noch weitere Standortvorteile am Nordpol.

" Wir leben weit ab vom Rest der Welt aber nah an den Ressourcen, die wir erforschen. Unsere Schiffe müssen nicht so weit hinausfahren, um Proben zu sammeln. Auch die Rekrutierung von klugen Leuten ist kein Problem. Obwohl die Stadt wegen ihrer Lage als exotisch gilt, leben hier Zugewanderte aus 112 Nationen. Allein in der Meeresforschung arbeiten mehrere hundert Wissenschaftler. Es ist überaus inspirierend, wenn man 65.000 Einwohner hat und die Forschung eine so wichtige Rolle einnimmt. "

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