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StartseiteSport am WochenendeRoberto Duráns letzter Kampf28.01.2012

Roberto Duráns letzter Kampf

Der Boxer, seine Mama, vier WM-Gürtel und ein Restaurant

Manos de Piedra nannten sie ihn: Hände aus Stein, weil er rechts wie links gleich hart zuschlagen konnte. Roberto Durán aus Panama war Boxweltmeister in vier Gewichtsklassen. Jetzt hat er ein Lokal in Panama City eröffnet: ein Schrein seiner Erfolge.

Von Michael Marek und Sven Weniger

Werbetafel für Roberto Duráns Tasca in Panama-City. (Michael Marek/Sven Weniger)
Werbetafel für Roberto Duráns Tasca in Panama-City. (Michael Marek/Sven Weniger)

"Als ich Profiboxer war, fiel den Leuten besonders auf, dass ich mit Rechts wie Links die Gegner umhauen konnte. Und dann war es ein bekannter Journalist, der mir den Spitznamen Manos de Piedra gab, Hände aus Stein, weil ich eben mit beiden Fäusten gleich hart zuschlug."

Früher hätte er nicht lange gefackelt. Er hätte die Rechte herausgeholt und zugelangt. Heute fingert Roberto Durán sein Handy aus der Hosentasche und ruft seinen Manager in Miami an. Es geht nicht mehr um er oder ich, sondern um das für und wider.

Roberto Durán aus Panama war Boxweltmeister in vier Gewichtsklassen. (Michael Marek/Sven Weniger)Durán war Boxweltmeister in vier Gewichtsklassen. (Michael Marek/Sven Weniger)Denn der 1951 in Panama geborene Champion im Leicht-, Welter-, Halbmittel- und Mittelgewicht ist unter die Geschäftsleute gegangen: Panamas Box-Idol hat eine Tasca, ein Restaurant in Panama-Stadt eröffnet.

Wer dort mit Durán über seine große Zeit zwischen 1970 und 1990 sprechen will, der trifft einen Zauderer und begnadeten Werbestrategen in eigener Sache:

"So wie das Boxen heute ist, mit all den konkurrierenden Verbänden, kann jedermann sieben, acht Titel gewinnen. Das ist lächerlich. Zu meiner Zeit war das unmöglich. Da musste ich mich durch vier Gewichtsklassen hochboxen, um meine vier WM-Gürtel zu erkämpfen. Damals waren wir Wölfe, wie wir in Panama sagen, unbändig und wild."

Roberto Durán ist eine Legende. Er hat sie alle vor den Fäusten gehabt, die Großen seiner Zunft. Er hat Sugar Ray Leonard verprügelt, 15 Runden auf Marvin Hagler eingedroschen und Iren Barkley zu Boden gestreckt.

Sein hartes Kinn und seine Nehmerqualitäten waren berühmt, seine boxerischen Fähigkeiten wurden häufig unterschätzt. Seit 2007 prangt Roberto Duráns Porträt in der Boxing Hall of Fame. Bis heute ist er der einzige Boxer, der in fünf verschiedenen Jahrzehnten gekämpft hat.

Seine Kämpfe 1980 gegen den US-amerikanischen Olympiasieger und Medienliebling Sugar Ray Leonard zählen unter Boxhistorikern zu den spektakulärsten des 20. Jahrhunderts:

"Im ersten Kampf war ich in perfekter Form. Meine Trainer hatten mir gesagt, Leonard sei ein Schwarzer aus New York und superschnell auf den Füßen. Aber ich wusste, der Schnellste, das bin ich. Und ich gewann! Beim Rückkampf war ich dann zu dick. Ich musste zu viel Gewicht abkochen, dadurch hatte ich Bauchschmerzen, war nicht fit, und musste aufgeben. Und Leonard gewann. Viele Panameños dachten damals, ich sei am Ende. Aber ich kam zurück, so dass den Leuten und der Presse die Kinnlade runterfiel. Ich hab dann noch zwei weitere Gürtel gewonnen. Die liegen jetzt im Safe meines Managers in Miami."

Von 120 Profikämpfen gewann Durán 104, 70 Mal wurden seine Gegner ausgezählt. Das "Caesars Palace" in Las Vegas und der Madison Square Garden in New York waren sein Wohnzimmer - zumindest sportlich gesehen. Bis 2001 stand Roberto Durán im Ring, da war er bereits 50. Boxen war sein Leben. Ein echter "punch drunk", wie es unter Boxern heißt:

"Die Klitschko-Brüder. Ich hab sie gesehen, als ich in Europa war. Es gibt da ja im Moment niemanden im Schwergewicht außer ihnen. Ja, die sind klasse, richtig gut!"

1984 hatte Durán sogar eine eigene CD aufgenommen - mit einer unbekannten Latino-Band und der Felsenfaust als Salsa-Sänger.

Heute ist Roberto Duráns Wohnzimmer seine Tasca. Hier fühlt er sich sichtlich wohl. Er singt hin und wieder, längst hat er vergessen, dass er eigentlich kein Interview geben wollte. Er plaudert von den Millionen, die er verdient und wieder verloren hat: "Ich hab´ alles gehabt, war reich und wieder pleite. Mich kann nichts mehr erschüttern", sagt er.

Vielleicht liegt es daran, dass er aus einer sehr armen Familie ohne Bildung kommt, vielleicht auch daran, dass er in seiner Karriere nicht nur viel ausgeteilt, sondern auch viel eingesteckt hat:

"Das Größte für mich war, als ich meiner Mama das erste Haus geschenkt hatte. Wir waren so arm, und sie wollte immer, dass ich Boxer werde. Und als ich dann soviel Geld hatte, um ihr ein Haus zu kaufen, war das mein größtes Glück."

Eingang zu Roberto Duráns Tasca in Panama-City. (Michael Marek/Sven Weniger)Eingang zu Roberto Duráns Tasca in Panama-City. (Michael Marek/Sven Weniger)Im Restaurant ist es dunkel und laut. Das liegt auch an den großen Flachbildfernsehern, über die Robertos Titelkämpfe im O-Ton flimmern. Der Champ von blutjung bis angejahrt, mit und ohne Bart, immer ein Wühler, ein Fighter, der sich in seine Rivalen verbiss, sie gnadenlos zermürbte und schließlich ausknockte.

Auf der Mattscheibe fallen die Gegner wie Fliegen. Sein Porträt ist allgegenwärtig und immer nach dem gleichen Muster arrangiert: links Roberto, daneben ein lächelnder und händeschüttelnder Star. Frank Sinatra, Sylvester Stallone, Nelson Mandela. Wessen Glanz hier auf wen fällt oder fallen soll, das lässt sich nicht eindeutig sagen.

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