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StartseiteCorsoVom Sanierungsfall zum Kunsthaus12.04.2018

Robotron-Kantine in DresdenVom Sanierungsfall zum Kunsthaus

Die Zukunft der Robotron-Kantine ist ungewiss. Nun hat die Leiterin des Kunsthauses Dresden Christiane Mennicke-Schwarz eine eigene Initiative vorgestellt. Die Zielgruppe sei nicht die Kulturelite, sagte sie im Dlf: "Es geht uns um den Dialog."

Christiane Mennicke-Schwarz im Corsogespräch

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Das Werksgelände des Robotron-Kombinats in Dresden im Jahr 1994  (Picture Alliance / Thomas Lehmann)
Das Werksgelände des Robotron-Kombinats kurz nach der Wende - in der Kantine könnte ein Kunstort entstehen (Picture Alliance / Thomas Lehmann)
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Christoph Reimann: Sie ist ein Stück DDR-Geschichte, die alte Robotron-Kantine in Dresden, zentral gelegen zwischen Hygienemuseum und Rathaus. Und dieses Gebäude soll wieder zum Leben erwachen. Aber wie? Als Ort für Kunst und Kreative? Als Zukunftslabor für Wissenschaftler? Ein Vorschlag kommt jetzt von Christiane Mennicke-Schwarz. Sie ist Leiterin des Kunsthauses Dresden. Hallo.

Christiane Mennicke-Schwarz: Hallo, guten Tag.

Kunstgeschichte vor und nach '89

Reimann: Frau Mennicke-Schwarz, wenn es nach Ihnen geht, wird der alte Pavillonbau zum neuen Kunsthaus. Weshalb der Umzug?

Mennicke-Schwarz: Der Umzug hat ganz viele Hintergründe. Natürlich ist es in erster Linie das unglaubliche Potenzial, was wir mit diesem wunderbaren Bau, diesem typischen Pavillonbau der Nachkriegsmoderne da im Herzen der Stadt haben, unmittelbar neben dem Hygienemuseum. Ein weiterer Aspekt ist, dass in diesem Gebäude sich noch Bestand findet, der ganz typisch für die Bauzeit ist: nämlich von Künstlern entwickelte Raumkonzeptionen, baubezogene Kunst. Und das hat uns dazu bewogen, eine Konzeption zu entwickeln, in der wir Kunstgeschichte vor und nach '89 miteinander verbinden können.

Reimann: Mit zeitgenössischer Kunst?

Mennicke-Schwarz: Mit zeitgenössischer Kunst, mit lebendigen Formaten der Arbeit auch mit der unmittelbaren Umgebung, mit den Grünflächen, die es dort gibt, aber auch mit der neuen Bewohnerschaft, die sich dort entwickeln wird. Denn es wird dort auch ein ganz neues Stadtviertel gebaut.

Das "Future Memory Lab"

Reimann: "Weltoffenes Dresden" - unter diesem Namen haben Sie 2015 ein Straßenfestival ins Leben gerufen. Es war Ihnen ein persönliches Anliegen, dem Pegida-Dresden – die Bilder kennt man - etwas entgegenzusetzen. Im Deutschlandfunk sagten Sie damals, man müsse raus aus den Institutionen und rauf auf die Straße. Aber wäre die Kunsthalle in der Robotron-Kantine nicht doch wieder ein elitärer, abgekapselter Raum, der Weltoffenheit vorgibt, aber doch nur von bestimmten Kreisen besucht wird?

Mennicke-Schwarz: Ah, das glaube ich ganz und gar nicht, denn das, was dieses Gebäude auszeichnet, ist eine unglaubliche Transparenz – es hat schon in sich die Geschichte der Stadt, die Brüche auch der Stadt trägt es in sich. Und es hat eine unglaublich große Zugänglichkeit über die große Terrasse, über dieses Sich-Öffnen eigentlich in den Stadtraum. Was wir dort aber planen, ist natürlich keine reine elitäre Kunstausstellung, sondern es geht uns eigentlich gerade um die Stadtgesellschaft und um den Dialog. Unter anderem soll es dort einen Raum für Bildung geben, kulturelle Bildung, die wir seit Jahren machen, sichtbar machen – als Experiment, als Arbeit mit jungen und auch älteren Menschen. Das andere, was wir planen, was uns ein großes Anliegen ist, ist ein Projekt, das nennen wir "Future Memory Lab – Geschichte als demokratische Beziehungsarbeit". Da sollen Künstler mit unterschiedlichen Gruppen aus der Bürgerschaft über Geschichte verhandeln, diese Verhandlungsprozesse auch sichtbar machen. Und ich glaube, das ist ein ganz, ganz wichtiges Thema für Dresden, denn diese Vergangenheitsarbeit, die steckt auch im Hintergrund dieses Festivals "Weltoffenes Dresden", die beschäftigt uns sehr - und das ist eine große Frage für die Zukunft.

Letztlich entscheidet der Stadtrat

Reimann: Jetzt haben Sie gerade "Future Memory Lab" gesagt: Das hört sich so ein bisschen an wie der Vorschlag des Branchenverbands der Dresdener Kultur- und Kreativwirtschaft "Wir gestalten Dresden". Die haben nämlich auch eine Idee, was man anfangen könnte mit diesem Pavillongebäude – die wollen da nämlich ein "Open Future Lab" einrichten, wo dann Wissenschaftler und Kreative sich mit Zukunftsfragen auseinandersetzen. Wäre denn mit Ihrem Vorschlag dieses "Open Future Lab" vom Tisch?

Mennicke-Schwarz: Na, ich glaube, das ist sehr interessant, dass es diese zwei Vorschläge gerade gibt, weil das zeigt, dass es einen großen Bedarf gibt, diesen Raum eigentlich für die Stadtgesellschaft zu öffnen und auch genau an dieses Scharnier ranzugehen, wo …

Reimann: Aber sind das denn zwei konkurrierende Vorschläge, oder arbeiten Sie zusammen?

Mennicke-Schwarz: Das sind derzeit zwei - sagen wir mal: im Dialog entwickelte – Vorschläge. Das hat sehr damit zu tun, wie viele Mittel auch die Stadt in die Hand nehmen möchte, um das Gebäude zu entwickeln. Es gibt zwei Etagen – je nachdem, wie viel Fläche man entwickeln will oder auch ausbauen will, kann man natürlich auch mehrere Konzepte dort realisieren. So wie es jetzt ist, würden wir auf die Entscheidung des Stadtrates warten müssen, die immer noch aussteht. Denn es muss letztendlich noch entschieden werden, ob das Gebäude überhaupt stehen bleiben und dementsprechend weiter genutzt werden kann.

Reimann: Und wenn es weiter genutzt wird, dann muss es saniert werden – dafür werden 10 bis 15 Millionen veranschlagt. Woher sollen die kommen?

Mennicke-Schwarz: Das wird eine Frage sein, die mit im Stadtrat zu erörtern ist. Es ist auch eine Frage, ob man in einer Etappe oder in mehreren Etappen dieses Gebäude entwickelt. Die baubezogenen Kosten müssen in einer genaueren Studie untersucht werden. Was wir jetzt haben, sind eigentlich erst mal vorläufige, aber seriöse Schätzungen, so würde ich das beschreiben.

Reimann: Das sagt Christiane Mennicke-Schwarz, Leiterin des Kunsthauses Dresden. Haben Sie vielen Dank für das Gespräch.

Mennicke-Schwarz: Herzlichen Dank.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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