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StartseiteUmwelt und VerbraucherAgrar-Kulturerbe im ewigen Eis23.04.2015

Saatgutbank in SpitzbergenAgrar-Kulturerbe im ewigen Eis

Es ist eine Art Arche Noah für Grünzeug: Auf Spitzbergen verwahrt ein riesiger unterirdischer Kühlschrank das Saatgut der wichtigsten Nutzpflanzenarten im Permafrost. Je nach Sorte können sie dort Jahrtausende überdauern.

Von Christiane Habermalz

Reihen mit Regalen in der grünen Genbank auf Spitzbergen (Deutschlandradio / Christiane Habermalz)
Reihen mit Regalen in der grünen Genbank auf Spitzbergen (Deutschlandradio / Christiane Habermalz)
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Der Eingang ragt wie eine Kunstinstallation unvermittelt aus dem tief verschneiten Berg. Schwere Stahltüren, dahinter führt ein Schacht 120 Meter in den Berg. Tief im Permafrost liegt in zwei gesicherten Tresorräumen der vielleicht größte Schatz der Menschheit: 860.000 Samenproben von Nutzpflanzen aus der ganzen Welt. Eingelagert im Svalbard Global Seed Vault, zu Deutsch: Internationale Saatgut-Bank von Spitzbergen.

Robert Bjerke: "My job is to see if everything is right."

Schlüsselgewalt hat hier Robert Bjerke. Der norwegische Elektriker kommt einmal am Tag vorbei, um nach dem Rechten zu sehen. Er überprüft, ob die dieselbetriebene Kühlanlage einwandfrei funktioniert, die das Innere der Tresorräume auf minus 18 Grad herunterkühlt.

"18,34 minus, yes."

Eingang zur Saatgutdatenbank auf Spitzbergen (picture alliance / dpa / Photopqr / La Provence / Launette Florian)Eingang zur Saatgutdatenbank auf Spitzbergen (picture alliance / dpa / Photopqr / La Provence / Launette Florian)

Backup für schlechte Zeiten

Das ist die ideale Lagertemperatur für Saatgut, haben die Wissenschaftler berechnet. Doch selbst wenn hier alle Technik ausfallen würde, garantiert die natürliche Kälte des arktischen Berges noch eine wochenlange Konservierung. 10.000 Jahre Kulturgeschichte der Menschheit liegen hier im Permafrost: Ein Sicherheits-Backup für schlechte Zeiten.

Seit der Sesshaftwerdung haben Landwirte Nutzpflanzen gezüchtet und immer wieder optimiert. Die entstandene Vielfalt ist Grundlage unserer Ernährung. Grüne Genbanken aus der ganzen Welt haben hier eine Zweitprobe eingelagert – für den Fall, dass ihre eigenen Bestände zerstört werden, durch Umweltkatastrophen, Kriege, Atomunfälle.

Anna Lena Ekeblad: "Es ist interessant zu sehen, was zur Zeit ankommt: Container aus Aleppo in Syrien, oder aus der Ukraine, also aus Ländern, in denen Krieg herrscht. Daran sieht man, wie wichtig für die Welt ein sicherer Aufbewahrungsort wie dieser ist."

Anna Lena Ekeblad arbeitet eigentlich im Svalbard Museum in Longyearbyen, dem 2000 Seelen zählenden "Hauptort” von Spitzbergen. Heute führt sie ausnahmsweise durch die Saatgutbank.  Drinnen herrscht Drei-Sterne-Gefrierfachtemperatur.

40.000 Sorten Bohnen 

Dicht an dicht stehen Boxen oder auch nur schlichte Kartons in den Regalen: Allein 40.000 Sorten Bohnen lagern hier, 140.000 verschiedene Weizensorten. Aber auch Kokosnüsse aus der Südsee, Mango aus Kolumbien oder Mais aus den USA. Und deutsche Kartoffeln: Die größte deutsche Kulturpflanzen-Genbank in Gatersleben hat bereits Zweitproben von einem Viertel ihrer Bestände nach Spitzbergen geschickt.

Dass Longyearbyen so klein sei, sagt Ekeblad, sei ein zusätzlicher Schutz für das Saatgut.

Der norwegische Elektriker Robert Bjerke (Deutschlandradio / Christiane Habermalz)Der norwegische Elektriker Robert Bjerke (Deutschlandradio / Christiane Habermalz)

"Es ist hier sehr sicher. Wenn jemand herkommen und versuchen würde, hineinzukommen, würden die Menschen in Longyearbyen das sofort bemerken und Alarm schlagen. Aber die Wände hier sind auch abgerundet, um im Fall von Explosionen den Druck abzufangen."

Vor sieben Jahren hat die norwegische Regierung die Anlage offiziell eingeweiht. Sie hat auch den Bau bezahlt – die Betriebskosten werden vom Global Crop Diversity Trust übernommen, einer Stiftung mit Sitz in Rom, die von Staaten, privaten Unternehmen und anderen Stiftungen finanziert wird.

Die Einlagerung kostet die Staaten nichts. Doch darf nur ein Muster pro Sorte geschickt werden. Und die Entsende-Länder sind selber dafür verantwortlich, die Keimfähigkeit ihrer Proben zu erhalten. Dafür muss das Saatgut regelmäßig ausgetauscht werden.

Und für die Samenproben gelten strenge Auflagen: Gentechnisch verändertes Saatgut muss draußen bleiben. 

Hinweis: Recherchen für diesen Beitrag wurden unter anderem durch eine Reisekostenbeteiligung des Bundesministerium für Bildung und  Forschung ermöglicht

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