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StartseiteForschung aktuellSafer Sex auch ohne Kondome07.02.2006

Safer Sex auch ohne Kondome

Aids-Medikamente könnten vor HIV-Infektion schützen

<strong>Medizin. - Enthaltsamkeit oder Kondome - so lautet der sicherste Schutz vor einer Infektion mit dem Aids-Erreger. Jetzt glauben Forscher, eine Alternative gefunden zu haben: denn im Tierexperiment konnten Rhesusaffen durch Medikamente vor dem Virus geschützt werden.</strong>

Von Martin Winkelheide

Preiswerter als Arzneien: Kondome im Belastungstest. (AP Archiv)
Preiswerter als Arzneien: Kondome im Belastungstest. (AP Archiv)

Die Ergebnisse der Tierversuche sind eindeutig: Solange gesunde Rhesusaffen mit Aids-Medikamenten behandelt werden, sind sie vor einer Virus-Infektion sicher. Myron Cohen von der Universität North Carolina in Chapel Hill.

"Wir können ein Tier nehmen und es mit großen Mengen von SI-Viren konfrontieren, die dem menschlichen Aids-Virus ähnlich sind. Wenn das Tier vorher oder auch kurz danach Aids-Medikamente bekommen hat, wird es sich mit großer Wahrscheinlichkeit nicht anstecken. "

In der Regel schützte schon ein Aids-Medikament allein die Affen vor einer Infektion. Sicherer aber war der Schutz, wenn die Tiere eine Kombination von zwei gängigen Präparaten erhielten. In Fachkreisen hat die kleine Studie an 18 Rhesusaffen für lebhafte Diskussionen gesorgt. Was Affen schützt, könnte auch Menschen schützen, davon sind einige Aids-Forscher schon jetzt überzeugt. Myron Cohen ist da vorsichtig: Noch gebe es keine klinische Studien an Menschen, die belegt, dass das Konzept tatsächlich eins zu eins von Rhesusaffen auf den Menschen übertragbar sei. Der Medikamenten-Cocktail könnte Menschen dann vor einer Ansteckung mit dem Aids-Virus HIV schützen, wenn die Wirkstoffe nicht im Blut allein zirkulieren. Sie sollen vor einer sexuellen Übertragung des Virus schützen. Dazu müssen sie in ausreichend hoher Konzentration in die Schleimhäute gelangen und - bei Männern - auch in die Samenflüssigkeit. Weltweit sind fünf Studien geplant oder haben bereits begonnen. Getestet wird der Medikamenten-Cocktail an gesunden Freiwilligen, die ein hohes Risiko haben, sich mit dem HI-Virus anzustecken.

"Das Interesse konzentriert sich in erster Linie auf Prostituierte, die ihre Arbeit nicht aufgeben, auf Homosexuelle, auf Drogenabhängige sowie auf bestimmte Gruppen von Jugendlichen. Es geht um Menschen, die ein hohes Risiko haben, sich mit HIV anzustecken. Vielleicht erweist sich die vorbeugende Medikamenten-Therapie als wirksames Instrument, das Ansteckungsrisiko dieser Menschen zu senken. Dann sollten wir probieren, dieses Instrument auch zu nutzen."

Die Studien werden zeigen, ob Aids-Medikamente tatsächlich vor einer Ansteckung mit HIV schützen können. Sie werden auch Fragen aufwerfen: Wie lange sollten, wie lange dürfen gesunde Menschen Medikamente einnehmen, die zum Teil erhebliche Nebenwirkungen haben? Sollte sich das Konzept als sicher und wirksam erweisen, dann wird es auch einen Bedarf geben, davon ist Myron Cohen überzeugt. Aber wie groß, fragt Cohen, wird der Bedarf sein?

Für eine junge Frau in Botswana etwa beträgt - statistisch gesehen - das Risiko, dass sie sich im Laufe ihres Lebens mit HIV anstecken wird, rund 80 Prozent. Mit Hilfe des Medikamenten-Cocktails hätte sie vielleicht die Chance, sich vor einer Ansteckung zu schützen - und zwar unabhängig davon, wie verantwortlich ihr Partner handelt. Weltweit sind rund 40 Millionen Menschen mit HIV infiziert. Aber weniger als drei Millionen Menschen erhalten Aids-Medikamente, die verhindern, dass sie krank werden und sterben. Was ist wichtiger? Mit diesen Medikamenten Infizierte zu behandeln - oder weitere Infektionen zu verhindern und so die Aids-Epidemie vielleicht zu bremsen? Sollte sich das Konzept, mit Aids-Medikamenten HIV-Infektionen vorzubeugen, als machbar erweisen, wird es Streit geben um die gerechte Verteilung begrenzter Ressourcen. Und bei vielen Menschen, glaubt Myron Cohen von der Universität North Carolina in Chapel Hill, wird das Konzept ohnehin auf moralische Vorbehalte stoßen.

"Jeder wird zunächst einmal sagen: Warum willst Du eine Pille schlucken? Du kannst doch enthaltsam leben - oder ein Kondom benutzen. Dennoch glaube ich, sollten wir weiter an dem Thema forschen. Die moralischen Einwände wiegen nicht so schwer, dass sie uns davon abhalten können, zu erforschen ob das Konzept funktioniert - oder nicht funktioniert. "

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