Forschung aktuell / Archiv /

 

Sauriertod aus dem All

Genaue Datierungsmethoden grenzen Zeitpunkt des Kometeneinschlags ein

Von Dagmar Röhrlich

Ein Asteroideneinschlag soll das Ende der Dinosaurier verursacht haben.
Ein Asteroideneinschlag soll das Ende der Dinosaurier verursacht haben. (Vrije Universiteit Amsterdam)

Nach paläontologischen Theorien kommen als Ursache für das Ende der Dinosaurier hauptsächlich zwei Ereignisse infrage: ein Asteroid, der in den Golf von Mexiko einschlug oder eine gewaltige Vulkaneruption in Indien. Neue, sehr genaue Datierungen geben nun Aufschluss. Demnach fand das Massenaussterben sogar etwas früher statt als bisher gedacht.

Was tötete die Saurier? Ein Asteroid oder Komet in den Golf von Mexiko oder eine gewaltige Vulkaneruption in Indien? Der Streit darüber könnte sich nun auflösen - dank neuer, hochgenauer Datierungen:

"Das Aussterben der Saurier und der Zeitpunkt des Einschlags sind zwar schon früher datiert worden, aber es gab diverse Ungenauigkeiten, so dass sie durchaus bis zu 300.000 Jahre hätten auseinanderliegen können",

erklärt Paul Renne, Direktor des Geochronologiezentrums an der Universität von Kalifornien in Berkeley. Es waren Unstimmigkeiten in den Datierungen, die sein Interesse weckten. Um Klarheit in die zeitliche Abfolge zu bekommen, bestimmten er und sein Team unter anderem das Alter von Gesteinen aus einer der weltweit berühmtesten Dinosaurierfundstätten in Montana:

"In diesen Schichten finden sich viele vulkanische Aschelagen, die wir sehr genau datieren konnten. Das Alter des Einschlags haben wir mithilfe von Tektiten bestimmt: winzigen Glaskugeln, die bei dem Einschlag entstanden und aus dem Krater geschleudert wurden. Wir haben Tektite aus Haiti datiert, also recht nah am eigentlichen Krater."
Danach lagen zwischen beiden Ereignissen höchstens 32.000 Jahre. Im Rahmen der Fehlergrenzen, so schließt Paul Renne, seien beide also zeitgleich:

"Das genaue Alter des Einschlags, das wir mit unseren und den Daten anderer Gruppen bestimmt haben, liegt bei 66,038 Millionen Jahren."

Allerdings habe dieser Einschlag die Arbeit nicht alleine verrichtet: Vielmehr sei er Teil eines größeren Geschehens, so Renne. Denn kurz zuvor hatte in Indien ein sogenannter Flutbasaltausbruch begonnen: Über kilometerlange Erdspalten strömte Lava aus, deren Reste noch heute - bis zu zwei Kilometer mächtig - eine Fläche von der Größe Spaniens bedecken. Dieser Ausbruch scheint eine zentrale Rolle gespielt zu haben:

"Er verursachte schwere Störungen in der Umwelt. Das ist klar. Die Ökosysteme begannen durch den Ausbruch zusammenzubrechen, das Aussterben begann. In einer solchen Lage kann etwas, das normalerweise geringere Folgen hätte, die Ökosysteme vollkommen aus der Bahn werfen: Und so wurde der Einschlag zum Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte."

Isotopenanalysen an Sedimenten verraten, dass genau zur Zeit des Aussterbens große Mengen an organischem Kohlenstoff in die Atmosphäre und die Meere freigesetzt wurden:

"Dieser plötzliche Anstieg von organischem Kohlenstoff zeugt wahrscheinlich von dem Absterben der Pflanzen und Tiere. In den Meeren ist diese Anomalie zwei Millionen Jahre lang messbar. Die Analysen der Festlandssedimente von Montana zeigt, dass sich die Verhältnisse in der Atmosphäre innerhalb von weniger als 5000 Jahren normalisierten. Die Atmosphäre reagiert also sehr schnell auf Umweltveränderungen, während sich die Ozeane sehr viel langsamer erholen."

Die neuen Datierungen für die Katastrophe haben auch Auswirkungen auf die Paläontologie - genauer: auf den Zeitpunkt, zu dem der Aufstieg der Säugetiere einsetzte:

"Da das Massenaussterben etwas früher abgelaufen ist, als gedacht, treten die frühen Säugetiere nun direkt nach der Kreide-Tertiär-Grenze auf: Kaum waren die Dinosaurier verschwunden, verbreiteten sie sich innerhalb weniger als einer Million Jahre sehr schnell."

Unsere Vorfahren waren also die eindeutigen Krisengewinnler. Sie und die Schildkröten, denn auch die erlebten damals eine sehr gute Zeit.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Forschung Aktuell

Vom DLR zur ESAJohann-Dietrich Wörner: Raumfahrt braucht Paradigmenwechsel

Der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, Johann-Dietrich Wörner, spricht am 09.04.2014 in Berlin bei einer Pressekonferenz.

Johann-Dietrich Wörner wurde in Paris zum neuen Generaldirektor der Europäischen Weltraumagentur ESA gewählt. Die Raumfahrt müsse zukünftig mehr mit der Gesellschaft zusammenarbeiten und aus diesem Input Projekte und Missionen entwickeln, sagte er im Deutschlandfunk.

Origami-Roboter Forscher tüfteln an faltbaren Maschinen

Ebola Neue Studie zur Behandlung des Frankfurter Patienten