Freitag, 17.11.2017
StartseiteForschung aktuellGegenwind - was die Energiewende bremst02.11.2017

Sendereihe zum Klimagipfel in BonnGegenwind - was die Energiewende bremst

Deutschland tut noch immer zu wenig, um seine Treibhausgasemissionen zu senken und wird die selbst gesteckten Klimaziele wohl deutlich verfehlen. In einer sechsteiligen Serie zum Weltklimagipfel in Bonn erklärt Forschung Aktuell ab dem 2. November 2017, woran die Umsetzung der Energiewende hakt.

Wasserdampfschwaden steigen vor Sonnenaufgang in den farbigen Morgenhimmel aus den Kühltürmen des Braunkohlekraftwerkes Jänschwalde der LEAG (Lausitz Energie Bergbau AG) hinter einem Karpfenteich in Peitz (Brandenburg).  (Patrick Pleul/dpa)
Braunkohlekraftwerk in Brandenburg. (Patrick Pleul/dpa)
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Deutsche Energieagentur "Kritisch-konstruktive Zuversicht" bei der Energiewende

Der Ausbau von Biomasse-Kraftwerken, Solar- und Windkraftanlagen? Kommt ganz gut voran. Die energetische Ertüchtigung des Gebäudebestandes? Könnte schneller gehen. Effizienzsteigerungen in der Industrie? Haben merklich nachgelassen. Verbrauchsminderungen im Autoverkehr? Nach wie vor nur minimal. Computer, Clouds und Internet? Fressen sogar zunehmend Energie.

Wer sich die Zahlen zur Energiewende ansieht, kommt zu einem ernüchternden Fazit: Deutschland tut noch immer zu wenig, um seine Treibhausgas-Emissionen so stark und nachhaltig zu senken, wie es erforderlich wäre, um die selbst gesteckten Reduktionsziele zu erreichen und das Klimaschutzabkommen von Paris einzuhalten. In einer sechsteiligen Serie zum Weltklimagipfel in Bonn erklärt Forschung Aktuell woran die Umsetzung der Energiewende hakt.

Windräder im Abendlicht. (Imago/Chromorange) (Imago/Chromorange)Regenerative Stromerzeugung 

Erneuerbare Energien entwickeln sich gut, aber nicht schnell genug, meinen Experten. Ein Grund dafür sei, dass die Bundesregierung den jährlichen Ausbau gedeckelt habe, um die Verbraucher nicht zu überlasten. Um die Klimaziele einzuhalten, müsste die Energiewende noch entschiedener betrieben werden.

Ein Mann trägt vor dem Rohbau eines mehrstöckigen Hauses eine Wärmedämmplatte unter dem Arm. (dpa/picture alliance/Carmen Jaspersen) (dpa/picture alliance/Carmen Jaspersen)Energetische Gebäudesanierung 

18 Millionen Wohngebäude in Deutschland sollen bis 2050 annähernd "klimaneutral" sein, also so gut wie kein CO2 mehr produzieren. Experten glauben allerdings nicht, dass der Zeitplan eingehalten werden kann. Der Grund: Noch immer wird in Deutschland zu wenig energetisch saniert.

Wasserdampfschwaden steigen aus den Kühltürmen des Braunkohlekraftwerkes der Vattenfall AG in Jänschwalde. (picture alliance / dpa / Patrick Pleul) (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)Energieeffizienz in der Industrie

Während die Energieeffizienz in den 1990er Jahren in Deutschland noch stark zunahm, ist der Trend mittlerweile eingeschlafen. Fortschritt sollte eigentlich der Emissionshandel bringen. Doch die Preise für Zertifikate sind so niedrig, dass die Industrie es sich leisten kann, weiterhin fossile Energieträger zu nutzen.

Ein Landwirt versprüht auf einem Getreidefeld unweit des brandenburgischen Wriezen ein Pestizid, aufgenommen am 10.05.2010.  (picture alliance / dpa / Patrick Pleul) (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)
Klimaschutz in der Landwirtschaft 

Ob Deutschland seine Klimaziele erreicht, ist fraglich. Unter anderem die Landwirtschaft könnte mehr dafür tun, meinen Experten. Denn dort entstehen große Mengen gleich mehrerer klimawirksamer Gase.

Zahlreiche Porsche Cayenne in einem Porsche-Werk in Leipzig (Jan Woitas/dpa) (Jan Woitas/dpa)
Dekarbonisierung des Individualverkehrs 

SUVs, PS-starke Geschäftswagen, dicke Limousinen - zur miesen Klimabilanz trägt in Deutschland vor allem der Individualverkehr bei. Ein von der Bundesregierung eingesetzter Experte zur Energiewende fragt sich: "Wozu gibt es eigentlich ein Verkehrsministerium?"

Ein Rechenzentrum des Internetdienstanbieters 1&1 aufgenommen am 07.01.2015 am Standort Karlsruhe (Baden-W (dpa) (dpa)
Klimafaktor Digitalisierung Große Serverparks verbrauchen eine Menge Energie, die Produktion von Informationstechnologie frisst Ressourcen - Klimaziele für die Branche gibt es aber nicht. Grüne IT-Experten fordern schon lange Vorgaben von der Politik.

Die 23. Weltklimakonferenz 2017 findet unter der Präsidentschaft der Fidschi-Inseln in Bonn statt. Diplomaten, Politiker und Vertreter der Zivilgesellschaft aus aller Welt werden sich in der ehemaligen Bundeshauptstadt vom 6. bis 17. November treffen. Die Delegierten der Regierungen werden um die Details zur Anwendung des Pariser Abkommens von 2015 verhandeln. Herauskommen soll dabei ein so genanntes "Regelbuch", das beim nächsten Klimagipfel Ende 2018 in Polen verabschiedet werden soll.

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