Samstag, 18.11.2017
StartseiteWirtschaft und GesellschaftBodenschätze und bittere Armut25.08.2017

Sommerserie: GerechtigkeitBodenschätze und bittere Armut

Wenn ein Land über Kupfer, Gold oder Kohle verfügt, heißt das noch nicht, dass es diesem Land auch wirtschaftlich gut geht. Im Gegenteil: Häufig leiden Umwelt und Bevölkerung unter der Ausbeutung der Stoffe. Den Profit machen andere - hunderte Kilometer entfernt.

Von Britta Fecke

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Fabrik auf dem Gelände einer Kupfermine in Sambia (imago / Photoshot / Balance)
Der Kupferabbau in Sambia verseucht Luft und Gewässer - und vom Profit kommt bei der bettelarmen Bevölkerung nichts an (imago / Photoshot / Balance)
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Auch in der sonntäglichen Predigt sind die Folgen des Kupferabbaus in Sambia das beherrschende Thema:

"Alles ist zerstört wegen der Leute, die auf der anderen Seite der Welt leben. Selbst die Luft, die wir atmen macht uns kaputt. Und wem verdanken wir das Ganze? Leuten, die Profit machen wollen, der Geldgier dieser Leute. Die müssen nicht leiden! Sie nehmen das Geld und gehen, der Rest ist ihnen egal."

Lukrative Verarbeitung findet woanders statt

Sambia hat riesige Kobalt- und Kupferlagerstätten. Doch obwohl das Land reich an Ressourcen ist, ist ein Großteil der Bevölkerung bettelarm. Dieses Phänomen beschränkt sich nicht nur auf den Kupferabbau, sondern gilt für die Förderung vieler Primärrohstoffe in Entwicklungs- und Schwellenländern.

Henning Wilts, Volkswirt beim Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie:

"Das Problem des Ressourcenfluchs ist, dass der Abbau der Rohstoffe nicht das ist, womit man Geld verdient. Das Geld wird verdient mit der Verarbeitung der Rohstoffe und der Produktionsschritt findet nicht in den armen Ländern statt. Das heißt: Sie haben die ökologischen Folgen am Hals und ihre Umwelt wird durch den Tagebau zerstört, aber sie profitieren nicht von der Wertschöpfung, die damit verbunden wäre."

Verseuchte Luft, verschmutze Gewässer, gerodete Wälder

Die ökologischen Folgen beim Abbau von Kupfer sind unter anderem: verseuchte Luft und Gewässer durch Schwefeldioxid bzw. Schwefelsäure, die bei der Verhüttung des Metalls entstehen. Gold wird mit toxischem Cyanid aus dem Gestein gelöst, was vor allem die Böden nachhaltig vergiftet. Die Förderung von Rohöl verschmutzt dagegen regelmäßig die umliegenden Flüsse oder das Meer, oft für mehrere Jahrzehnte, wie auch die Explosion der Plattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko zeigt. Für den Kohleabbau werden immer größere Flächen benötigt, Wälder und Äcker werden zu Brachen, Anwohner vertrieben. In Kanada wurde eine Fläche so groß wie Großbritannien zur Mondlandschaft, weil dort Öl aus Teersanden gewonnen wird.

Doch die ökologischen Folgen des hohen Ressourcenverbrauchs werden auch in vielen Regionen Europas sichtbar.

Radionachrichten: "In Portugal sind gestern Nacht 60 Menschen in den Flammen ums Leben gekommen (...). Die Feuerwehr konnte die brennenden Wälder nicht löschen."

Was nach den schrecklichen Folgen einer Naturkatastrophe klingt, ist tatsächlich das Ergebnis einer verfehlten Politik, denn Portugals Papier- und -Zelluloseindustrie ist inzwischen eine der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes. Und so wurden artenreiche Mischwälder gerodet, um schnell wachsende Eukalyptusplantagen anzulegen. Doch diese Baumart braucht extrem viel Wasser, was Portugal nicht hat, und laugt wegen seines schnellen Wachstums zudem die Böden aus. Die Monokulturen brennen extrem schnell, auch weil das Öl des Eukalyptus das Feuer noch zusätzlich anheizt.

Phosphorabbau ist extrem gesundheitsschädlich

Die sozialen und ökologischen Verwerfungen sind ein Problem des Ressourcenverbrauchs, aber gibt es auch Primärrohstoffe, die bald erschöpft sind? Henning Wilts vom Wuppertal Institut:

"Es gibt ein paar, wo wir sehen, dass der Bedarf so steigen wird, dass wir den nicht für alle decken können. Und Phosphor gehört dazu, wo wir wirklich ein Problem bekommen. Weil wir Phosphor unbedingt für die Ernährung brauchen und wenn wir den Phosphorbedarf nicht decken können, haben wir ein Riesenproblem!"

Schon jetzt leiden aber die Arbeiter beim Abbau des Rohstoffes - der später zu Dünger verarbeitet wird - an den Folgen der Phosphor- und Ammoniakbelastung. Die Lebenserwartung der Minenarbeiter ist sehr niedrig, die Krebsrate extrem hoch. Auch das eine Folge der Ressourcenungerechtigkeit: Die Rohstoffe für unseren Konsum werden in Ländern abgebaut, die weder europäische Sozial- noch Umweltstandards erfüllen.

"Wir exportieren unsere Umweltprobleme"

Phosphor ist eines der wenigen Elemente, dass tatsächlich knapp wird, bei anderen Rohstoffen wie Steinkohle, Erdöl oder Kupfer herrscht noch keine bedrohliche Knappheit. Allerdings wird es immer schwieriger an die Lagerstätten zu kommen, weil die leicht zugänglichen schon lange ausgebeutet wurden. Und so wird die Förderung von Primärrohstoffen auch teurer. In Deutschland wird deshalb im nächsten Jahr der letzte Schacht im Pott geschlossen. Doch wir verlegen das Problem nur, sagt Henning Wilts:

"Hier in Deutschland erfreuen wir uns einer steigenden Umweltqualität, aber das nur, weil wir die Dinge, die wir hier konsumieren, zunehmend importieren. Und die Länder, in denen das angebaut wird, die haben die Umweltprobleme. Wir exportieren damit quasi unsere Umweltprobleme."

Das gilt für den Abbau von mineralischen Energieträgern wie Öl und Kohle, aber auch für den Anbau von Soja für unseren stetig steigenden Fleischkonsum. Denn in der industriellen Massentierhaltung benötigen Rinder und Schweine eiweißreiche Nahrung, um schnell Fett anzusetzten. Soja heißt die Lösung! Angebaut wird die Bohne aber in Übersee:

"Soja ist einer der Klassiker, das ist sehr wasserintensiv, das ist flächenintensiv, und die Länder, wo Soja angebaut wird, sehen zunehmend, was für langfristige Umweltschäden sie sich da eigentlich einhandeln. Was überhaupt nicht bezahlt wird durch den Preis, den wir für exportiertes Soja bezahlen."

"Recyclingquote lässt zu wünschen übrig"

Ein angepasstes Konsumverhalten wäre die Antwort auf den Sojaanbau, der auf Kosten des Regenwaldes geht. Doch der Hunger auf billiges Fleisch steigt in Europa weiter. Auch sonst schränken sich die Industrienationen in ihrem Rohstoffverbrauch trotz der bekannten Umweltprobleme nicht ein. Elektrogeräte, Handys oder Kleidung werden kaum länger als eine Saison genutzt. Auch die Recyclingquote lässt zu wünschen übrig. Henning Wilts:

"In Deutschland ist es so, dass nur 14 Prozent, der Stoffe, die wir hier einsetzten, tatsächlich aus Recyclingprozessen bekommen. Also 86 Prozent sind immer noch Primärrohstoffe, die irgendwo abgebaut werden!"

Dabei wäre Recycling eines der wichtigsten Instrumente um Ressourcen zu schonen und Stoffkreisläufe zu schließen.

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