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StartseiteSport AktuellPalästinenser danken Argentinien06.06.2018

Spiel-AbsagePalästinenser danken Argentinien

Im Teddy-Kollek-Stadion in West-Jerusalem sollten am Samstag die Fußball-Nationalmannschaften von Israel und Argentinien spielen. Nach Drohungen des palästinensischen Fußballpräsidenten hat Argentinien das Spiel abgesagt. Viele Menschen in Israel machen die Palästinenser für die Absage verantwortlich, andere sehen die Schuld bei der israelischen Regierung.

Von Benjamin Hammer

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Die argentinische Nationalmannschaft im Training vor der WM (imago/ Alejandro García)
Die argentinische Nationalmannschaft im Training vor der WM (imago/ Alejandro García)
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"Das ist traurig", sagt ein junger Israeli in der Nähe des Stadions. "Der Sport sollte nie von der Politik überschattet werden. Sport verbindet doch, steht für die Gleichheit aller Menschen. Es macht mich traurig, dass das Spiel nun wegen des Drucks der Palästinenser abgesagt wurde."

Die Palästinenser tragen die Schuld daran, dass das Freundschaftsspiel abgesagt wurde. So sehen es viele, aber nicht alle Israelis. Eine Frau meint, die israelische Regierung habe die Absage förmlich provoziert.

"Mich freut die Absage. Unsere Kultur- und Sportministerin ist zu weit gegangen. Sie ist ein wenig besessen von dieser Jerusalem-Sache. Immer wieder betont sie, dass Jerusalem unsere Hauptstadt ist. Ich bin froh, dass sie sich diesmal nicht durchgesetzt hat."

Israels Sportministerin Miri Regev (imago sportfotodienst)Israels Sportministerin Miri Regev (imago sportfotodienst)

Die Sportministerin ist Miri Regev von der Likud-Partei von Premierminister Benjamin Netanjahu. Das Spiel gegen Argentinien sollte eigentlich in Haifa stattfinden, eine Stadt im Norden Israels. Doch Regev passte das nicht.

Im 70. Jahr des Bestehens des Staates Israel und kurz nach der Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem sollte auch das prestigeträchtige Match gegen Argentinien in Jerusalem ausgetragen werden. Sowohl Israel als auch die Palästinenser erheben einen Anspruch auf die Stadt. Vor wenigen Tagen gab sich die Sportministerin noch selbstbewusst. Lionel Messi, der Topstar der Argentinier, werde kommen.

"Es gibt für uns keine bessere Publicity. Messi wird die Klagemauer küssen. Von den Gerüchten, dass er nicht bereit sein wird, mir oder Netanjahu die Hand zu geben habe ich nichts gehört. Lasst uns auf Messi warten, und dann werden wir sehen, wer wem die Hand schütteln wird. Was wirklich zählt ist, dass Messi zusammen mit dem argentinischen Nationalteam in Jerusalem, unserer Hauptstadt spielen wird."

Dank für die argentinische Entscheidung

Doch gegen diese Pläne hatten die Palästinenser lautstark protestiert. Aus ihrer Sicht sollte die Veranstaltung den Status Quo festigen: Israel kontrolliert ganz Jerusalem und die Regierung schließt aus, dass der Ostteil der Stadt jemals zur Hauptstadt eines palästinensischen Staates wird. Der Chef des palästinensischen Fußballverbandes, Jibril Rajoub, hatte im Vorfeld gedroht: Sollte die Partie tatsächlich stattfinden, würden Trikots und Fotos von Lionel Messi brennen.

Vor dem Trainingsquartier der Argentinier in Barcelona hatten Aktivisten Trikots der Argentinier mit blutroter Farbe beschmiert. Für Argentiniens Spieler kurz vor der WM in Russland war das wohl zu viel. Sie begründeten ihre Absage mit Sicherheitsbedenken. Für den palästinensischen Verbandschef Rajoub geht es aber um mehr. Er sagte:

"Ich möchte den Argentiniern danken für ihre Entscheidung. Das ist ein Sieg für jene, die die Mission des Sports respektieren: Werte und Normen, die sich nicht politisieren lassen."

Eine Politisierung freilich, an der auch der palästinensische Fußballfunktionäre beteiligt war. Die Israelis wollen nun in internationalen Fußballgremien gegen den palästinensischen Verband vorgehen. Jibril Rajoub habe mit seinen Drohungen alle roten Linien überschritten.

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