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StartseiteInterview"Spontan bedeutet das für mich eine große Freude"06.10.2008

"Spontan bedeutet das für mich eine große Freude"

Medizin-Nobelpreisträger Zur Hausen wird für die Entdeckung der Papillomviren ausgezeichnet

Der frisch gekürte Medizin-Nobelpreisträger Harald Zur Hausen hat sich hoch erfreut gezeigt über die Vergabe des Preises an ihn und zwei weitere Mediziner. Der Dank gehe auch an die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die seine Arbeiten maßgeblich unterstützt habe, sagte der Wissenschaftler. Zur Hausen erhielt die Auszeichnung für die Entdeckung der Papillomviren, die Gebärmutterhals-Krebs auslösen.

Harald zur Hausen im Gespräch mit Friedbert Meurer

Der deutsche Krebsforscher Harald zur Hausen vor dem  Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg (AP)
Der deutsche Krebsforscher Harald zur Hausen vor dem Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg (AP)

Friedbert Meurer: Ein deutscher Krebsforscher erhält neben zwei französischen AIDS-Wissenschaftlern den diesjährigen Medizin-Nobelpreis. Er heißt Harald Zur Hausen, ist 72 Jahre alt, emeritierter Medizinprofessor. Er hat maßgeblich mit daran gewirkt, dass das deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg zu einer bekannten und anerkannten Institution geworden ist, und er hat in den 70er Jahren das Papillomvirus entdeckt, erstmals den Zusammenhang zwischen einem Virus und einer Krebserkrankung nachgewiesen. Bei uns ist der diesjährige Nobelpreisträger jetzt am Telefon. Guten Tag, Herr Zur Hausen, und ganz herzlichen Glückwunsch!

Harald zur Hausen: Ich bedanke mich sehr herzlich.

Meurer: Wie sehr freuen Sie sich? Was bedeutet das für Sie, den Medizin-Nobelpreis zu bekommen?

Zur Hausen: Sagen wir mal, zunächst spontan bedeutet das für mich eine große Freude, dass ich den Preis mit den beiden französischen Kollegen zugesprochen bekommen habe. Ich muss erst mal sagen, dass ich meine Überraschung ein bisschen verdauen muss, bevor ich über irgendwelche Pläne schon sprechen könnte.

Meurer: Wie kamen Sie damals auf die Idee, dass ein Virus Krebs auslösen kann?

Zur Hausen: Die Idee war nicht so sehr neu. Sagen wir mal so: Was neu war, das war, dass wir Viren, spezifische Viren beim Gebärmutterhalskrebs vor allem vermuteten - das ist der zweithäufigste Krebs bei Frauen global gesehen, also weltweit -, dass wir dann auch die Chance glücklicherweise erhalten hatten, letzten Endes auf diesem Sektor Dank der Unterstützung seinerzeit durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft auch mit vollem Nachdruck zu arbeiten, und es uns dann auch gelang, in der Tat nachzuweisen, dass bestimmte Typen der Papillomviren, vor allem die Typen 16 und 18, für den Gebärmutterhalskrebs offenkundig verantwortlich sind.

Meurer: Ihre Grundlagenforschungen von damals haben letzten Endes ja dazu geführt, Herr Zur Hausen, dass es jetzt mittlerweile eine ganz groß angelegte Impfaktion gibt. Viele junge Mädchen werden jetzt geimpft gegen Gebärmutterhalskrebs. Hat Sie das heute oder hat Sie das in den letzten Monaten und ein, zwei Jahren gefreut zu sehen, welche Impfkampagne Sie ausgelöst haben?

Zur Hausen: Ja, natürlich. Das ist natürlich ein wirklich wichtiger Punkt, dass eine Impfung jetzt möglich wurde und dass die Impfung auch nach allen vorliegenden Ergebnissen in hervorragender Weise bewährt und einen Schutz gegen diese Virusinfektion gibt. Sie schützt nicht gegen alle Virusinfektionen, die am Gebärmutterhalskrebs beteiligt sind, sondern nur etwa zwischen 70 und 80 Prozent der dort beteiligten Agenzien, aber wir können davon ausgehen, dass doch in Zukunft auf der einen Seite die Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses bereinigt werden - das lässt sich heute schon mit Klarheit sagen - und vermutlich auch in Zukunft der Gebärmutterhalskrebs deutlich zurückgehen kann. Insofern freue ich mich sehr, dass hier unsere ursprünglichen Arbeiten jetzt auch ihre Übersetzung in die Klinik gefunden haben.

Meurer: Ist Ihre Freude dadurch getrübt worden, dass diese Impfkampagne auch kritisiert worden ist, dass einige gesagt haben, hier hat die ständige Impfkommission zu schnell die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs empfohlen?

Zur Hausen: Ich habe diese Argumente nie teilen können, denn ich habe es selber gesehen, mit welchem Nachdruck vor allem in den Vereinigten Staaten die food-and-drug Administration sich sehr intensiv darum bemüht hat, Klarheit über diese Impfung zu gewinnen, und ich glaube, dass auch in größerem Umfang die bis dahin schon durchgeführten klinischen Studien es eindeutig belegten, dass hier eine sehr wirksame Impfung zur Verfügung stand. Ich glaube nicht, dass unsere Impfkommission in irgendeiner Form voreilig gehandelt hat. Sie hat genau zum richtigen Zeitpunkt agiert und damit vermutlich verhindert, dass weitere Menschenleben am Gebärmutterhalskrebs verloren gegangen sind.

Meurer: Herr Zur Hausen, nachdem Ihnen heute der Medizin-Nobelpreis zugesprochen worden ist, wie wird Ihr heutiger Tag noch aussehen?

Zur Hausen: Das ist schwer für mich vorauszusagen. Im Augenblick laufen Telefone, Fax und E-Mails heiß und es sind viele, die gratulieren. Ich glaube, es wird anschließend noch eine kleine Party hier im Zentrum stattfinden. Auf der anderen Seite wird das hoffentlich mein langfristiges Programm nicht so furchtbar verändern.

Meurer: Dann wünsche ich Ihnen zumindest für die Party heute und natürlich auch für die Zukunft alles Gute. Harald Zur Hausen. Er ist einer der diesjährigen Medizin-Nobelpreisträger. Herzlichen Glückwunsch und auf Wiederhören, Herr Zur Hausen.

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