Donnerstag, 23.11.2017
StartseiteSport am WochenendeDie Arbeitsmethoden von Alberto Salazar im Nike Oregon Project26.02.2017

SportmedizinDie Arbeitsmethoden von Alberto Salazar im Nike Oregon Project

Neueste Enthüllungen über die Langstreckenläufer, die im Nike Oregon Project trainieren, zeigen, mit welchen Mitteln erfolgreiche Athleten in Ausdauersportarten Dopingregeln umschiffen können. Und warum die Fahnder das Nachsehen haben.

Von Jürgen Kalwa

Leichtathletiktrainer Alberto Salazar bei einem Rennen der Diamond League. (dpa picture alliance, Steve Dykes)
Leichtathletiktrainer Alberto Salazar (dpa picture alliance, Steve Dykes)

Die Zweifel laufen schon lange mit. Aber sie werden immer wieder, so wie hier in Rio, von einer Welle der Euphorie weggespült: "Mo Farah takes 5000 meters Gold, once again, cementing his all-time great status forever more. Mo Farah in his most difficult race of his Olympic career”, jubelte der Kommentator der BBC.

Mo Farah gewann an diesem Tag im August über 5000 Meter seine vierte Goldmedaille – für sich, für Großbritannien und natürlich auch für das Nike Oregon Project. Ein Trainingszentrum für Langstreckenläufer an der amerikanischen Westküste, in das der größte Sportausrüster der Welt viel Geld investiert hat.

Der Dopingverdacht lief mit

Dass das Project mit seinem verantwortlichen Trainer Alberto Salazar seit Juli 2015 unter massivem Dopingverdacht steht, konnte Farah nicht stoppen. Trotz Aussagen wie die von Athleten und vom ehemaligen Trainer Steve Magness gegenüber dem britischen Fernsehsender BBC.

"In dem Bericht stand” – sagte Steve Magness über den Amerikaner Galen Rupp, einen prominenten Läufer der Gruppe – "dass er mit Testosteron behandelt wurde. Ich dachte, Moment mal: Testosteron ist eindeutig verboten.”

Salazar bestritt vehement alle Vorwürfe und wehrt sich zusammen mit seinen Läufern seitdem mit Erfolg gegen etwaige Sanktionen. Die amerikanische Anti-Dopingagentur hatte zwar nach der Publikation der Vorwürfe in den Medien eigene Ermittlungen aufgenommen. Doch die landeten im Nirgendwo.

Nur wenig sickerte durch. Etwa als die USADA vor Gericht ging, um einen in die Behandlung der Sportler involvierten texanischen Arzt dazu zu zwingen, seine Behandlungsunterlagen offenzulegen. Der Mediziner hatte seit Jahren Spitzenathleten mit Arzneimitteln versorgt, weil sie angeblich unter einer Unterfunktion der Schilddrüse litten. Darunter vermutlich auch solche, die objektiv gar nicht dieses Problem hatten. Die fraglichen Hormone befinden sich nicht auf der WADA-Liste der im Sport verbotenen Substanzen.

In ihrer heutigen Ausgabe konnte die "Sunday Times” in London mehr Licht ins Dunkel bringen. Sie hatte Einblick in den internen Usada-Untersuchungsbericht erhalten. zugespielt wurde dieser von der Hackergruppe Fancy Bears, die vor Wochen Enthüllungen über medizinische Ausnahmegenehmigungen für amerikanische und britische Athleten lanciert hatte.

Erfahrungsaustauch mit Lance Armstrong

Zu den im Nike Oregon Project eingesetzten, leistungsfördernden Substanzen gehörte demnach auch eine Aminosäurenverbindung namens L-Carnitin. Sie wird gegen Gefäßerkrankungen und in der Krebsbehandlung eingesetzt und genießt unter Ausdauersportlern den Ruf einer Wirkung wie Blutdoping. Alberto Salazar soll, nachdem er dies entdeckte, den damals noch aktiven Lance Armstrong per Email angemorst haben: "Rufe mich so bald wie möglich an. Wir haben es getestet, und es ist verblüffend.”

Gefährdet Salazar mit seinen Methoden die Gesundheit seiner Läufer? Dieser Vorwurf scheint der sportjuristische Hebel zu sein, den die Dopingfahnder in Ermangelung von positiven Urin- oder Blutproben gerne ins Spiel bringen würden.  Nach Ansicht der USADA ist der Arzneimitteleinsatz ohne irgendeine medizinische Notwendigkeit "so gut wie sicher” ein Verstoß gegen die Dopingregeln.

Die Agentur ließ nun zumindest so viel über ihre Ermittlungsarbeit durchblicken: Es läuft ein Verfahren der zuständigen Ärztekammer, bei dem es um die Zulassung des fraglichen Mediziners geht, der dem Oregon Project mit seinen Verordnungen als Alibi zur Verfügung stand.

"Failed Doping Tests" ohne Folgen

Mo Farah wehrte sich inzwischen erneut. Es sei frustrierend, wenn er sich immer wieder für Vorwürfe gegen seinen Trainer Alberto Salazar rechtfertigen müsse, sagte er. Es gibt allerdings mehr als nur diesen einen Verdacht,. So hatte Farah zwischendurch mit dem somalischen Trainer Jama Aden zusammengearbeitet, der im Juni des vergangenen Jahres in Spanien von der Polizei festgenommen wurde – die fand im Hotel seiner Trainingsgruppe EPO und Anabolika. Als die Nachricht bekannt wurde, tat Farah so, als würden sich die beiden kaum kennen. Tatsächlich hatte der aus Somalia stammende vierfache Goldmedaillengewinner bereits in seiner Autobiographie 2014 etwas ganz anderes gesagt.

Zwischendurch wurde außerdem bekannt, dass er vor den Olympischen Spielen 2012 zweimal innerhalb eines Jahres nicht von Dopingtestern an den angegebenen Orten angetroffen wurde. Ein drittes Versäumnis hätte eine automatische Sperre nach sich ziehen können.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk