• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
Seit 12:10 Uhr Informationen am Mittag
StartseiteEine WeltSorge vor Eskalation im Südchinesischen Meer20.02.2016

Stationierung chinesischer RaketenSorge vor Eskalation im Südchinesischen Meer

Das Südchinesische Meer bietet Anlass für Streit, denn in diesem Gebiet werden reichhaltige Bodenschätze vermutet. Das Problem: China beansprucht den größten Teil des Meeres für sich, seine Nachbarstaaten sehen das anders. Nun hat die chinesische Regierung in der vergangenen Woche zum ersten Mal Raketen auf einer Insel stationiert.

Von Klaus Bardenhagen

Pag-asa Island ist von den Philippinen besetzt. Die Ansprüche im Südchinesischen Meer sind umstritten. (picture alliance / dpa / Maxppp)
Pag-asa Island ist von den Philippinen besetzt. Die Ansprüche im Südchinesischen Meer sind umstritten. (picture alliance / dpa / Maxppp)
Mehr zum Thema

Südchinesisches Meer Chinas Machtdemonstration und Bauwut

Südchinesisches Meer Rütteln am Status quo

Als Eilmeldung brachte der Sender "Fox News" die Nachricht als erster: Neue Satellitenbilder sollen belegen, dass China auf einer Insel im Südchinesischen Meer Boden-Luft-Raketen stationiert hat.

Es geht um Woody Island, mit zwei Quadratkilometern die größte der Paracel-Inseln und von China etwa so weit entfernt wie von Vietnam. Wem sie eigentlich gehört, ist umstritten, wie bei so vielen Inselgruppen im Südchinesischen Meer. Peking kontrolliert sie seit Jahrzehnten, doch auch Vietnam und Taiwan erheben Ansprüche.

Bislang hatte Chinas Militär die Paracel-Inseln lediglich besetzt. Nun will die Regierung offenbar ihren militärischen Einflussbereich erweitern. Woody Island liegt etwa auf der Strecke zwischen Singapur und Japan. Die Raketen vom Typ HQ-9 mit 200 Kilometern Reichweite könnten theoretisch auch Passagiermaschinen gefährlich werden.

Bestätigung der Raketenstationierungen

Nicht nur das Pentagon, auch Taiwans Militär bestätigte die Stationierung. Keine guten Nachrichten für die frisch gewählte, aber noch nicht vereidigte Präsidentin Tsai Ing-wen. Mit ihrer Betonung von Taiwans Eigenständigkeit ist Tsai China bereits ein Dorn im Auge. An einer Eskalation des Streits ums Südchinesche Meer hat sie kein Interesse.

"Ich rufe alle Parteien auf, sich zurückzuhalten und strittige Fragen friedlich zu klären."

Doch das demokratische Taiwan ist international isoliert und nur ein diplomatischer Zaungast, während China und die USA in der strategisch wichtigen Region ihre Machtspiele treiben.

Als die Nachricht über die Raketen-Stationierung an die Öffentlichkeit kam, traf Amerikas Präsident Obama gerade die Staatchefs der südostasiatischen Asean-Gruppe. Darunter sind auch Vietnam und die Philippinen, die sich von Chinas Aktivitäten besonders bedroht fühlen. Die Satellitenbilder von Chinas Raketen seien ein Albtraum für Obama, sagte der Verteidigungsexperte Michael Pillsbury auf "Fox News".

"Das ist eine Blamage. Das ganze Ziel dieses Gipfels war es ja gerade, geschlossen aufzutreten und eine weitere Militarisierung im südchinesischen Meer zu verhindern."

Chinas Außenminister Wang Yi gab sich angesichts der Aufregung überrascht.

"Ich habe eben erst von diesem Bericht erfahren. Ich fürchte, das ist ein Thema, das die westlichen Medien künstlich zur Nachricht machen wollen."

Die Raketen seien schon seit Jahren auf der Insel, ließ Wang dann noch mitteilen. China stehe es frei, auf seinem eigenen Territorium Verteidigungsmaßnahmen zu ergreifen. Mit Militarisierung habe das alles nichts zu tun.

Befürchtungen vor chinesischem Machtausbau

Außerhalb Chinas glaubt aber kaum noch jemand, dass es Peking nicht um eine Ausweitung seines Machtbereichs geht. Besonders die sogenannte "Große Mauer aus Sand" sorgt für Misstrauen. Im südlichen Teil des Meeres, in den Spratly-Inseln, betreibt China massive Landgewinnung. Winzige Atolle baut es zu Inseln aus, mit Häfen und Platz für Landebahnen. Zukünftige Militärstützpunkte, vermutet William Stanton. Er war ein hochrangiger US-Diplomat und lehrt heute internationale Politik in Taiwan.

"China muss als der Aggressor gelten. Es gab einen Status Quo im Südchinesischen Meer. Alle Seiten sind miteinander ausgekommen, auch wenn einige Inseln besetzt waren. Das änderte sich, als China immer aggressivere Schritte unternahm."

Erst Ende Januar war ein amerikanischer Zerstörer an den Paracel-Inseln vorbeigefahren, wo nun die Raketen aufgetaucht sind. Solche demonstrativen Aktionen hält Stanton für wichtig. Es seien schließlich internationale Gewässer. Und Seewege müssten freigehalten werden.

Andere Experten in Taiwan mahnen zu Vorsicht. Liu Fu-kuo leitet ein Institut für Sicherheitsstudien.

"Wenn die USA China weiter auf den Pelz rücken und noch provokativer werden, also nicht nur vorbeifahren, sondern richtige Manöver abhalten, dann wird das China zu entsprechenden Reaktionen verleiten. Wenn das außer Kontrolle gerät, dann könnte aus einem Scharmützel auf See sogar ein militärischer Konflikt werden."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk