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StartseiteUmwelt und Verbraucher4,15 Euro statt 2,99 Euro für das Schnitzel13.01.2016

Studie zu artgerechter Haltung4,15 Euro statt 2,99 Euro für das Schnitzel

Für Fleisch aus artgerechter Haltung wären deutsche Kunden bereit, mehr zu bezahlen. Das ergab eine repräsentativen Umfrage des Verbraucherzentrale Bundesverbandes. Ein Problem bleibt: Kunden wissen gar nicht, wie sie entsprechende Produkte im Handel erkennen sollen.

Von Dieter Nürnberger

Hausrind (Bos primigenius f. taurus), Charolaises und Limousin-Rinder zusammen auf einer Weide (imago / blickwinkel)
Fleisch aus artgerechter Haltung darf mehr kosten (imago / blickwinkel)
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Sophie Herr ist Leiterin des Teams Lebensmittel beim vzbv. Sie weiß genau, wie viel deutsche Fleischkäufer tiefer in die Tasche greifen würden, wenn es um den Tierschutz geht:

"Tatsächlich sehen wir, dass Verbraucher grundsätzlich bereit sind mehr zu zahlen. Wir haben herausgefunden, dass für ein 500-Gramm-Schnitzel mit dem Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbundes - das gibt es bereits am Markt - im Schnitt 4,15 Euro und damit 39 Prozent mehr gezahlt würden, als für herkömmlich erzeugtes Fleisch."

39 Prozent mehr - das heißt: Statt 2,99 Euro für ein Schnitzel aus herkömmlicher Produktion würde man also 4,15 Euro für eines aus artgerechter Haltung zahlen. Somit sei eine Zahlungsbereitschaft für mehr Tierschutz seitens des Konsumenten vorhanden, folgert der Verbraucherzentrale Bundesverband und hofft natürlich, dass diese Bereitschaft nicht nur verbal artikuliert wird, sondern sich eben auch in der Realität, also an der Ladentheke, entsprechend zeigen würde.

Diese vzbv-Umfrage deckt sich auch mit Ergebnissen einer anderen Umfrage, die vor gut einem Jahr vom Bundeslandwirtschaftsministerium durchgeführt wurde. Demnach seien 80 Prozent der Bundesbürger bereit, mehr zu zahlen, wenn sie dadurch zu besseren Haltungsbedingungen der Tiere beitragen könnten.

Den Kunden fehlen Orientierungshilfen

Der zweite Schwerpunkt dieser vzbv-Untersuchung betrifft den Kenntnisstand der Kunden: Und hier wird recht schnell deutlich, dass es daran hapert. Den Konsumenten fehle bislang die Orientierung, sagt Sophie Herr:

"45 Prozent wissen laut unserer Umfrage nicht, woran sie Fleisch erkennen können, das aus artgerechter Haltung kommt. Wir haben auch gefragt, ob man uns spontan ein Label nennen könnte. Hier konnten 86 Prozent kein Label nennen. Wir sehen: Der Verbraucher hat eine geringe Kenntnis und zu wenig Orientierung, wo und wie er dieses Fleisch findet."

Das Thema Tierschutz wird auch in diesem Jahr eines der großen Themen auf der Grünen Woche sein. Politik und Industrie haben inzwischen auf den gesellschaftlichen Druck der Konsumenten reagiert. So gibt es neben dem Label des Tierschutzbundes auch die Initiative Tierwohl - hier haben sich Supermarktketten und Hersteller zusammengeschlossen, um Standards in der Nutztierhaltung zu verbessern. Tier- und Umweltschützern geht dies allerdings nicht weit genug. Kritik gibt es beispielsweise von Reinhild Benning, sie ist Agrarexpertin von Germanwatch, einer Nicht-Regierungsorganisation in diesem Bereich. Sie sagt, die Initiative Tierwohl helfe dem Verbraucher bei der Orientierung nicht viel weiter:

"Bei der Initiative Tierwohl gibt es keine Kennzeichnung auf dem Produkt. Die Supermärkte haben hier zusammengelegt und bezahlen eine relativ kleine Anzahl von Bauern, die etwas mehr Tierwohl im Stall umsetzen. Dabei wird das Einzelprodukt nicht gekennzeichnet. Die Verbraucher können daher nicht wissen, aus welcher Haltung das Fleisch stammt, das in Tierwohl-Supermärkten angeboten wird."

Unabhängige Kontrollen nötig

Germanwatch fordert eine verpflichtende Kennzeichnung für alle Fleischprodukte, der Verbraucher müsse künftig schnell erkennen können, aus welcher Art der Haltung das Fleisch kommt.

Eine bessere Orientierung fordert auch der Verbraucherzentrale Bundesverband. Es müsse eine Nutztierstrategie erarbeitet werden und damit verbunden auch nationales Tierschutzlabel umgesetzt werden. Vzbv-Expertin Sophie Herr:

"Es braucht hier die staatliche Anerkennung und auch die Sicherheit für Verbraucher, dass unabhängige Kontrollen in diesem Bereich durchgeführt werden. Dass es etwa bei Nichteinhaltung auch zu einer Sanktionierung kommt. Das Schwert darf sozusagen nicht stumpf sein. Man muss davon ausgehen können, dass da, wo Tierwohl oder Tierschutz draufsteht, er auch tatsächlich drin ist."

Die Politik sei somit gefordert, den Weg hin zu mehr Tierschutz auch weiter zu beschreiten. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hat zu Jahresbeginn angekündigt, künftig die verschiedenen Tierwohl- oder Tierschutz-Initiativen vernetzen zu wollen. Allerdings steht hier eine konkrete Ausgestaltung noch aus. Es gibt somit Bewegung beim Thema Tierschutz.

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