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StartseiteInformationen am MorgenSchuld sind die anderen07.09.2015

SyrienSchuld sind die anderen

Seit mehr als vier Jahren ist in Syrien Krieg. Es sind zwölf Millionen Menschen auf der Flucht. Das Assad-Regime findet immer neue Gründe, warum angeblich die anderen - der Westen, die Medien - die Verantwortung für die Flüchtlingskrise tragen. Parallel dazu wirft die Armee weiter Fassbomben ab und tötet bewusst Zivilisten.

Von Martin Zagatta

Ein Helfer des Roten Halbmondes in den Trümmern in Duma, nahe Damaskus, im August 2015. (AFP / Abd Doumany)
Ein Helfer des Roten Halbmondes in den Trümmern in Duma, nahe Damaskus, im August 2015. (AFP / Abd Doumany)
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Unter den Opfern vor allem Frauen und Kinder: mehr als hundert Menschen sterben, als die syrische Luftwaffe ihre berüchtigten Fassbomben über einem Markt in Ost-Ghouta abwirft. Allein in den Rebellengebieten östlich von Damaskus soll die Armee so fast 250 Menschen getötet haben in den letzten Tagen. Doch Schuld an diesen Kämpfen, an dem Terror, der schon die Hälfte der Bevölkerung in die Flucht getrieben hat, sind aus Sicht der syrischen Regierung andere Staaten und westliche Medien.

Eine böswillige Stimmungsmache gegen Syrien wirft Faisal Mekdad, der stellvertretende Außenminister westlichen Medien vor. Die würden, schon wenn wenn sie von einem syrischen Regime sprechen, Extremisten ermutigen, hierher zu kommen. Und die meisten seiner Landsleute, so hat Präsident Baschar al-Assad kürzlich in dem US-Sender CBS behauptet, die meisten Syrer würden ja nicht vor seinen Truppen fliehen, sondern vor Terroristen.

"Die Flüchtlingskrise wurde bewusst herbeigeführt"

Und die Flüchtlingslager in den Nachbarländern, so Assad, sind doch schon gebaut worden, noch bevor es in Syrien ernsthafte Konflikte gegen hat. Die Flüchtlingskrise sei also bewusst herbei geführt worden und solle als Vorwand dienen für eine militärische Intervention in Syrien. Eine Verschwörungstheorie, die auch der stellvertretende Außenminister Mekdad jetzt nach einem Treffen mit Assad noch bekräftigt hat. Vor allem die mit Syrien verfeindete Türkei würde die Flüchtlingskrise noch anheizen.

„Die türkische Regierung ermutigt doch die Flüchtlinge geradezu, sich auf den Weg nach Westeuropa zu machen. Dabei wäre es doch das Beste für die Syrer hierzubleiben. Wir rufen alle Syrer auf, zurückzukommen in ihr Land. Denn hier gehören sie hin."

Ein Appell, den viele seiner Landsleute als Hohn empfinden dürften. Doch es wird schwieriger, aus Syrien herauszukommen, seit der Libanon seine Grenzen für Flüchtlinge abriegelt und auch die Türkei ihnen die Einreise schwer macht. An der Grenze zu den Nachbarländern übernachten viele der Flüchtlinge mittlerweile unter freiem Himmel. Zurückbleiben will kaum jemand, auch wenn ihnen die Gefahren der Flucht Angst machen.

„Ich habe Keine Hoffnung, dass der Krieg in Syrien zu Ende geht. Das wird wohl noch 10, 15 oder 20 Jahre dauern. In dieser Zeit würde ich getötet werden. Deshalb will ich die Flucht antreten und alles riskieren für ein Leben, das allemal besser sein wird als das, was ich jetzt erlebe."

Trotz der Zerstörungen Durchhalteparolen

Unter denen, die nun noch fliehen, sind viele junge Männer, die sich nicht den islamistischen Milizen anschließen wollen, aber sich auch nicht zwangsrekrutieren lassen wollen von der Armee des Regimes. Und obwohl große Teile Syriens in Schutt und Asche liegen, gibt sich Präsident Assad überzeugt, so hat er im libanesischen Sender Al-Manar gerade verkündet, dass es mit Syrien wieder aufwärts geht.

„Trotz der schlechten Umstände gerade sind wir in der Lage, wirtschaftlich völlig neu zu beginnen. Der syrische Staat tut alles dafür, seine Bürger dabei zu unterstützen, und wenn wir das schaffen, dann stehen wir vor einem guten Neuanfang."

Durchalteparolen, die ihre Wirkung allerdings verfehlen. Mehr als zwölf Millionen Syrer auf der Flucht sprechen eine andere Sprache.

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