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StartseiteKalenderblattEin Freiheitskämpfer des Jazz10.10.2017

Thelonious Monk zum 100. GeburtstagEin Freiheitskämpfer des Jazz

"Jazz ist Freiheit" lautete sein Motto: Thelonious Monk war ein höchst origineller, in der Musik wie im Leben unorthodoxer und nonkonformistischer Künstler. Sein Image als Exzentriker verdeckte jedoch den Blick auf viele Aspekte seines Lebens. Heute wäre er hundert Jahre alt geworden.

Von Karl Lippegaus

Porträt von Thelonious Monk im Minton's Playhouse, New York, etwa im September 1947 aufgenommen. (imago stock&people/William P. Gottlieb)
Thelonious Monk im Minton's Playhouse, New York, etwa im September 1947 aufgenommen (imago stock&people/William P. Gottlieb)
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Thelonious Monk war schon 30 Jahre alt, als er endlich seine ersten Schallplatten aufnehmen konnte. Ganze zehn Jahre dauerte es, bis er seine erste reguläre Band zusammen hatte. Und mit 55 Jahren verschwand er wieder aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit. Doch der Schatten, den sein Werk auf spätere Entwicklungen im Jazz warf, wurde immer länger. Thelonious Monk gehört neben seinem Idol Duke Ellington zur seltenen Spezies der Jazz-Komponisten.

Am 10. Oktober 1917 kam er zur Welt in Rocky Mount in North Carolina. Als Teenager spielte er schon nach zwei Jahren Selbstunterricht bei Hausparties, in Kirchen und kleinen Lokalen. Es folgte ein kurzes Studium an der Juilliard School of Music in New York. In den 1940er-Jahren war Monk der Hauspianist in "Minton's Playhouse", einer Brutstätte der jungen schwarzen Avantgarde, deren Musik Bebop genannt wurde.

Von der Kritik lange belächelt

Die meiste Zeit seines Lebens arbeitete Thelonious in einer kleinen Wohnung in New York mit einem gemieteten Standklavier einsam an seinen Kompositionen. Oft war seine Frau Nellie der einzige Garant dafür, dass die vierköpfige Familie einigermaßen über die Runden kam. Zweimal zerstörten Brände im Apartment der Monks Partituren, Tonbänder, Schallplatten und die bescheidene Habe der Familie. Doch nichts konnte Thelonious aufhalten – und sein Sound gehörte zu den markantesten im Jazz. Alles verlief entlang Monks Motto: "Jazz is freedom" – "Jazz ist Freiheit". Für aufstrebende Genies wie Sonny Rollins und John Coltrane wurde Thelonious Monk ein Guru, ein Meister, bei dem sie ihre Lektionen bekamen. Sonny Rollins:

"Wie Coltrane einmal gesagt hat: wer bei Monk einen Akkordwechsel verpasst, dem ergeht's, als würde er in einen leeren Aufzugschacht steigen. Die ganze Band traf sich in Monks kleinem Apartment. Da wurde geprobt, wissen Sie, und Monk schien seiner Zeit weit voraus. Alle schauten sich an und sagten: Monk, das können wir nicht spielen, das geht nicht auf einer Trompete. Gegen Ende der Probe aber spielten sie es dann alle!"

Thelonious Monk bei einem Konzert in Paris im Dezember 1969. (AFP)Thelonious Monk bei einem Konzert in Paris im Dezember 1969. (AFP)
Während ihn die Kritiker lange belächelten – als vermeintlich unbeholfenen Pianisten und exzentrischen Komponisten – sprang der Funke auf sein Publikum viel rascher über. Monk wurde Kult, lange bevor die Beilagen der Sonntagszeitungen seine ausgefallenen Klamotten, Brillen und Hüte anpriesen. Sein Handwerkszeug war traditionell – Klavier, Bleistift, Papier, sein Handwerk makellos: jeder Ton sitzt an seinem Platz, scharf angeschlagen kommen diese Töne hervor.

1957, zehn Jahre nach seinem Blue-Note-Debüt, gab ein monatelanges, immer wieder verlängertes Gastspiel Monks im Five Spot Café, einem kleinen Lokal in New York, seiner Karriere endlich den lang ersehnten Schub nach vorne. Tourneen durch Europa und Japan folgten, sowie Auftritte bei großen amerikanischen Jazzfestivals.

Die letzen Jahre geprägt durch Erkrankung an bipolarer Störung

Sein Schlagzeuger Ben Riley war damals dabei, und erinnert sich: "Er war ein sehr sensibler Mensch. Ich glaube, er gab einem all diese verschiedenen Eindrücke von sich selbst, weil er eigentlich nicht wollte, dass man ihm zu nahe kam."

Das Meiste hatte er sich selbst beigebracht, und was er spielte, reflektierte, was an sein Ohr drang: Tagesschlager, Autohupen, Kirchenmusik, Harlem Stride piano, das war die Hohe Schule des frühen Jazz-Klavierspiels. Monk saugte alles auf wie ein Schwamm. Last, but not least wurde durch ihn das Intervall der kleinen Sekunde nicht mehr als Fehler, sondern als Möglichkeit entdeckt. Es klingt alles schräg, sperrig und gleichzeitig unverrückbar richtig, was in dieser Musik geschieht!

An der bipolaren Störung, einer Form manischer Depression erkrankt, zog sich Monk nach seinem letzten Konzert 1976 völlig zurück. Gestorben ist er sechs Jahre später, am 17. Februar 1982, er war 64 Jahre alt.

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