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ThyssenKrupp leidet unter Konjunkturabkühlung

Stahlkonzern legt Quartalszahlen vor

Von Michael Braun

Das Krupp-Stahlwerk in Duisburg Rheinhausen.
Das Krupp-Stahlwerk in Duisburg Rheinhausen. (AP Archiv)

Schon jetzt ist beim größten deutschen Stahlkonzern ThyssenKrupp Kurzarbeit angesagt. Hinzu kommen massive Probleme mit den Stahlwerken in Brasilien und USA. Dennoch sorgte Thyssen Krupp für Begeisterung an der Börse.

Das Stahlwerk in Brasilien in einem Sumpfgebiet gebaut, die Kosten unterschätzt, die Schwierigkeiten mit dem neuen Stahlwerk in den Vereinigten Staaten kaum kleiner - und jetzt noch die schwächere Konjunktur in Europa. Der Stahlkonzern ThyssenKrupp spürt, dass seine Kunden kaum was kaufen. Hans-Peter Wodniok, beim bankunabängigen Analysehaus fairesearch zuständig für Industriewerte, beschreibt, wie sich die Lage für ThyssenKrupp derzeit darstellt:

"Die Kunden im Maschinenbau, in der Autoindustrie, aber auch im Stahlverarbeitungsbereich, reduzieren ihre Lagerbestände, um - wenn es denn noch schlechter kommen sollte - dann nicht mit zu hohen Lagerbeständen in die Zukunft zu gehen. Das spüren die Stahlhersteller als Allererstes. Es ist halt eben eine frühzyklische Industrie."

Der Konzern spüre deutlich die Zurückhaltung der Kunden, sagte Konzernchef Heinrich Hiesinger am Nachmittag in einer Telefonkonferenz. Immerhin: Zwischen April und Juni, dem dritten Quartal des Geschäftsjahres, erwirtschaftete die europäische Stahlsparte gerade noch einen operativen Gewinn: 47 Millionen Euro, ein Rückgang von 85 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert. Aber eben noch schwarze Zahlen. Der Weg dahin: Kurzarbeit an fünf Standorten für mehr als 2.000 Beschäftigte. Mitbewerber hatten anders entschieden, aber Hiesinger ließ sich nicht beirren:

"Wissen Sie, es wäre leicht für ThyssenKrupp, Aufträge und Arbeit für unsere Beschäftigten hereinzuholen. Aber dann holten wir uns auch Verluste ins Haus. Deshalb haben wir gesagt, wir werden im Stahlgeschäft in Europa Kapazitäten herausnehmen und Kurzarbeit einführen. Wir laufen nicht hinter Umsatz und völlig unakzeptablen Preisen hinterher. Deshalb haben wir Kurzarbeit, aber Gewinne, und andere sind voll ausgelastet, schreiben aber Verluste."

Freilich kann ThyssenKrupp nur operative Gewinne zeigen. Wegen der hohen Abschreibungen auf die verlustreichen Werke in Brasilien und Amerika wies der Konzern für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres einen Verlust von 220 Millionen Euro aus. Rechnete man die defizitäre Edelstahltochter Inoxum hinzu, die an den finnischen Konkurrenten Rivalen Outokumpu verkauft werden soll, waren es gar 938 Millionen Euro Verlust. Und darin sind noch außerordentliche Gewinne aus dem Verkauf einer Gießerei in Amerika enthalten.

Operativ wird es im Stahlgeschäft schwierig bleiben. Zwar sinken die Preise für Kokskohle und Erz. Aber diesen Vorteil wird sich ThyssenKrupp kaum allein in die Tasche stecken können, meint Analyst Wodniok:

"Die Kunden der Stahlhersteller, also die Autohersteller, also der Maschinenbau, die sind natürlich auch schlau und sagen: Moment, Eure Kosten kommen runter, bitte unsere Preise auch sofort wieder reduzieren. Da stellt sich die Frage: Wer ist da am Lenkrad? Wer entscheidet da am Ende? Und ich befürchte, da die Konkurrenz zwischen den Stahlherstellern so stark ist, dass der Kunde da doch eher diktieren kann als der Stahlhersteller."

Die Börse hatte mit noch schlechteren Zahlen bei ThyssenKrupp gerechnet und ließ den Kurs steigen. Sie honorierte auch das Bemühen, Verlustquellen zu schließen und Schulden durch den Verkauf von Unternehmensteilen zu tilgen. Die Bauelemente-Gruppe wurde nach Irland verkauft. Und selbst für die amerikanischen Stahlwerke, versicherte Hiesinger, führe man Verkaufsgespräche.

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