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ThyssenKrupp: Schrumpfender Umsatz, sinkender Gewinn

Stahlhersteller stellt Geschäftszahlen zum ersten Quartal vor

Von Barbara Schmidt-Mattern

Der Stahlkonzern ThyssenKrupp in Essen
Der Stahlkonzern ThyssenKrupp in Essen (picture alliance / dpa / Federico Gambarini)

Der Stahlbereich bleibt bei ThyssenKrupp das ungeliebte Sorgenkind. Deswegen wird eine Schwerpunktverlagerung auf Engineering-Kompetenzen angestrebt. Der Konzern stellte die Geschäftszahlen zum ersten Quartal vor.

Eine Zahl immerhin blinkt schwarz auf im ersten Quartalsbericht, den ThyssenKrupp heute Morgen vorgelegt hat – das Geschäftsjahr des Stahlriesen beginnt jeweils im Herbst: Zwischen Oktober und Dezember des vergangenen Jahres verbuchte der Essener Großkonzern unterm Strich einen Gewinn von 35 Millionen Euro. Das klingt erst einmal gut, angesichts der 460 Millionen Euro an Verlusten, die ThyssenKrupp noch ein Jahr zuvor im gleichen Zeitraum hatte eingestehen müssen. Dass die Gewinnbilanz nun besser ausfällt, liegt aber vor allem am Wegfall einmaliger Belastungen und am Verkauf des Edelstahlgeschäfts. Beim operativen Geschäft sieht die Lage freilich anders aus, hier sank der Umsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal um acht Prozent auf 8,8 Milliarden Euro. Vor allem die Stahlsparte bleibt das ungeliebte Sorgenkind, daran ließ Konzernchef Heinrich Hiesinger schon vor einigen Monaten keinen Zweifel:

"Wir produzieren gerne Stahl, aber Stahl wird in Zukunft nur noch 30 Prozent ausmachen. 70 Prozent unserer Geschäfte sind heute Engineering-Kompetenzen im Bereich von Werkstoffen, Mechanik und Mechatronik, und Anlagenbau."

Diese Schwerpunktverlagerung beschert Thyssen Krupp jetzt Aufträge auf Rekordniveau beim Anlagenbau und beim Geschäft mit Aufzügen. Die Stahlsparte in Europa ächzt hingegen weiterhin unter den niedrigen Preisen und der insgesamt schwierigen Konjunkturlage. Die Folge: Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern brach um mehr als zwei Drittel auf 30 Millionen Euro ein. Mit der heutigen Ertragskraft des Konzerns könne man noch nicht zufrieden sein, alle Konzerngeschäfte müssten nun ihren Beitrag leisten, so Hiesinger:

"Und deshalb suchen wir nach Lösungen – zum einen: Welche Chancen gibt’s am Markt, aber auch: Was können wir intern noch verbessern an Effizienz gewinnen, an Kosten reduzieren, damit auch Stahl in Europa den Beitrag im Konzern bringt, den wir brauchen."

Sagte Heinrich Hiesinger vor wenigen Wochen dem WDR. Besonders das Stahlgeschäft in Nord- und Südamerika verhagelt ThyssenKrupp seit Jahren die Bilanz. Die Werke in Brasilien und den USA will Hiesinger deshalb lieber heute als morgen verkaufen. Zusätzlich kündigt der Konzernchef ein Sparprogramm von zwei Milliarden Euro an. Bereits vor einigen Tagen waren Pläne über einen Abbau von mehr als 2000 Arbeitsplätzen im europäischen Stahlgeschäft bekannt geworden, mit bis zu 1000 Stellen könnten allein der Standort Duisburg betroffen sein. 600 Millionen Euro hat ThyssenKrupp im ersten Quartal bereits wettgemacht, doch es bleibt ein Schuldenberg von 5,2 Milliarden Euro. Bis Ende dieses Geschäftsjahres will der Konzern seinen Umsatz von 40 Milliarden Euro zumindest halten, beim Gewinn aber rechnet Hiesinger nochmals mit Einbußen. Was bleibt, ist die Hoffnung: Im nächsten Geschäftsjahr, das am 1. Oktober beginnt, will der von Kartellverstößen und Korruptionsvorwürfen erschütterte Konzern ein Umsatzplus erreichen.

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