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Treier: Russen versuchen staatlichen Zugriff auf Importe zu erhöhen

DIHK bemängelt Bürokratie Moskaus

Volker Treier im Gespräch mit Birgid Becker

Russlands Präsident Wladimir Putin und Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Eröffnung der Hannover Messe. (picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte)
Russlands Präsident Wladimir Putin und Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Eröffnung der Hannover Messe. (picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte)

Russland hat in den deutschen Wirtschaftsbeziehungen die protektionistischen Maßnahmen erhöht, sagt Volker Treier. Der Außenhandelschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages kritisiert vor allem, dass Russland die Unternehmen teilweise zur Produktion in Russland zwinge.

Birgid Becker: Zur Hannover Messe, die mit Russland in diesem Jahr auf einen Partner setzt, der gleichermaßen ökonomische Hoffnungen auf sich zieht, wie auch von politischen Kontroversen begleitet wird. Und das sorgte heute dafür, dass es in den Messehallen weit aufsehenerregender zuging, als das üblicherweise der Fall ist.
Wir bleiben beim Thema Russland, der ökonomisch hoch interessante, politisch hoch problematische Partner. Dennoch: Wie wichtig ist Russland für die deutsche Wirtschaft? Das habe ich den Außenhandelschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages Volker Treier gefragt.

Volker Treier: Russland ist für uns ein sehr wichtiger Partner. Die sind als Handelspartner mittlerweile auf den zehnten Platz vorgerückt. Wir sind wiederum für die Russen, wenn man es genau zählt, hinter den Chinesen der zweitwichtigste Partner. Das ist dann eben bei den Ein- und Ausfuhren. Natürlich haben wir aus Russland viele Rohstoffe und Energieträger, es ist unser wichtigster Partner in dem Sinn, und wir sind, glaube ich, der wichtigste Partner für Russland. Was die Versorgung mit Produktionsmitteln, mit Maschinen und Anlagen anbelangt und auch mit Unternehmen, die dort produzieren und dort Wertschöpfung und auch Beschäftigung und auch einen gewissen Know-how-Transfer in das Land reingeben, also für die Entwicklung für beide Seiten sehr wichtig.

Becker: Wobei das letztgenannte, Unternehmen, die in Russland produzieren, ja noch stark in der Minderheit ist. Woran liegt das?

Treier: Ich würde das verneinen. Wir haben mittlerweile einen Kapitalstock kumuliert von annähernd 20 Milliarden Euro dort investiert, in China haben wir etwas über 25 Milliarden, und wenn man mal die unterschiedlichen Bevölkerungszahlen sieht, dann sieht man, dass das schon sehr viel ist in Russland. Das kann immer noch mehr sein. Im Moment wird das blockiert durch eine Fachkräfteknappheit und auch durch eine Bürokratie und eine wettbewerbliche Situation, die besser sein kann. Aber insgesamt sind deutsche Unternehmen in Russland für den russischen Markt insbesondere ganz schön aktiv.

Becker: Was konkret bemängeln Sie, wenn Sie Probleme in der Bürokratie ansprechen, wenn Sie Probleme mit der Bürokratie ansprechen?

Treier: Beispielsweise geht es vielfach um Zertifizierungsfragen. Europäische Normen und Zertifizierungen finden in Russland keine Anwendung. In letzter Zeit sind auch weitere protektionistische Maßnahmen dazugekommen, dass Russland die Unternehmen mehr oder minder zwingt, in Russland zu produzieren, wenn man denn in Russland verkaufen will. Wir hoffen, dass das mit dem WTO-Beitritt Russlands sich verbessert. Aber auch es geht um Themen wie Bildung, Qualifizierung, Zugang zu Forschung und Entwicklung und nicht zuletzt auch um die Frage von Korruption.

Becker: Sehen Sie Russland unter Putin auf dem Weg hin zu mehr Protektionismus?

Treier: Na ja, einerseits öffnet man sich schon dem Weltmarkt. Sonst hätten wir kein steigendes Handelsvolumen. Andererseits will man mit dem WTO-Beitritt jetzt gemeinsame Spielregeln schaffen, was aber in dem ersten Schub für die Russen auch eine Mindereinnahme bedeutet, weil sie die Zollsätze senken müssen. Das merken die Russen und versuchen jetzt, an anderer Stelle mit Maßnahmen wieder den staatlichen Zugriff auf importierte Waren zu erhöhen und dadurch etwas von der Gewinnmarge für sich einzuheimsen. Das ist vielleicht auch eine nachvollziehbare Reaktion, aber im Moment macht sie auch wirklich Ärger.

Becker: Der Außenhandelschef des DIHK, Volker Treier, war das.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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