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StartseiteWirtschaft am MittagKünstliche Intelligenz für den Mittelstand 23.04.2018

Trends auf der Hannover MesseKünstliche Intelligenz für den Mittelstand

Immer passgenauere Produkte in immer weniger Zeit: Um den Wünschen der Verbraucher gerecht zu werden, müssen Produktionsanlagen nachgerüstet werden - mit hoch flexibler Automatisierungstechnik. Doch die Systeme sind kompliziert zu bedienen und es fehlt an entsprechender Qualifizierung.

Von Hilde Weeg

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Abstrakte Illustration zum Thema Technologie: rund um einen stilisierten menschlichen Kopf sind vor blauem Hintergrund Zahlen und andere Zeichen zu sehen. (imago / Science Photo Library)
Arbeitsplätze werden durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz zwar wohl nicht gefährdet, aber bei der technischen Nachrüstung von Produktionsanlagen lauern Hindernisse (imago / Science Photo Library)
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Einen Legobaukasten nennt Detlef Zühlke die Anlage, die Forscher und Entwickler aus Kaiserslautern zu Demozwecken in Halle 8 aufgebaut haben. Verbraucher wollten immer passgenauere Produkte in immer weniger Zeit, so Zühlke mit Blick auf die blinkenden und surrenden Kästen im Hintergrund.

"Produktion muss demnächst individueller werden und sie muss damit näher an den Verbraucher herankommen. Und das geht nur, indem wir eine entsprechend hoch flexible Automatisierungstechnik bieten, die eben die Flexibilität bietet - aber eben auch zu annehmbaren Produkt- und Produktionskosten."

Mit smarten Bausteinen flexibel nachrüsten

Der frisch emeritierte Lehrstuhlinhaber für Produktionssysteme Zühlke ist Vorstandsvorsitzender der Smartfactory in Kaiserslautern. Die Plattform verbindet Forscher des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz mit Industrieunternehmen. Auf der Messe zeigt er mit Hilfe von Bosch über SAP bis zum TÜV Süd, wie Anlagen fit gemacht werden können für die digitale Ära. Retrofit heißt das.

"Über die Jahre, die wir jetzt hier stehen, haben wir immer wieder gemeinsam an neuen Technologien gearbeitet mit dem Ziel, dass das, was wir mal erreichen wollen - so quasi die Legosteine, die wir zusammensetzen - dass das in der Praxis funktioniert und zu Produkten wird."

Legosteine aus Künstlicher Intelligenz: Das bedeutet, in kleinen Einheiten Daten automatisiert zu erfassen, daraus zu lernen und das Gelernte wieder in präzise Arbeitsschritte zu übersetzen. Herkömmliche Produktionsanlagen können mithilfe solcher smarten Bausteine immer flexibler nachgerüstet werden, zum Beispiel auch mit Datenbrillen. Das ermöglicht es, Anlagen zu überwachen, zu warten oder zu steuern - personal-, zeit- und damit kostensparend.

"Demnächst werden Menschen und Maschinen enger zusammen arbeiten. Das heißt aber auch, dass der Mensch die Maschinen verstehen muss, wie sie sich verhalten - auch entsprechend beeinflussen können muss."

Technik wird den Menschen nicht ersetzen

Genau da zeigen sich Hindernisse für die Nachrüstung: Die Systeme sind in der Bedienung kompliziert und müssen vereinfacht werden. Außerdem fehlen Fachkräfte - und für die bereits Beschäftigten eine entsprechende Qualifizierung. Und was ist mit den Arbeitsplätzen - werden sie durch Roboter eher vernichtet oder geschaffen?

"Wir werden nach wie vor sehen, dass immer noch der Mensch derjenige ist, der die Dinge bestimmt, da brauchen wir in den nächsten 20, 30 Jahre keinerlei Ängste zu haben. Die Technik wird den Menschen nicht ersetzen beziehungsweise übergehen."

Zühlkes Einschätzung teilt auch Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des Verbands des mit 3200 Mitgliedern stärksten Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer:

"Die Zahl der Jobs wird nicht kleiner werden dadurch, dazu haben wir genug Empirie über die Geschichte der Automatisierungstechnik - dort gibt es eine einfache Faustformel: Je mehr Roboter in einem Land sind, desto mehr Beschäftigte werden neu eingestellt, das korreliert also positiv. Insofern kommt es darauf an, dass die Menschen mitgenommen werden und so qualifiziert werden, dass sie die neuen Tasks wahrnehmen können - und die Automatisierung, die KI und die Roboter sich konzentrieren darauf, was sie besser können. Letztendlich stehen unterm Strich mehr Jobchancen."

Netzausbau muss endlich vorankommen

Was der Branche Sorgen bereitet neben dem Fachkräftemangel:

"Was die Digitalisierungsbremsblöcke angeht, schau ich im Moment mit einer gewissen Sorge darauf, dass die Politik es schafft, den Breitband-Ausbau hinzukriegen. Weil wir viele hidden champions in der Provinz haben - wo noch keiner mit einem Glasfaserkabel vorbei gekommen ist, aber das dringend sollte."

Auch für den Forscher und Entwickler Detlef Zühlke von smartfactory ist der Netzausbau ein zentrales Anliegen. Ist es für die deutsche Industrie aktuell dabei fünf vor oder fünf nach 12?

"Ich würde mal sagen: Da einigen wir uns auf 12."

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