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StartseiteUmwelt und VerbraucherAbgase nur bei zehn Jahre alten Autos messen04.11.2015

TÜV-ReportAbgase nur bei zehn Jahre alten Autos messen

Die Manipulationen bei den Abgaswerten überschatten auch die Vorstellung des neuesten TÜV-Reports, bei dem es eigentlich um Zuverlässigkeit und Sicherheit von Autos geht. Warum aber fielen dem TÜV die Unregelmäßigkeiten bei den Emissionen nicht auf? Ein Grund ist, dass am Auspuff die Abgase nur bei Autos gemessen werden, die rund zehn Jahre und älter sind.

Von Philip Banse

Die SUV-Flotte von Mercedes auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) 2015 in Frankfurt.  (picture alliance / dpa / Susannah V. Vergau)
Der TÜV-Report 2016 sieht die Marken deutscher Hersteller als Sieger. Unter den 50 besten Autos seien nur ein Drittel ausländische Modelle. (picture alliance / dpa / Susannah V. Vergau)
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Stefan Römermann: Und wir bleiben beim Thema Verkehr. Heute haben in Berlin die Technischen Überwachungsvereine ihren Jahresbericht vorgestellt. Mit dabei war mein Kollege Philip Banse. Herr Banse, traditionell geht es beim TÜV-Report ja vor allem um das Thema Sicherheit. Allerdings sind die Überwachungsvereine ja auch für die Überprüfung der Abgaswerte zuständig. Hat da der VW-Skandal deshalb heute auch eine Rolle gespielt?

Philip Banse: Ja, hat er. Auf zwei Ebenen. Erstens: Der TÜV-Report fußt ja auf neun Millionen Hauptuntersuchungen, die der TÜV gemacht hat, also diese Untersuchungen, die jedes Auto alle zwei Jahre machen muss, um auf der Straße fahren zu dürfen. Bei diesen Hauptuntersuchungen spielten zwar auch die Abgase der Autos eine Rolle, sagt Hartmut Müller-Gerbes vom TÜV-Report. Die Manipulationen durch VW könnten in dieser Untersuchung jedoch gar nicht auffallen:

"Weil die Manipulation von Abgaswerten wie VW sie vorgenommen hat, der Abgasuntersuchung im Rahmen einer Hauptuntersuchung nicht feststellbar ist. Warum? Weil sich die vorgeschrieben Messverfahren der Typ-Prüfung und der Abgasuntersuchung erheblich unterscheiden. Für Autobesitzer bedeutet das, dass sie den anstehenden Hauptuntersuchungstermin wahrnehmen können und auch müssen."

Bei der Hälfte aller Autos werden gar keine Abgase gemessen

So wird der Stickstoff-Ausstoß, den VW manipuliert hat, bei der Hauptuntersuchung gar nicht gemessen, einfach weil eine so aufwendige Abgasuntersuchung wie bei der Zulassung zu aufwendig und teuer wäre. Der TÜV machte aber auf eine erhebliche Manipulationsmöglichkeit auch bei der Hauptuntersuchung aufmerksam. Richtig am Auspuff gemessen werden die Abgase nämlich nur bei Autos, die rund zehn Jahre und älter sind. Bei allen aktuellen Autos mit Euro 5 und Euro 6, und das sind nach TÜV-Angaben etwa die Hälfte aller jährlich geprüften Autos, messen die Prüfer gar keine Abgase:

"Bei Fahrzeugen mit Euro 5 und Euro 6 werden die Werte übernommen, die das Auto selber misst und über die On-Board-Schnittstelle zur Verfügung stellt. Da findet gar keine Messung statt", sagt Klaus Brüggemann aus dem TÜV-Vorstand. Sprich, die Prüfer vertrauen bei rund der Hälfte aller Autos darauf, was ihnen der Bordcomputer sagt. Die TÜV-Prüfer würden nur per Kabel die sogenannte On-Board-Diagnose der Autos abfragen:

"Wenn bei der On-Board-Diagnose die Rückmeldung kommt, die Werte sind in Ordnung, dann sind die Werte in Ordnung, Punkt."

Nur wenn der Boardcomputer meldet, dass irgendwas mit den Abgasen nicht stimmt, messen die TÜV-Prüfer wirklich am Auspuff nach. Und dann seien oft schon Merkwürdigkeiten beobachtet worden, so der TÜV. So hätte eine Studie laut TÜV ergeben, dass auch bei Autos problematische Abgase gemessen wurden, deren On-Board-Computer gemeldet hatte: Alles ok. TÜV-Vorstand Brüggemann fordert deswegen:

"Wir plädieren schon seit einiger Zeit dafür, bei allen Fahrzeugen eine Endrohrmessung wieder einzuführen."

Nicht dem Computer vertrauen

Endrohrmessung bedeutet natürlich, nicht dem Computer vertrauen, sondern Abgase am Auspuff messen. Der TÜV plädiert auch dafür, Autos auf der Straße stichprobenartig zu überprüfen, um die Abgase zu messen – und zwar dann auch mit einem Verfahren, das dem echten Leben entspricht. Doch nun noch zum TÜV-Report. Welche Autos haben denn nun in den neun Millionen Hauptuntersuchungen die wenigsten Mängel gezeigt? Die meisten Autos unter den Top 10 hatte wieder Toyota, doch Mercedes habe aufgeholt, sagt Hartmut Müller-Gerbes vom TÜV-Report:

"Mercedes fährt dieses Jahr mit praktisch der gesamten Flotte auf das Siegertreppchen. Die B-Klasse ist der Gewinner der goldenen Plakette. Der GLK, der SLK und die M-Klasse folgen auf den Plätzen 2, 3 und 4. Das Erfolgsmodell C-Klasse und das E-Klasse Coupé schaffen es auch noch in die Top 10."

Bei Klein- und Kompaktwagen siegte der Audi A1 und A3. Der TÜV-Report sieht die Marken deutscher Hersteller als Sieger. Unter den 50 besten Autos seien nur ein Drittel ausländische Modelle. Unter den 50 schlechtesten Autos seien 90 Prozent ausländische Modelle. Fast drei Viertel der untersuchten Autos hätten keine Mängel gehabt, das ist etwas besser als im Vorjahr. Rost ist kein Problem mehr, dafür bemängelten die TÜV-Prüfer viel zu oft defekte Lampen. Das sei gefährlich und völlig überflüssig, sagt der TÜV. Ob eine Lampe brennt oder nicht, könne jeder schnell überprüfen.

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