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Startseite@mediasresBild gegen Zeit27.03.2017

Twitter-Streit über journalistische ArbeitBild gegen Zeit

In einem Artikel der ZEIT werden Zweifel an der Echtheit eines BILD-Interviews deutlich. Dort reagierte man prompt – und griff die Arbeitsmethoden der ZEIT-Kollegin an. Die Folge: Ein Twitter-Disput zwischen dem Vorsitzenden der BILD-Chefredaktionen, Julian Reichelt, und ZEIT-Journalisten.

«Bild»-Digital-Chefredakteur und Vorsitzender der «Bild»-Chefredaktionen, Julian Reichelt, kommt am 07.02.2017 zum Pre-Berlinale-Dinner «Place to B» in Berlin. (dpa / Jörg Carstensen)
Julian Reichelt, Vorsitzender der BILD-Chefredaktionen (dpa / Jörg Carstensen)

Seit mehreren Tagen gibt es auf Twitter einen Disput zwischen BILD-Online-Chef Julian Reichelt und seinen Journalisten-Kollegen von der Wochenzeitung DIE ZEIT. Darin geht es um Vorwürfe von beiden Seiten, dass nicht ordentlich journalistisch gearbeitet worden sei, dass Inhalte erfunden und E-Mails unautorisiert veröffentlicht worden seien.

Es begann mit Recherchen der ZEIT-Journalistin Petra Sorge zum Absturz des Germanwings-Fluges 9525 vor zwei Jahren.

In ihrem Abschlussbericht gehen die Experten der Kommission zur Flugunfalluntersuchung davon aus, dass der Copilot den Absturz der Maschine durch gezieltes Handeln herbeigeführt hat. Der Vater des Copiloten, Günter Lubitz, zweifelt allerdings an dieser Darstellung.

ZEIT-Artikel über Zweifel der Angehörigen

(Deutschlandradio/ Brinkmann) (Deutschlandradio/ Brinkmann)Zum ersten Mal hat Lubitz ein Interview gegeben. Petra Sorge sprach mit ihm über die Unfallereignisse und seine Zweifel. In einem Artikel mit dem Titel "Offene Wunde" geht sie ausführlich auf die Sichtweise der Familie ein. In der ZEIT vom 23. März 2017 heißt es: "Es gilt als Tatsache, dass der Absturz der Germanwings-Maschine mit 150 Toten durch Andreas Lubitz verursacht wurde. Doch dessen Familie meldet Zweifel an. Was treibt sie an?"

In einer Passage des Artikels geht Petra Sorge auch auf die frühere Berichterstattung der Bild-Zeitung ein. Hier wurde im März 2015 ein Interview mit Maria W. abgedruckt, die eine Ex-Freundin von Andreas Lubitz gewesen sei. Ihr soll er gesagt haben, dass er eines Tages etwas tun werde, was das ganze System verändere "und alle werden dann meinen Namen kennen und in Erinnerung behalten".

In der ZEIT hieß es dazu nun: "Das Interview schien genau jenes Puzzleteilchen zu liefern, das noch fehlte zum Bild eines Wahnsinnigen. Als die Staatsanwaltschaft einen Zeugenaufruf startete, meldete sich aber keine Maria W. Staatsanwalt Kumpa erklärt jetzt auf ZEIT-Anfrage: "Ich gehe davon aus, dass ihre Geschichte erfunden ist". Der Springer-Verlag hingegen teilt mit, es gebe keinen Anlass, den Artikel online zu korrigieren. Die Aussagen des Staatsanwalts seien "rein spekulativ", seine Behörde habe die BILD dazu niemals kontaktiert, erklärte ein Pressesprecher."

Bild.de-Chef Julian Reichelt reagiert:

… Stellungnahme dazu - so geht der Tweet weiter - sei weggelassen worden, so Reichelt.

Es folgt eine Auseinandersetzung zwischen Julian Reichelt und den ZEIT-Journalisten Petra Sorge und Holger Stark auf Twitter:

Inzwischen berichtet allerdings das Medienportal turi2, dass Staatsanwalt Christoph Kumpa der ZEIT eine andere Einschätzung gegeben habe: "Mir liegen vielmehr Anhaltspunkte vor, dass diese Frau existiert, da sie nach meinem Kenntnisstand versucht hat, einem anderen Medienvertreter offenbar dieselbe Geschichte zu 'verkaufen'", so der Staatsanwalt.

Wie kamen die Mails zu Julian Reichelt?

ZEIT-Autorin Petra Sorge wollte sich heute gegenüber @mediasres nicht zu der Debatte äußern.

Julian Reichelt sagte im Interview mit @mediasres, dass die Mails für ihn Teil einer offiziellen Anfrage an eine Behörde seien. Außerdem sei die Veröffentlichung von Mails eine übliche Praxis im investigativen Journalismus. Den Vorwurf, damit eine Kollegin zu desavouieren wies er zurück.

Ihm gehe es darum, dass die Marke BILD fair behandelt wird. Die Berichterstattung in der ZEIT schade seiner Zeitung.

Es bleibt aber die Frage, wie Julian Reichelt an die E-Mails seiner Kollegin an die Staatsanwaltschaft gelangt ist. Eine Frage, die auch Twitter-User beschäftigt.

Unterstützung bekommt Julian Reichelt von seinem früheren Chef Kai Diekmann. Auch er hat kein Verständnis für die Kritik an der Mail-Veröffentlichung.

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