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StartseiteCorsoEin Jahr Konsumverzicht06.03.2014

ÜberflussgesellschaftEin Jahr Konsumverzicht

Die Berliner Almut Gaude und Jan Korte nehmen am Projekt "#MeinJahrOhne" teil. 365 Tage verzichten die beiden auf etwas Liebgewonnenes. Ihre Erfahrungen dokumentieren sie und weitere 13 Teilnehmer in einem Blog. Corso-Autorin Christine Kewitz hat mit Gaude und Korte gesprochen.

Almut Gaude und Jan Korte im Gespräch mit Christine Kewitz

Ein Berg voller Plastikmüll (picture alliance / dpa - Nic Bothma)
"Ein Jahr ohne" bedeutet für den Berliner Jan Korte, auf Plastik zu verzichten. (picture alliance / dpa - Nic Bothma)
Weiterführende Informationen

Was kommt nach der Wachstumsgesellschaft? (Deutschlandfunk, Aus Kultur- und Sozialwissenschaften, 28.04.2011) 

"Wir sind erledigt" (Deutschlandfunk , Andruck - Das Magazin für Politische Literatur, 09.09.2013) 

Jan Korte: Mein Name ist Jan, ich bin 27, bin studierter Politik- und Islamwissenschaftler und wohne in Berlin-Neukölln.

Almut Gaude: Mein Name ist Almut Gaude, ich nehme an dem Projekt #MeinJahrOhne teil und werde ein Jahr auf den Kauf neuer Produkte verzichten.

Korte: Wovon benutze ich eigentlich viel zu viel? Und was richte ich eigentlich mit dem an, was ich täglich konsumiere? Und da habe ich halt nachgedacht und irgendwann ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen, wie viel Plastik wir eigentlich benutzen. Und dann habe ich für mich entschieden: "#MeinJahrOhne" wird ein Jahr ohne Plastik.

Gaude: Ich habe mir vorgenommen, auf keinen Fall neue Klamotten zu kaufen oder auch einen neuen Fön, wenn er kaputt geht. Ich versuche, alles ausschließlich "Second Hand" zu kaufen. Also versuche ich erstens, so wenig wie möglich zu kaufen und zweitens, wenn ich tatsächlich was kaufen will oder etwas wirklich brauche, es nur als "Second Hand-Ware" zu kaufen. Das Projekt das gründet sich ja quasi aus so einem Zusammenschluss aus mehreren tollen Menschen, die bei einem Umweltverband arbeiten und wir haben alle mitbekommen, dass die Nunu Kaller in Österreich ein Buch geschrieben hat über "Ich kauf keine neuen ..." Sie hatte sich vorgenommen gar keine neuen Klamotten zu kaufen, gar keine Klamotten insgesamt und wir haben uns gedacht: Hey, das ist eigentlich ein lustiges, interessantes Projekt herauszufinden, was es bedeutet auf bestimmte Sachen beim Konsum zu verzichten und das wollten wir ihr einfach sozusagen nachmachen.

Korte: Ich will gar keinen Absolutheitsanspruch an mich stellen, das Ganze soll eher eine Reise werden. Eine Reise vielleicht auch zur Konsum- und Plastikhörigkeit unserer Gesellschaft. Ich möchte überhaupt erst einmal entdecken, wo ist überall Plastik. Also, ich war mir und bin mir dessen überhaupt gar nicht so vollständig bewusst, wo überall Plastik drin ist und drauf ist und dran ist und im zweiten Schritt finde ich es dann spannend zu gucken, was gibt es denn für Alternativen.

Gaude: Eine Situation war extrem befreiend. Schon nach vier Wochen stand ich irgendwo in irgendeinem Kaufhaus, um Theatertickets zu kaufen und da hatte ich gemerkt: Boah, hier sind so viele tolle, neue Sachen und ich darf die nicht kaufen. Um Gottes Willen. Es war wirklich so ein Gefühl, jemand drückt mir die Luft ab, es war wirklich ein körperliches Verzichtsgefühl. Und kurze Zeit später hat sich aber so ein Freiheitsgefühl ausgebreitet in mir und so ein ganz, ganz starkes Gefühl von: Ich brauch gar nichts!

Korte: Meine Freundinnen und Freunde, die glauben einfach nicht, dass das möglich ist, wirklich ein Jahr auf Plastik zu verzichten, weil es ja wirklich omnipräsent ist und die Alternativen nicht sichtbar sind.

Gaude: Die Reaktionen aus dem Umfeld sind sehr unterschiedlich, also mein Partner hat sehr aggressiv reagiert, also er hat sich gleich angegriffen gefühlt und eigentlich erwidert: Ihr Ökos, warum müsst ihr immer auf diese Verzichtsschiene gehen und das ist total spaßfrei und ich will mir nichts verbieten lassen, ich will mein Leben leben, wie ich will und so.

Korte:: Wir merken auch gerade alle, dass alles irgendwie zu viel wird. Dieser ganze Wohlstandsballast, den wir mit uns rumschleppen, diese Überflussgesellschaft in der wir leben, die macht uns ja auch nicht wirklich zufrieden und die lässt uns halt leben auf Kosten anderer, also von Mensch, Natur und Umwelt. Und ja, ich glaube, die Zeit dafür ist jetzt einfach reif geworden.

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