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StartseiteUmwelt und VerbraucherStorytelling gegen den Klimawandel17.02.2014

UmweltverhaltenStorytelling gegen den Klimawandel

Um Menschen zu umweltfreundlicherem Verhalten zu bewegen, helfen harte Fakten über den Klimawandel nicht unbedingt weiter. Auch erfundene Geschichten können unser Tun und Lassen stark beeinflussen, das haben nun Psychologen der Uni Koblenz herausgefunden.

Von Ludger Fittkau

Eine Szene aus "Avatar" von James Cameron zeigt zwei menschenähnliche Wesen mit blauer Haut und großen spitzen Ohren. (AP)
James Camerons Film "Avatar" gab den Koblenzer Forschern den Anstoß. (AP)

"Ein Hintergrund war, dass Hollywood-Filme, zum Beispiel 'Avatar', der größte Hollywood-Film eigentlich in den letzten Jahren, auch so ein bisschen mit diesem Thema zu tun hat. Und es gab eine Diskussion: Werden da nicht eigentlich Gedanken so hintenrum an die Zuschauer herangetragen."

Markus Appel, Professor für Kommunikationspsychologie und Medienpädagogik an der Uni Koblenz – Landau. Ihn verblüffte, dass es bis jetzt keine wissenschaftlichen Studien gab, die die Auswirkungen von Film- oder Literaturfiktionen auf das konkrete Umweltverhalten von Menschen messen. Deshalb verteilte ein Landauer Forschungsteam eine selbst geschriebene, dreiseitige Umweltgeschichte an hundert Studierende. Im Kern dieser fiktionalen Erzählung ging es um das Thema klimaschonende Fortbewegung mit dem Auto, etwa einfach weniger fahren. Markus Appel:

"Was wir uns zunächst angeschaut haben ist: Hat denn so eine Geschichte im Vergleich zu einer Kontrollgeschichte, in der es nicht um Umweltverhalten geht, überhaupt einen Effekt. Zeigt sich da in Form von Verhaltensabsichten, zeigt sich denn da überhaupt ein Unterschied? Und das war tatsächlich der Fall. Also Leute, die unsere Geschichte gelesen haben, wollten sich eher bewusst verhalten und da ging es ums Autofahren. Also beim Auto früher den Gang wechseln, früher abschalten, weniger fahren, umweltbewusster fahren. Das war tatsächlich der Fall bei den Verhaltensabsichten."

Eine vertrauenswürdige Figur muss her

Als das Landauer Psychologenteam die lesenden Autofahrer drei Wochen später zu ihrem tatsächlichen Fahrverhalten befragten, zeigten sich allerdings weniger klare Effekte. Den Unterschied zwischen gutem Vorsatz und Verhalten im Alltag kann eben auch die Wissenschaft nicht ohne Weiteres auflösen. Ein anderes, ebenfalls wenig überraschendes Ergebnis der Landauer Studie: Der Einfluss umweltrelevanter Inhalte ist stärker, wenn eine vertrauenswürdige Figur sie in der Geschichte vermittelt. Professor Markus Appel:

"Uns hat auch interessiert, ob Figuren, wenn man die Vertrauenswürdigkeit ändert, ob dass einen Einfluss hat. Und das zeigte sich auch: Also vertrauenswürdige Figuren, die man gar nicht kennt, die man nur in dieser Geschichte kennengelernt hat, haben einen höheren Einfluss als Figuren, die man als weniger vertrauenswürdig kennengelernt hat in der Geschichte."

Aus diesen Landauer Forschungsergebnissen lassen sich keine umweltpädagogischen Schlüsse ziehen. Etwa, nur noch fiktionale Geschichten zum Klimawandel anzubieten, in denen die Klimaretter als widerspruchsfreie Gut-Menschen ohne dunkle biografische Seiten beschrieben werden.  Glatte, politisch-korrekte Umweltpädagogik im Film oder auf der Theaterbühne?  Auch der Landauer Kommunikationspsychologe Markus Appel zweifelt, ob es klug wäre, das aus seiner Studie abzuleiten:

"Ob es effektiv wäre – ich glaube ja. Aber möchte man jetzt Theaterstücke schauen und Kinofilme sehen, in denen immer solche sozial relevanten Themen pädagogisch aufgearbeitet sind? Das ist eine Frage, die sich mir als Wissenschaftler nicht direkt stellt, effektiv wäre es vermutlich."

In Science-Fiction-Thrillern wie "Avatar" wird viel geballert. Doch durch die Hintertür werden eben auch ökologische Botschaften vermittelt. Nicht nur die Zuschauerzahlen sprechen dafür, das Hollywood in Sachen Umweltverhalten Nachhaltigeres produziert, als eine pädagogisch wertvolle, aber langweilige Aufklärungsgeschichte das könnte.

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