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US-Notenbank überraschend optimistisch

Zinsen bleiben bei fast null

Von Miriam Braun

US-Notenbank-Chef Ben Bernanke
US-Notenbank-Chef Ben Bernanke (AP)

Die Quartalszahlen in den USA fallen in der laufenden Saison besser aus als erwartet. Worauf US-Präsident Obama im Wahlkampf am meisten hofft, tritt es jetzt ein und kommt die US-Wirtschaft wieder in Fahrt? Morgen kommt die mit Spannung erwartete erste Schätzung für das Wachstum in den USA in diesem Jahr. Gestern bereits teilte die US-Notenbank ihre neueste Einschätzung zur Lage in der größten Volkswirtschaft der Welt mit.

Analysten und Marktbeobachter verzweifeln oft an Ben Bernanke: Tagelang versuchte die Wall Street vorherzusehen, was für Pläne der US-Notenbank-Chef wohl haben könnte.

"Wisst ihr noch bei Alan Greenspan, da gab es den Aktentaschenindikator. Aber bei Bernanke: Sowohl ein Krawatten- als auch ein Bartindikator wurde schon versucht. Aber es gibt einfach nichts an Bernanke, woran man erkennt, was er vorhat."

Pokern wollen die Moderatoren des Nachrichtensenders CNBC nicht mit dem Notenbankchef. Mittwochnachmittag hatte das Rätseln dann ein Ende: Die Leitzinsen der US-Notenbank bleiben weiterhin auf nahezu null Prozent, wenn nötig auch bis weit ins Jahr 2014 hinein. Und die Entscheidung deckt sich mit den Signalen, die Ben Bernanke und seine Kollegen bereits im Januar gegeben hatten. Weitere Maßnahmen wie das Aufkaufen von Hypothekenpapieren oder Staatsanleihen seien weiterhin nicht geplant. Ben Bernanke:

"Die Frage ist: Macht es Sinn, eine Inflation zu riskieren, um auf der anderen Seite die Arbeitslosigkeit leicht zu drücken. Das Notenbankkomitee ist der Meinung, das sei rücksichtlos."

Eine Entscheidung, mit der das Gros der Analysten dann doch gerechnet hatte. Weitaus bedeutender deswegen: der wirtschaftliche Ausblick und die Probleme der US-Ökonomie, nach Einschätzung der Notenbank. Joseph Brusuelas von der Nachrichtenagentur Bloomberg fasst zusammen:

"Die Probleme am Häusermarkt, unsere ganzen überschüssigen Arbeitskräfte, und nicht zuletzt sind die Konditionen an den Märkten nicht die allerbesten: in der Hauptsache wegen Europa und der Sorge um Spanien."

Am US-Arbeitsmarkt sah es zuletzt wieder düsterer aus. Im März wurden nur 120.000 neue Stellen geschaffen und auch die wöchentlichen Daten weisen seit geraumer Zeit auf einen Negativtrend hin. Die Wirtschaft ist im Jahr 2011 nur enttäuschende 1,7 Prozent gewachsen - die Erwartungen für die erste Schätzung der vergangenen drei Monate liegen immerhin bei rund 2,5 Prozent - die Veröffentlichung folgt am Freitag. Auch die Notenbanker sprechen von einem stufenweisen Wachstum.

Gleichzeitig steckt die Wall Street gerade mitten in der Berichtssaison. Rund ein Drittel der im S&P gelisteten Unternehmen hat bereits seine Quartalsergebnisse vorgelegt. Und fast 80 Prozent von diesen konnten die Erwartungen der Analysten übertreffen. Besonders die Banken haben ein weiteres Mal positiv überraschen können. Douglas Cote ist Chef-Stratege bei Ing Investment:

"Wir dachten, die Unternehmensgewinne sind rund ein Prozent gestiegen. In Wahrheit sind sie zehn Prozent gestiegen und die Umsätze rund acht Prozent. Wir hatten ein paar sehr gute Zahlen durch alle Sektoren hindurch. Besonders im Bereich Konsumgüter und auch im Finanzsektor - der hat überrascht."

JP Morgan Chase, Goldman Sachs und Co. konnten von dem Bullenmarkt an den Märkten profitieren. Die Sorge um die Eurokrise in Europa war in den vergangenen Monaten in den Hintergrund geraten und der Dow Jones konnte im ersten Quartal 2012 rund acht Prozent zulegen. Und auch im Hypothekengeschäft mussten die Banken weniger Ausfälle verbuchen.

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