Sport am Wochenende / Archiv /

 

Verfahrenseinstellung in Freiburg

Gegen die Hauptlieferantin der Dopingärzte wird nicht mehr ermittelt

Von Grit Hartmann

Jan Ullrich ist auf dem Weg zu einem Pressestatement, nachdem er von seiner Suspendierung durch sein T-Mobile-Team für die Tour de France erfahren hat. Der Radsportler steht da unter Dopingverdacht. (AP)
Jan Ullrich ist auf dem Weg zu einem Pressestatement, nachdem er von seiner Suspendierung durch sein T-Mobile-Team für die Tour de France erfahren hat. Der Radsportler steht da unter Dopingverdacht. (AP)

Vor knapp vier Jahren, im Mai 2007, brachte Jeff d’Hont, einst Pfleger beim Team Telekom, scheinbar eine Lawine ins Rollen: Seinen Enthüllungen über systematisches Doping beim deutschen Vorzeige-Rennstall folgten Teilgeständnisse von Radprofis und Ärzten des Freiburger Universitätsklinikums. Bundeskriminalamt und Staatsanwaltschaft ermitteln seit Jahren gegen die Doktoren Andreas Schmid, Lothar Heinrich und weitere mutmaßlich Beteiligte, inzwischen mit einem ersten Resultat.

Es war zunächst eines der Rätsel im Freiburger Dopingskandal: Wer eigentlich hat den Universitäts-Medizinern die Präparate geliefert, mit denen sie Radprofis des Teams Telekom und später T-Mobile über Jahre flott machten? Ganz sicher war sich die erste Untersuchungskommission der Universität da nicht.

Ihr Abschlussbericht klärte im Mai 2009 aber immerhin auf, dass die Ärzte Kunden der Rathaus-Apotheke in Elzach waren, ein Städtchen nahe Freiburg. Allein zwischen Dezember 2005 und April 2007 rechneten unter anderen Andreas Schmid und Lothar Heinrich 37 Rezepte und Quittungen aus Elzach bei der Olaf Ludwig Cycling GmbH ab. Bei ihr standen sowohl die Radler als auch die Mediziner unter Vertrag.

Geordert wurden im Sport verbotene Glucocorticoide und auch Eisenpräparate, bizarre 3.458 Tagesdosen – erklärbar indes, weil Eisen-Injektionen die mit Epo erzielte Blutbildung zusätzlich stimulieren. Aufgeführt war dazu ein nicht näher bezeichneter "Ärztebedarf" - der größte Posten mit rund 3.800 Euro. Epo, mutmaßte die Kommission; es hätte gereicht, um 16 Fahrern eine dreiwöchige Kur zu spritzen.

Das Verfahren gegen die Lieferantin in Elzach war eines von zehn bei der Staatsanwaltschaft Freiburg. Oberstaatsanwalt Christoph Frank räumt nun ein:

"Das Ermittlungsverfahren gegen eine Apothekerin wurde vor einigen Monaten mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt."

Offenbar war der Frau nicht nachzuweisen, dass sie wusste, wofür die Ärzte die Medikamente kauften. Aber nur Doping-Mitwisserschaft wäre ein strafrechtlich relevanter Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz. Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung, wie sie die Kommission ebenfalls feststellte, fallen in die Kategorie der Ordnungswidrigkeiten. Zeigt die Einstellung eine Tendenz? Nein, sagt Frank:

"Es sind weitere Ermittlungsverfahren bei der Staatsanwaltschaft Freiburg anhängig, die in ihrem Ausgang abhängig sind vom Hauptverfahren gegen zwei Ärzte."

Gemeint sind Andreas Schmid und Lothar Heinrich. Noch immer im Fokus stehen beispielsweise auch drei einstige Führungskräfte des Rennstalls: Olaf Ludwig, dazu die Sportdirektoren Mario Kummer und Rudy Pevenage:

"Es ist eine sehr aufwändige, sehr schwierige Arbeit, weil wir wenig Kooperationsbereitschaft im Bereich der behandelten Sportler finden. Wir stellen ein System fest, das wohl alles andere als transparent ist, und müssen sehen, dass wir die strafrechtlich relevanten Vorwürfe herausfiltern können. Der Ausgang der Ermittlungen ist noch offen."

Der Hinweis auf geringe Auskunftsfreude der Athleten deutet das eigentliche Problem an: Noch weniger Kooperationsbereitschaft zeigen offenkundig Schmid und Heinrich.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Sport aktuell

Dopingvergangenheit Uni FreiburgAbschlussbericht noch in diesem Jahr

Ein Doping Kontrolleur steht am 07.02.105 Spielfeldrand während des Spiels Dynamo Dresden - Rot-Weiß Erfurt im Dynamo Stadion in Dresden (Sachsen). (dpa / picture-alliance / Arno Burgi)

Die Aufklärung der Dopingvergangenheit an der Universität Freiburg ist womöglich einen entscheidenden Schritt vorangekommen. Die Hochschule und die unabhängige Evaluierungskommission "Freiburger Sportmedizin" wollen wieder zusammenarbeiten. Bis Dezember soll nun der lange erwartete Abschlussbericht vorliegen.

Anti-Doping-KampfChancen und Risiken des Gesetzentwurfs

Jonas Reckermann ist skeptisch beim Anti-Doping-Gesetz (picture alliance / dpa / Rolf Vennenbernd)

Im November wurde der Entwurf für ein Anti-Doping-Gesetz in Deutschland vom Bundesjustizminister und Innenminister vorgelegt. Damit sollen unter anderem Sportler strafrechtlich verfolgt werden, wenn sie unerlaubte Substanzen besitzen – unabhängig von der Menge. Das ist ein Punkt, der bei Sportlern und Verbänden für viel Furore sorgt.

MindestlohnVertragsamateure von Mindestlohnpflicht ausgenommen

Ein Fußballspiel in der Oberliga Niederrhein: Der Wuppertaler SV gegen den FC Kray. (picture alliance / dpa / Revierfoto)

Der Mindestlohn und der Amateursport – das hat seit der Einführung des Mindestlohns zu vielen praktischen Problemen geführt. Darum gab es heute ein Treffen von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles und den Spitzen des Sports. Im Mittelpunkt stand die Frage, was genau Ehrenamt und was klassischer Broterwerb ist.