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Verluste im Minutentakt

Warum Spanien seine Geisterflughäfen nicht schließt

Von Oliver Neuroth

Und wieder ist die Arbeit einer halben Woche getan: Ein Flugzeug landet am "Geisterflughafen" im spanischen Lleida
Und wieder ist die Arbeit einer halben Woche getan: Ein Flugzeug landet am "Geisterflughafen" im spanischen Lleida (Oliver Neuroth)

Der Bauboom in Spanien hat viele Gesichter: Kein europäischer Staat hat mehr Autobahnkilometer als Spanien und es gibt kaum ein Land mit so vielen Flughäfen. Mehr als 50 sind es, 20 davon lohnen sich nicht und gelten als Millionengräber. So auch der Flughafen Lleida.

Der Flug IB 8608 ist gelandet. Zwei Mal pro Woche fliegt das Regionalflugzeug mit 50 Sitzplätzen von Palma de Mallorca nach Lleida. An diesem Nachmittag steht fast ein Dutzend Flughafenmitarbeiter auf dem Rollfeld und beobachtet, wie die Maschine langsam zum Terminal rollt. Die Ankunft eines Flugzeuges ist in Lleida schließlich etwas Besonderes: Im Moment hat der katalanische Flughafen nur diese eine Verbindung nach Palma zu bieten. Freitags und sonntags startet und landet jeweils eine Maschine.

Zu Fuß geht es über das Rollfeld zum Flughafengebäude: Ein Palast aus Glas und Stahl, der mit seinem gut 60 Meter hohen Kontrollturm in der Landschaft etwas verloren wirkt. Rundherum sind nur Felder. Gewerbe- oder Industrieflächen, wie sonst üblich an Flughäfen, gibt nicht. Hier sei so ziemlich alles falsch gemacht worden, sagt Catalina, einer der Passagiere des Palma-Fluges. Sie ist geschäftlich viel in Spanien unterwegs und hat schon einige der defizitären Miniflughäfen gesehen.

"Diese Flughäfen sind ein Fiasko. Durch ihren Betrieb hat sich ein großer Berg Schulden angehäuft. Die Flughäfen sind eben Bauprojekte, die in wirtschaftlich guten Zeiten entstanden sind. Jede kleine Provinz wollte ihren eigenen Flughafen haben. Das war ein großer Fehler. Und jetzt gibt es keinen Plan, das Ganze wirtschaftlich zu betreiben."

Leere Abfertigungshalle am "Geisterflughafen" im spanischen LleidaLeere Abfertigungshalle in Lleida (Oliver Neuroth)Das Terminalgebäude von Lleida wirkt wie ausgestorben. In der Cafeteria sitzt eine Handvoll Mitarbeiter des Flughafens – keine Passagiere. Die beiden Check-In- und der Informationsschalter sind verwaist.

Vor dem Terminal stehen Sicherheitsbeamte rauchend auf dem Parkplatz und unterhalten sich. Es hat den Anschein als würden sie sich langweilen.
Ein einziges Taxi wartet vor dem Ausgang. Es kommt nur freitags und sonntags hierher, wenn die Maschine aus Palma landet.
Heute immerhin hat die Taxifahrerin Glück: Carlos, ein Rückkehrer aus dem Mallorca-Urlaub, winkt sie heran. Er glaubt, dass der Flughafen von Lleida eine Zukunft hat.

"Ich denke, das Ganze ist ein mittelfristiges Projekt. Es braucht einfach noch ein bisschen Zeit, um sich zu entwickeln."

Luftfahrt-Experte José-Ramón Valero aus MadridLuftfahrt-Experte José-Ramón Valero aus Madrid (Oliver Neuroth)Allzu viel Zeit hat der Flughafen aber nicht mehr, schätzt der spanische Luftfahrtjournalist José Ramón Valero aus Madrid. Seiner Meinung nach wird der Airport nie ausreichend Gewinne abwerfen. Das größte Problem sei der Standort des Flugplatzes. Er liegt nicht einmal zwei Autostunden von Barcelona entfernt, mit Spaniens zweitgrößtem Flughafen. Eine enorme Konkurrenz, die einen deutlich wirtschaftlicheren Betrieb bieten kann.

"An jedem Flughafen entstehen eine Menge Extrakosten: Bars und Cafés müssen betrieben werden, die Reinigungskräfte ihr Gehalt bekommen – genauso das Sicherheitspersonal, die Beschäftigten der Flughafenfeuerwehr und die Fluglotsen. Das ist viel Geld – jeden Tag. Und das kann sich nicht lohnen, wenn nur ein oder zweimal pro Woche ein Flugzeug landet."

Trotzdem werden die meisten der spanischen Miniflughäfen nicht geschlossen. Wie in Lleida läuft auch der Betrieb in Huesca, León, Logroño, Valladolid oder Burgos weiter. Die Provinzen wollen ihre Prestigeobjekte um jeden Preis offen halten und nicht eingestehen, dass sie in vielen Fällen blauäugig waren, sagt Luftfahrtexperte Valero. Gerade die Region Katalonien möchte durch möglichst viele Flughäfen ihre Bedeutung festigen. Doch die Probleme, die kleine Flugplätze mit sich bringen können, blenden die Behörden gerne aus. Nun wird der Betrieb vieler Anlagen über eine Art Flughafen-Finanzausgleich sichergestellt.

"Die Einnahmen durch Steuern und Gebühren, die die großen spanischen Flughäfen erwirtschaften, gehen zum Teil an die kleinen defizitären. Die müssten sich also bedanken bei Madrid, Barcelona, Palma de Mallorca und den starken Flughäfen auf den kanarischen Inseln. Nur durch sie können viele der Miniflughäfen geöffnet bleiben."

Der Flughafen Lleida hofft auf den Winter. Dann sind neue Verbidnungen nach England und Russland geplant – insgesamt acht pro Woche soll es geben, um Winterurlauber nach Lleida zu bringen. Die Skigebiete in den Pyrenäen liegen nur eine Autostunde entfernt.

Experten warnen allerdings vor allzu großer Hoffnung: Denn eine ähnliche Strategie ist schon einmal gescheitert. Gleich nach der Eröffnung des Flughafens vor zweieinhalb Jahren wurden internationale Verbindungen nach Paris und Frankfurt/Hahn eingeführt – und nach nicht einmal einem Jahr wieder eingestellt, weil die katalanische Regierung den Airlines keine Subventionen mehr zahlen wollte.

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