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Vertreter der finnischen Nationalromantik

Das Museum Kunstpalast in Düsseldorf zeigt Arbeiten von Akseli Gallen-Kallela

Christiane Vielhaber im Gespräch mit Beatrix Novy

Heterogen, aber "beindruckend" seien die Arbeiten von Akseli Gallen-Kallela, so Christiane Vielhaber.
Heterogen, aber "beindruckend" seien die Arbeiten von Akseli Gallen-Kallela, so Christiane Vielhaber. (picture alliance / dpa)

Die Kunst hatte große Bedeutung für das erwachende Nationalgefühl der kleinen europäischen Völker im 19. Jahrhundert. Der 1865 geborene Maler Akseli Gallen-Kallela gilt als Begründer der finnischen Moderne. Das Düsseldorfer Museum Kunstpalast widmet sich unter dem Titel "Überirdisch nordisch" jetzt seinem Werk.

Beatrix Novy: Und wir gehen ein Stückchen nur zurück in der Zeit ins 19. Jahrhundert, als das erwachende Nationalgefühl vor allem der kleinen europäischen Völker so wichtig war, beziehungsweise die Kunst war so wichtig für dieses Nationalgefühl. Es sollte ja jetzt für die eigene Literatur, die eigene Musik, die eigene Malerei sein. Gerade Finnland, Jahrhunderte lang unter schwedischer und russischer Herrschaft, war da voraus – Finnisch wurde erst im 19. Jahrhundert Schriftsprache, vorher sprachen die gebildeten Schwedisch. Und eine große Rolle in diesem ganzen Zusammenhang spielte das Werk von Akseli Gallen-Kallela, ein Maler, geboren 1865, er lebte bis 1931. Das Museum Kunstpalast in Düsseldorf stellt jetzt sein Werk vor unter dem Titel "Überirdisch nordisch". Christiane Vielhaber, Sie sind da gewesen, sagen Sie doch zuerst etwas zu diesem Maler. Der Name ist ja finnisiert. Geboren wurde er als ein einfacher Axel Gallén.

Christiane Vielhaber: Axel Waldemar Gallén, und er hat sich erst, als er 1907 aus Berlin zurückkam nach Finnland, wo er damals mit den Brücke-Künstlern zusammengearbeitet hat und ausgestellt hat, dann hat er sich auf seine – ja, im Grunde genommen ist er ein Sohn von Schweden –, hat er sich auf seine neuen finnischen Wurzeln besonnen und hat sich dann Akseli Gallen-Kallela genannt. Und dieses Kallela hat er auch drangehängt, so hieß nämlich das Haus, was er für sich und seine Frau in Karelien, also im Norden von Finnland, gebaut hat. Diese Ausstellung mit dem Titel "Überirdisch nordisch" trifft es so ein bisschen, denn da sind Bilder dabei, die eigentlich nicht aus dieser Zeit zu sein scheinen. Man kann richtig schön in dieser Ausstellung nachverfolgen. Mit 16 fängt er an zu studieren in Helsinki, geht dann ganz früh nach Paris an die Académie Julian, wo ganz viele andere Nicht-Franzosen auch waren. Aus dieser Zeit gibt es so richtig Salon-Malerei, so ein bisschen impressionistisch: So eine hübsche junge Frau, eine Straße, und flaniert, und so. Aber das ist es eigentlich nicht, was er will. Dann kommt er zurück, dann hat er mit Munch und mit den Expressionisten, mit den Brücke-Leuten in Berlin ausgestellt. Es gibt so ein paar Bilder, wo man wirklich denkt, na ja, so, da ist eine Nähe zu Munch, dann wird es aber doch schon ganz symbolistisch, dann haben sie Landschaften, Schneelandschaften, das sind einfach so wie weiße Wattebüschel, die da so in der Landschaft liegen, es sind auch unwirkliche Farben, richtig schön sind Genreszenen, wo dieses ganz arme finnische Volk beim Arbeiten ist, also wie die wirklich, wie die leiden, wo es sehr karg ist und sehr kalt ist, und ein kleines Mädchen lernt mit dem Großvater irgendwo an Fenstern, geht man mal in die Sauna – also das sind so wirklich Genre-Szenen, das ist schön, das ist naturalistisch, das ist realistisch. Und dann kippt es eigentlich um, als er sich dann auf diese Wurzeln besinnt. Mitte des 19. Jahrhunderts kam zum ersten Mal diese Sammlung mit Liedern und, ja, Gedichten und Geschichten – ja, wie soll man das beschreiben? Dann gibt es den Sampo. Und ich stelle mir das so vor wie den Gral.

Novy: Das ist dieser finnische Mythos der in dem Kalevala von Elias Lönnrot dann eine Gestalt gefunden hat.

Vielhaber: Ja, mit dem Totenfluss und mit Kampf und …

Novy: Das hat er illustriert.

Vielhaber: … mit diesen – ja, auch teilweise große Fresken, er ist auch in Italien gewesen, hat Freskenmalerei gelernt, er ist eigentlich überall gewesen, und dann immer wieder zurück in Finnland.

Novy: Aber für einen Finnen ungeheuer weit südlich gereist, nach Afrika und später in New Mexico?

Vielhaber: Ja, am Schluss seines Lebens fährt er mit zwei kleinen Kindern, was heute Kenia ist. Und Sie haben dann Bilder, da müssen Sie – das geht gar nicht anders, da denkt man an Gauguin. Dann malt der tote Nilpferde, die schwimmen da so rum, und aufgedunsen, er malt ganz schöne Negerporträts – das ist aber völlig anders im Stil als diese jugendstilmäßige symbolistische Phase, mit der er die Kalevala illustriert hat.

Novy: Also ein sehr heterogenes Werk, in dem eigentlich alles vorkommt, was irgendwie zur Moderne hingeführt hat?

Vielhaber: Ja, ich habe mich dann am Schluss gefragt – er wird ja als Begründer der finnischen Moderne, wo er dann wirklich modern ist, vielleicht am Anfang, wo er so auf den Symbolismus schielt, der da vielleicht noch nicht in Skandinavien angekommen war, und dann am Schluss mit diesem Gauguin haften, mit dieser Farbigkeit, was daran modern ist, er ist einfach unheimlich vernetzt gewesen. Er hatte überall, wenn Sie hören, Paris und Deutschland – also Berlin war ja nun mal damals die große Achse Berlin-Paris. Er war vernetzt, er hat ausgestellt, aber im Grunde genommen ist das ein Werk, was sehr disparat ist, was Sie nicht auf einen Nenner bringen können, aber beeindruckend.

Novy: Ein Blick also in die finnische und überhaupt in die Kunstgeschichte, ein Vertreter der finnischen Nationalromantik, Akseli Gallen-Kallela, im Museum Kunstpalast in Düsseldorf. Vielen Dank, Christiane Vielhaber!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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