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Visionäre Beats

Der Musiker Cornelius Harris über die Anfänge des Detroit-Techno

Von Marietta Schwarz und Andreas Main

Zugang nur nach Voranmeldung: der Submerge Record Store in Detroit. Mehr als ein Plattenladen. Ein Mekka für Techno-Jünger.
Zugang nur nach Voranmeldung: der Submerge Record Store in Detroit. Mehr als ein Plattenladen. Ein Mekka für Techno-Jünger. (Andreas Main)

Detroit hat die Pop-Musik revolutioniert: Zuerst war es Motown, dann kam Techno. Die Künstler der ersten Stunde beschworen in den düsteren 80er-Jahren eine bessere Zukunft, sagt Cornelius Harris vom legendären Projekt Underground Resistance. Der weltweite Siegeszug des Techno nahm hier seinen Anfang.

Cornelius HarrisCornelius Harris (Cornelius Harris / brightonfusion.co.uk) Mein Name ist Cornelius Harris, der Gründer von Alterego Management, wir managen Musiker wie Juan Atkins and Model 500, Underground Resistance, DJ Squad und andere Musiker, die daraus hervorgehen.

- An Cybotron, die von Juan Atkins gegründete Band, erinnere ich mich total gut. Weil ich 13 war, nicht raus durfte und Radio hörte. Der erste, der Cybotron im Radio spielte, war DJ Electrifying Mojo, ein unglaublicher Typ. Der spielte einen wilden Musik-Mix. Musik, die mir und vielen anderen Leuten eine neue Welt erschlossen hat.

- Wir waren mitten in einer schlimmen Rezession, und zur selben Zeit tauchte auch Crack als Droge auf. Und das zerstörte viele Leute, viele Familien, ganze Stadtviertel. Also viel Zündstoff insgesamt. Und da war diese jüngere Generation, die sich mit einer ganz düsteren Zukunft, Atomkrieg, Arbeitslosigkeit... konfrontiert sah. Und da hatten wir diesen DJ, der uns Hoffnung machte auf eine bessere Zukunft. Oder Musiker wie Juan Atkins und Cybotron, die vermittelten: Da ist Licht am Ende des Tunnels. Und zwar jetzt. Lasst uns nicht drauf warten. Wir schaffen uns unsere eigene Zukunft.

- Ich habe ein Problem mit dem Begriff "Techno" - das sind viele verschiedene Stile und Gefühle, die aber alle aus dieser Stadt kommen. Das Ganze mit dem Begriff Techno zu labeln, war eine reine Marketingangelegenheit. Man wollte es nicht "Musik aus Detroit" nennen, also nannte man es Techno. Fortan war alles, was aus Detroit kam, Techno.

- Die USA können keine besseren Botschafter im Ausland haben als unsere DJs. Ich sehe das als kulturellen Austausch. Und wer hätte sich das in Detroit träumen lassen, dass unsere Jungs mal diese Stadt und dieses Land im Ausland repräsentieren?!

- Und hier in Detroit nutzen viele dieser Künstler ihren Ruhm wirklich, um die Stadt nach vorne zu bringen. Mit Jugendarbeit, man kann jammern. Oder man nimmt die Sache selbst in die Hand.

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Techno-Freunde pilgern gern zu Submerge. Das ist mehr als ein Plattenladen. Ohne Voranmeldung geht gar nichts.

Ein einstündiger Film, wie Techno in Detroit enstanden ist:
Detroit Techno - The Creation of Techno Music (HighTechSoul)

Wer mehr wissen will: Dan Sicko hat das Standardwerk zu Detroit Techno geschrieben. Der Musikjournalist ist 2011 im Alter von 42 Jahren gestorben. Aber seine Internetseite techno-rebels.com existiert noch. Und sein Buch "techno rebels" aus dem Jahr 1999 ist 2010 als erweiterte Neuauflage erschienen und absolut lesenswert! "techno rebels - the renegades of electronic funk", Wayne State University Press (2010)



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